Auf den ersten Blick wirkt Finanzminister Weimars Angebot, die geschassten Steuerfahnder in den Dienst zurückzuholen, wie eine menschliche Geste. Doch in Wirklichkeit rudert der Minister unter starkem Druck nur so weit zurück, wie er muss.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich das Gift dieses Angebots: Die Fahnder, die mit Wissen des Ministers jahrelang gemobbt und mit falschen Gutachten für verrückt erklärt wurden, sollen sich jetzt einer erneuten Psycho-Untersuchung unterziehen, bevor Weimars Angebot gilt. Dass die Begutachtung in einem anderen Bundesland stattfinden soll, macht die Sache nicht besser, sagt aber viel aus über die Vertrauenswürdigkeit der Verhältnisse in Weimars hessischem Wirkungsbereich.
Ein starkes Stück Hessen: Das Land entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Weil sie Millionen hinterzogener Steuern von den Falschen zurückholten? Verfolgen Sie die FR-Recherchen zu dem Fall im Spezial.
Kein Wort der Entschuldigung kommt dem Finanzminister über die Lippen. Im Gegenteil: Seine Verwaltung soll weiter alles richtig gemacht haben. Jetzt sollen die Steuerfahnder nach Jahren der Diffamierung dorthin zurückkehren, wo die Verantwortlichen für die Diffamierung weiterhin in Führungspositionen sitzen.
Weimar wusste darüber seit vielen Jahren detailliert Bescheid. Die Öffentlichkeit sollte ihn nicht mit einem Trick davonkommen lassen. Bevor er die Fahnder zurückholen kann, muss er die Verantwortlichen in der Verwaltung zur Rechenschaft ziehen: Der Architekt des Mobbing-Systems, Oberfinanzpräsident Mario Vittoria, muss gehen. Jeder weitere Tag seiner Amtszeit diskreditiert Hessens Finanzverwaltung.
Entweder Weimar greift durch oder er wird selbst zum Problem-Minister, der eine moderne Verwaltung nicht steuern kann und deshalb ausgetauscht werden muss.