Ein Mittag im April auf dem Römerberg: Auf den verstreuten Bänken sitzen Schülergruppen aus dem Ausland in der Sonne, aus den Restaurants trägt der Wind Küchendüfte durch die Luft, im Eiscafé gegenüber sitzen ein paar Gäste vor den Palmen der Terrasse, während die Domglocken läuten. Und mitten durch die Szenerie geht der ohrenbetäubende Lärm eines Bohrers, der sich vor dem Historischen Museum in den Boden frisst.
Frankfurts Mitte, die Innenstadt. Und mitten drin: die Altstadt. Doch gerade im Herzen Frankfurts gibt es so etwas wie Identifikation mit dem Stadtteil eigentlich nicht. Nicht wie in Bornheim etwa. Oder dem Nordend.
Foto: picture-alliance / dpaDie Altstadt: Frankfurt tut sich seit Jahrzehnten schwer mit dem Thema. Seit dem zweiten Weltkrieg gibt es sie eigentlich nicht mehr, von den alten Fachwerkhäusern ist nur noch das Haus Wertheym übrig geblieben. Die sechs Fachwerkhäuser der „Ostzeile“ sind Rekonstruktionen und stammen aus den 1980er Jahren. Auch wenn nach jahrelangen Debatten endlich feststeht, dass auf dem Gelände des technischen Rathauses sieben weitere historische Gebäude rekonstruiert werden und entlang des Krönungswegs moderne Häuser entstehen sollen, ist noch nicht klar, was sich dort ansiedeln soll. Neben Geschäften könnten auch Museen oder die evangelische St. Paulsgemeinde das Gelände nutzen.
Der eigentliche Mittelpunkt der Stadt liegt nördlich von Römerberg und Paulsplatz: Es ist die Hauptwache, an der das Leben tobt, der Verkehrsknotenpunkt für den Schienennahverkehr, von dem aus die Einkaufsmeile Zeil zur Konstablerwache führt und die eigentliche Achse bildet, um die sich alles dreht. Seit die Hauptwache im Februar 2009 für Autos gesperrt worden ist, hat sie sich in eine Art Platz verwandelt. Mehrmals im Jahr stehen zwischen Kaufhof und Katharinenkirche Bühnen und Fressbuden wenn nicht gerade eine Demonstration stattfindet. Ansonsten halten hier nicht nur die Berufstrinker stets die Stellung, auch Normalbürger nutzen die Stufen zum Verweilen.
Kultur und Kulinarisches kommen hier zusammen: In den oberen Etagen sitzen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Frankfurter Buchmesse, im Erdgeschoss das Restaurant „Margarete“ und das zum Kaffeehaus expandierte Schokoladenlädchen „Bitter & Zart“. Dieses „Haus des Buches“ in der Braubachstraße könnte sich künftig zu einem neuen Anziehungspunkt in der Altstadt entwickeln. Teil des „Margarete“ ist das „Fenster zur Stadt“ – ein Ausstellungsraum, in dem unakademisch Literatur- und Verlagsgeschichte vermittelt werden soll. Zu den Themen gehören die Poetikdozenten und „Frankfurt liest ein Buch“.
Schon lange ist im Gespräch, die Hauptwache noch mehr nach einem Platz aussehen zu lassen. Die Abgänge zur B-Ebene der S- und U-Bahnstation, die einen großen Schlund bilden, sollten geschlossen werden. „Deckel auf die Hauptwache“, hieß das Projekt, ein Entwurf liegt seit dem Jahr 2000 vor, es war sogar die Rede davon, den ehemaligen Schillerplatz wiedererstehen zu lassen – samt dem Denkmal aus der Taunusanlage, einen Steinwurf von Dichterkollegen Goethe entfernt. Doch seit vergangenem August liegt das Projekt vorerst auf Eis. Die Stadt muss sparen. Dafür soll in diesem Jahr die B-Ebene der Konstablerwache umgebaut werden.
Ganz und gar nicht gespart wurde hingegen an der Zeil, die von 2008 bis 2010 erneuert worden ist. Neue Gehwegplatten, Laternen und Bänke, sowie weniger Bäume, mehr Fahrradständer und vier neue Pavillons für Gastronomie sollen die ansonsten architektonisch eher durchwachsene Einkaufsmeile aufwerten. Doch auch an den Rändern der Zeil hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Einige Geschäfte wie Kaufhof und Esprit haben ihre Fassaden modernisiert, das Bienenkorbhaus wurde erneuert, das ehemalige Hako-Haus wird derzeit umgebaut. Ebenso sieht die Zeilgalerie zumindest von außen ansprechender aus als zuvor.
