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Fall Wolski: Morgens Beamter, mittags "Herr Otto"

Ein Prüfer des Finanzamts Frankfurt hatte eine Doppelrolle, sagen Zeugen im Wolski-Prozess. Freiberuflich arbeitete er für diejenigen, die er als Finanzbeamter steuerlich prüfen sollte. Von Matthias Thieme

Am Haupteingang zum Finanzamt Frankfurt.
Am Haupteingang zum Finanzamt Frankfurt.
Foto: dpa

Neue Zeugenaussagen im Strafprozess gegen Michael Wolski vor dem Darmstädter Landgericht lassen jetzt irritierende Vorgänge aus der Frankfurter Finanzverwaltung publik werden: Der Finanzbeamte Otto W. sei für die steuerliche Prüfung des zeitweise mit 200 Millionen D-Mark veranschlagten Immobilienimperiums der Eheleute Margit und Ignaz C. zuständig gewesen, berichten zwei Zeuginnen übereinstimmend. Doch das sei nicht alles gewesen: Nachmittags habe der Finanzbeamte freiberuflich ausgerechnet für das Steuerbüro Hohl gearbeitet, welches die Buchhaltung und sogar die komplette Steuerberatung der großen Firmengruppe bearbeitete.

"Morgens kam er als Finanzbeamter und mittags war er Steuerberater", sagte Zeugin Ursula M. vor Gericht. Morgens habe sich der Beamte als "Herr W." anreden lassen, ab dem Nachmittag sei er für alle Mitarbeiter hingegen "der Herr Otto" gewesen und habe sich selbst auch am Telefon nachmittags mit "Herr Otto" gemeldet - eine Doppelrolle, die im Gerichtssaal Staunen hervorruft.

Als Wolski noch Steuern zahlte

Das Steuerbüro Hohl habe alle Steuersachen bearbeitet, so die Zeugin, die 20 Jahre lang in dem Immobilienimperium arbeitete. "Als Herr Wolski noch Steuern zahlte", habe die Firmenchefin Margit C. "ihm die Steuernachzahlung bezahlt", berichtet eine weitere Zeugin, die frühere Angestellte Heidemarie B. Die vermögende alte Dame sei später von Michael Wolski "total abhängig" gewesen, habe oft geweint und "Micha angefleht", in vielen Streitereien über geschäftliche Dinge.

"Das war ein für jeden sichtbares Abhängigkeitsverhältnis", so die Zeugin. Wolski habe die Gründung von Objektgesellschaften angestoßen, die gemeinsam auf ihn und die alte Dame Margit C. liefen. "Er sagte: Wir müssen das aus steuerlichen Gründen machen", so die Zeugin. Als der Ehemann von Margit C. und Firmeninhaber Ignaz C. ins Pflegeheim kam, seien Überweisungen und Verträge oft mit einer Unterschrift von Ignaz C. versehen worden, die sich auf einem Stempel befand. "Es gab einen Stempel mit der Unterschrift", so die Zeugin. "Ich habe gesehen, wie Margit C. davon Gebrauch gemacht hat."

Große Summen wechselten laut Gerichtsakten nun die Besitzer, immer von Margit C. an Wolski: "Oft hat Herr Wolski Geld bekommen - ich weiß nur nicht für was", so die Zeugin.

Das Gericht projiziert Überweisungen an die Wand: Fast jeden Monat 15.000 Euro. Es habe heftige Auseinandersetzungen zwischen Wolski und Margit C. im Büro gegeben, berichtet eine weitere Zeugin, die auch für den Zahlungsverkehr zuständig war.

"Ich verlasse Dich"

"Herr Wolski hat Frau C. des öfteren angeschrien: ´Ich verlasse Dich´", berichtet die Zeugin. "Ich erhielt dann von Frau C. den Auftrag, größere Summen an Herrn Wolski zu überweisen - und dann kam er wieder ins Büro." Für die Überweisungen fehlten Rechnungen, "einen Rechtsgrund wüsste ich nicht", so die Zeugin. Als Verwendungszweck sei "irgendwas draufgeschrieben" worden. Wolski bestreitet, sich strafbar gemacht zu haben.

Das Gericht zeigt etwa eine "Rückzahlung von Reisespesen" ins nahe Köln von 50.000 D-Mark, 100.000 Euro mit Verwendungszweck "ein Dach", sowie zwei Überweisungen von jeweils 500.000 D-Mark, die laut Staatsanwaltschaft "auf ein Konto der Eheleute Wolski" geflossen sind. Zudem 140.000 D-Mark, mit denen laut dem Richter "das Haus in Neu-Isenburg bezahlt worden ist".

Auch der Sohn Nicolas Wolski habe monatlich 1000 Euro "Taschengeld" bekommen, berichten die Zeugen. Nachdem die Staatsanwaltschaft ermittelte, sei statt Michael Wolski oft Ehefrau Karin Wolski gekommen. "Sie kam nach den Durchsuchungen mit einem Blumenstrauß und wollte zu Margit C.", sagt die Zeugin. Gegen Karin Wolski (CDU) wird nicht ermittelt. Sie ist Richterin am Hessischen Staatsgerichtshof.

Autor:  Matthias Thieme
Datum:  16 | 12 | 2009
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