Aktuell: Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main | Eintracht Frankfurt | Bahn-Streik

Städte-Porträts
Wiesbaden, Hanau, Offenbach - in welcher dieser und anderer Städte lebt es sich am besten in Rhein-Main? Wir porträtieren Städte aus der Region.

13. Juni 2012

Hofheim: Alt und Neu vereint

 Von Andrea Rost
Erst flanieren, dann entspannen: In der Fußgängerzone in Hofheim geht das.  Foto: Chris Hartung

Hofheim hat eine wunderschöne Fachwerk-Altstadt und ein modernes Einkaufszentrum nebenan. Das harmoniert, trotz allen Unkenrufen, mit den kleinen Läden in der City.

Drucken per Mail

Hofheim hat eine wunderschöne Fachwerk-Altstadt und ein modernes Einkaufszentrum nebenan. Das harmoniert, trotz allen Unkenrufen, mit den kleinen Läden in der City.

Die Pfeile weisen in entgegengesetzte Richtung: einer zeigt in die Altstadt, einer zum Chinon-Center. „100 Einzelhändler freuen sich auf Sie“ steht in großen Lettern auf dem Transparent. Wer den Satz liest, steht auf dem Kellereiplatz – mit schmucken grauen Natursteinplatten ist er belegt, lädt mit Bäumen und Bänken zum Verweilen ein. Autos darf man hier, wie überall in der Stadt, eine Stunde lang kostenlos abstellen. Aber es gibt längst nicht mehr so viele Parkplätze wie früher.

Noch vor eineinhalb Jahren glich der Kellereiplatz an der Elisabethenstraße einer riesigen Kraterlandschaft. Bagger wühlten sich in die Erde. Der Platz wurde tiefer gelegt, das Gemäuer des alten Wasserschlosses von wucherndem Grün befreit; die Bögen einer Steinbrücke, die einst das Kellereigebäude und das Schloss miteinander verband, legten Fachleute frei. „Nimmt das hier denn nie ein Ende“, stöhnten die Hofheimer, die schon jahrelang mit der Baustelle rund um das Kellereigebäude leben mussten. Die Sanierung der denkmalgeschützten Kellerei mit Hexenturm und spätbarocker Fassade war ein Fass ohne Boden. Über vier Millionen Euro haben die Arbeiten gekostet – und viel länger gedauert als ursprünglich geplant.

Für Hofheim spielt das Gebäude, das nach seiner Sanierung in zartem Gelb mit rot umrandeten Fenstern und grauem Schieferdach den Platz dominiert, eine zentrale Rolle. Es ist nicht nur – wie Reste des alten Wasserschlosses – eines der ganz wenigen Gebäude, das den Dreißigjährigen Krieg überstanden hat. Es ist auch bedeutend, weil die Kellerei und der gleichnamige Platz so etwas wie ein Scharnier bilden zwischen der historischen Altstadt und dem Chinon-Center östlich der Elisabethenstraße.

Leser im Gespräch

Die FR ist mobil: Einmal pro Woche stellen die Redaktionen in der Region in den nächsten Monaten ausgewählte Städte vor und besuchen diese, um mit Einwohnern ins Gespräch zu kommen. Wir hören uns an, was Sie zu Ihrem Ort sagen und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

In Hofheim baut die Frankfurter Rundschau am Donnerstag, 14.Juni, einen Stand an der Hauptstraße/Am Untertor auf. Zwischen 15 bis 17 Uhr treffen Sie dort auch Andrea Rost und Torsten Weigelt von der Main-Taunus-Redaktion.

Dem Bau des Einkaufszentrums waren jahrelange erbitterte Debatten vorausgegangen. Mal hieß es, kuwaitische Investoren wollten auf der Brache neben dem Rathaus ein Hotel bauen, mal wünschten sich die Bürger eine Parkanlage. Pläne für ein Shopping-Center wurden geschmiedet und wieder verworfen, eine Bürgerinitiative zog gegen den geplanten „Klotz“ zu Felde. Große Bedenken hatten auch die Einzelhändler der Altstadt, die die neue Konkurrenz fürchteten.

Eineinhalb Jahre nach Eröffnung des von einem Berliner Investor gebauten Chinon-Centers ist klar: Die Sorgen waren unbegründet. Kein Laden in der Innenstadt musste dichtmachen. „Wir haben ein gutes Einvernehmen“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins Industrie, Handel, Handwerk, Bernd Wischert. Und auch die Hofheimer haben sich daran gewöhnt, dass sie dies- und jenseits der Elisabethenstraße einkaufen können.

