Morgens, kurz vor 8 Uhr. Auf der Mainzer Landstraße nördlich des Gewerbegebiets in Griesheim fließt der Verkehr in Richtung Innenstadt. Auto reiht sich an Auto, die Straßenbahn fährt schon mal vor. Ganz normaler Wahnsinn in Frankfurt. Und Griesheim ist Frankfurt. Im 1928 eingemeindeten Stadtteil treffen die Kulturen aufeinander, Frankfurt als Multikultistadt, als Hauptstadt Europas wird hier im Miniformat abgebildet. Auch viele Pendler haben hier eine Zweitwohnung. Doch so mini ist Griesheim gar nicht.
Der Stadtteil ist sogar dreigeteilt. Der südliche Teil bis zu den Eisenbahnschienen liegt idyllisch am Main. Hier gibt es neben Spielplätzen und grünen Wiesen den einzigen Jachthafen in Frankfurt. Das sogenannte Alt-Griesheim hat viele Geschäfte zu bieten. Es gibt Bäcker, Metzger, mehrere Supermärkte und Blumenläden. Auch die ältesten Häuser und Kirchen stehen hier. Der Südteil Griesheims ist sozusagen das Dorf im Dorf. Als die Post noch im alten Gebäude war, das heute eine Kindertagesstätte beherbergt, kannten die Mitarbeiter ihre Kunden beim Namen.
Die FR macht mobil: Einmal pro Woche besucht die Lokalredaktion einen Stadtteil, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wir hören uns an, was Sie zu dem Stadtteil zu sagen haben, und nehmen Anregungen, Kritik oder Lob entgegen.
In Griesheim hat die FR am Mittwoch, 21. Dezember, von 14 bis 16 Uhr einen Stand auf dem Rewe-Markt in der Alten Falterstraße 3-7. Von der Redaktion kommen Timur Tinç und Boris Schlepper. Als Gäste haben sich Quartiersmanager Volker Rapp, die Vorsitzende des Vereinsrings Ursula Schmidt und die ehemalige Stadtbezirksvorsteherin Christel Götz angekündigt.
Ebenfalls im Südteil befindet sich der Industriepark Griesheim, bereits 1856 wurde die erste Chemiefabrik erbaut. Das wichtigste Unternehmen Messer Griesheim heißt heute Messergroup, es entwarf die olympische Fackel für die Sommerspiele in Sydney. Neben der Chemieindustrie gibt es seit neuestem auch ein Betriebswerk der Deutschen Bahn samt ICE-Wartungshalle. Stellvertretend dafür, wie sehr der Industriepark das Wesen Griesheims beeinflusst, steht der höchste Berg im Stadtteil. Der ist nämlich kein natürlicher. Er besteht aus Abfällen der Chemieindustrie, die aufgetürmt wurden und nach Giftmessungen 1992 eingeschlossen werden mussten. Trotz des gefährlichen Inhalts wird der Berg liebevoll Griesheimer Alpen genannt und täglich fahren Tausende mit der Bahn an den Alpen vorbei.