Blickfänger ist seit Februar 2009 das neueste und größte Einkaufszentrum „MyZeil“, mit seiner organisch-trichterförmigen Glasfassade, die ihre Wirkung besonders entfaltet, wenn es dunkel ist. Ansonsten ist das Gebäude so umstritten wie sein Name, frequentiert wird es trotzdem stark. Im Erdgeschoss stehen die Jugendlichen bei „Hollister“ Schlange, eine riesige Rolltreppe führt zu „Saturn“, dem zweiten Publikumsmagneten. Doch noch immer stehen Ladenflächen leer, zu hoch sind wohl die Mieten – wie ohnehin auf dem Rest der Zeil.
Das Einkaufszentrum ist Teil des Großprojekts „Palais Quartier“, das lange unter dem Namen „Frankfurt Hoch Vier“ firmierte. Dazu gehören ein Hotel- und ein Bürogebäude sowie eine Rekonstruktion des ehemaligen Thurn-und-Taxis-Palais, in dem früher noch der Deutsche Bundestag seinen Sitz hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gelände um den Kaufhof herum für Post, Telekom und für die Frankfurter Rundschau, bis es an einen niederländischen Investor verkauft wurde. Abriss- und Bauarbeiten verzögerten sich, mehrmals wurde der Eröffnungstermin verschoben. Nachdem das „MyZeil“ eröffnet war, dauerte es noch über zwei Jahre, bis auch die anderen drei Gebäude fertig wurden.
Kultur und Kulinarisches kommen hier zusammen: In den oberen Etagen sitzen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Frankfurter Buchmesse, im Erdgeschoss das Restaurant „Margarete“ und das zum Kaffeehaus expandierte Schokoladenlädchen „Bitter & Zart“. Dieses „Haus des Buches“ in der Braubachstraße könnte sich künftig zu einem neuen Anziehungspunkt in der Altstadt entwickeln. Teil des „Margarete“ ist das „Fenster zur Stadt“ – ein Ausstellungsraum, in dem unakademisch Literatur- und Verlagsgeschichte vermittelt werden soll. Zu den Themen gehören die Poetikdozenten und „Frankfurt liest ein Buch“.
Als ebenso wenig einladend empfinden viele auch den Goetheplatz, dessen Umgestaltung im Jahr 2009 beendet worden ist. Dort stehen zwar ein paar Bäumchen, die in Reih und Glied das restaurierte Denkmal des Größten Frankfurter Sohns flankieren, der Platz wird trotzdem als „Betonwüste“ empfunden. Zusammen mit dem sich anschließenden Rossmarkt und dem Rathenauplatz bildet er eine unförmige Fläche, der nur dann Aufenthaltsqualität zukommt, wenn es mehrmals im Jahr mit Großereignissen bespielt wird – vom Public Viewing bis hin zum Grüne-Soße-Festival.
Doch die Innenstadt hat noch mehr zu bieten: Eine hohe Dichte an Museen, Kinos und Theatern, eine Reihe neuer Clubs, auch ein Teil des Bankenviertels liegt hier – und natürlich wohnen zwischen all dem auch ein paar Menschen; künftig sollen es mehr werden. Auf der dritten großen Baustelle, dem ehemaligen Degussa-Areal, entstehen von den 108.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche 21.000 Quadratmeter für Wohnungen. Der Rest ist für Gastronomie, Läden – und Büros. Noch mehr Büros wird es im Taunusturm geben, der derzeit in der gleichnamigen Anlage gebaut wird. Daneben soll ein zweiter Turm zum Wohnen sein.
Damit auch gutbetuchte Gäste aus Nah- und Fernost sich beim Übernachten in Frankfurt wohlfühlen, soll an der Alten Oper nun ein Luxushotel entstehen: Das 110 Millionen Euro teure „Sofitel Frankfurt Opera“. Dafür mussten 23 Bäume der Liesel-Christ-Anlage fallen. Ein Stück weniger Grün in den Wallanlagen, der einstigen Frankfurter Stadtgrenze, die heute die Innenstadt markiert. Früher lebten dort die Junkies, heute sind es die Occupy-Camper – und die Kaninchen.