20 verschiedene Konfitüren - nach Omas Rezept

Auf dem Kellereiplatz herrscht tagsüber reges Kommen und Gehen – in beide Richtungen. Nur einen Steinwurf entfernt liegt die Hofheimer Altstadt. Sie ist Fußgängerzone mit schmalen Gassen und liebevoll hergerichteten Fachwerkhäusern. Die meisten stammen aus der Zeit des Barock und konnten von engagierten Bürgern in den 1970er Jahren vor dem Abriss gerettet werden. In der Hauptstraße und den Seitengassen reiht sich Laden an Laden; manche sind alteingesessen wie die Parfümerie Schäfer, das Wäschehaus Jean Hammel oder der Pfeifen- und Tabakladen Knöß, der gerade das 100-jährige Bestehen feiert. Viele kleine Modeboutiquen laden zum Flanieren ein, und es gibt Gastronomie auf Schritt und Tritt.

Allen voran das Alte Rathaus-Café, in dem Eva Rembser köstliche Torten fabriziert und nach Oma Hannas Rezepten 20 verschiedene Sorten Konfitüre kocht. Auf dem Tiverton-Platz steht mit der „Scheuer“ Hofheims einziges Restaurant, das ob seiner feinen Küche auch den großen Gastronomieführern mehr als eine Notiz wert ist. Kaum einen freien Platz findet man im Restaurant „Zum Türmchen“, das in der Burggrabenzeile am Untertor untergebracht ist; die Fachwerkhäuser stehen auf den Fundamenten der alten Stadtmauer. Am künstlichen Bachlauf davor spielen bei schönem Wetter gerne die Kinder. Und auf dem Platz am Untertor findet mittwochs und samstags der Hofheimer Wochenmarkt statt.

Gastronomie sucht man im Chinon-Center vergebens. Nacheinander haben dort eine Pizzeria, ein Café und eine Lounge dichtgemacht. Einzig im Restaurant „Goldener Apfel“ in der Stadthalle nebenan wird gekocht. Die Grüne Soße, die dort serviert wird, hat sogar jüngst beim Festival in Frankfurt den ersten Platz erobert. Vor allem große Ketten haben im Chinon-Center Filialen eröffnet. Und es gibt endlich wieder ein Kino in Hofheim. Der mit modernster Digitaltechnik ausgestattete Cinepark ist im Obergeschoss des Einkaufszentrums untergebracht und wird vom Karbener Dieter Lachner betrieben. Nach einem eher schleppenden Start Ende 2010 gehe es jetzt mit den Besucherzahlen bergauf, meldete Lachner unlängst.

Mehr als sieben Millionen Euro hat die Stadt trotz chronisch klammer Kassen in den vergangenen Jahren in den Stadtumbau investiert. Auch der Chinonplatz zwischen Einkaufszentrum und Rathaus wurde hergerichtet, und das Verwaltungsgebäude hat einen Anbau mit neuem Trausaal bekommen. Nur einen „Schandfleck“ gibt es noch in der Innenstadt: Die alte Stadtbücherei an der Elisabethenstraße ist viel zu klein. Die Pläne für eine neue Bibliothek mit Stadtarchiv liegen fertig auf dem Tisch; drei Millionen soll der Neubau an der Elisabethenstraße Ecke Pfarrgasse kosten. Bei der Detailplanung dürfen auch die Bürger mitreden.

Von allen Stadtteilen hat die Hofheimer Kernstadt mit Abstand die meisten Einwohner. Bevorzugte, aber teure Wohngebiete sind neben der Altstadt der Kapellenberg, der Steinberg und der Rosenberg. Im Norden stehen Wohnblocks der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft. Das Gebiet, in dem viele Migranten zu Hause sind, wird vom Landesprogramm Soziale Stadt gefördert.

Elegante Villen und Einfamilienhäuser sollen nach jahrelangem regionalpolitischen Tauziehen auf den Streuobstwiesen der Vorderheide in Richtung Kelkheim gebaut werden. Sehr zum Missfallen der Anwohner, die den Verein „Lebenswertes Hofheim“ gegründet haben und dagegen zu Felde ziehen. Gleiches tut der Bund für Umwelt und Naturschutz. Der Umweltverband hat Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan eingereicht.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Regionale Startseite
Neueste Bildergalerien
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Anzeige
Anzeige
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Frankfurter Rundschau im Abo
ANZEIGE
- Partner