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Bildung: Die Trennung von Kirche und Universität

In Deutschland entwickelt sich eine islamische Theologie. Der Islamunterricht steht vor der Einführung an den Schulen. Da formiert sich in der SPD plötzlich eine Gruppe, die jeden religiösen Einfluss in öffentlichen Bildungseinrichtungen zurückdrängen will.


Foto: dapd

Vier Zentren für Islam-Studien nehmen im Herbst in Deutschland den Betrieb auf. Sie bilden Imame, Religionslehrer und Theologen aus. Ihre Gründung geht auf eine vielbeachtete Empfehlung des Wissenschaftsrates im Januar 2010 zurück. Völlig ungehört dagegen blieb die damals ebenfalls geäußerte Bitte des Gremiums, die katholische Kirche möge sich aus den Habilitationsverfahren zurückziehen. Das sei eine rein akademische Angelegenheit. In dieser vorsichtigen Formulierung geht es um nichts weniger, als die Unabhängigkeit der Wissenschaft von Religion.

Die öffentliche Debatte entzündete sich jedoch an einer anderen Frage: Gehört der Islam zu Deutschland? Mit seiner Empfehlung nahm der Wissenschaftsrat die Antwort vorweg. Das Bundesforschungsministerium lieferte kurz darauf gute Argumente: fünf Millionen Euro für jedes Islam-Zentrum. Die Hochschulen, die davon profitieren, versuchen seitdem zu klären, wie viel Mitspracherecht sie den islamischen Verbänden in Forschung und Lehre einräumen sollen. Genauso viel wie den Kirchen?

Ketzerische Fragen

Klar ist: Wer Imame und Religionspädagogen ausbilden will, muss mit Vertretern des Islams zusammenarbeiten. Das sehen auch christliche Theologen so. Allerdings halten sie sich öffentlich überwiegend bedeckt. Müssen sie doch befürchten, dass jede Äußerung von ihrer Seite heikle Fragen provozieren könnte: Ist der Einfluss der katholischen Kirche auf die Hochschulen zeitgemäß? Sollten theologische Lehrstühle angesichts eines allgemein verordneten Sparzwangs weiter von Steuergeld bezahlt werden? Diese Fragen klingen beinah ketzerisch. Bislang kamen sie so gut wie gar nicht auf. Von den Hochschulen selbst wagt es kaum jemand, öffentlich Zweifel auszusprechen.

Im Herzen mancher Forscher sieht es sicher anders aus. Alle Jahre wieder sind ein paar kritische Töne aus weltlich-humanistischen Organisationen zu vernehmen. Theologie sei keine Wissenschaft, ist da vereinzelt zu hören. Im Großen und Ganzen aber bleibt das Existenzrecht der Theologie an staatlich finanzierten Hochschulen unangetastet.

Diese Lehre hat eben eine lange, ungebrochene Tradition. Von alters her gehört sie zu den Grundpfeilern deutscher Universitäten. Heute ziehen die Hochschulen zudem eine islamische Theologie heran.

In der SPD formiert sich nun eine Gruppe, die religiösen Einfluss aus öffentlichen Einrichtungen drängen will, ganz gleich ob christlich oder muslimisch. Laizistische Sozis nennen sich diese Genossen. Ihre Grundforderung: die strikte Trennung von Kirche und Staat. Ihr Augenmerk gilt besonders dem Bildungswesen. Ist es doch das Feld, auf dem Kirche und Staat um den Nachwuchs ringen.

Die Laizisten in der SPD haben sich vor einem Jahr gegründet und erfahren nach eigenen Angaben immer größeren Zulauf. „Ich schätze, wir sind inzwischen so um die 1000“, sagt ihr Bundessprecher Nils Opitz-Leifheit. Der studierte Biologe und parlamentarische Berater der SPD im baden-württembergischen Landtag zählt Ortsverbandsvorsitzende wie Bundestagsabgeordnete zur Gruppe, in sieben Bundesländern seien sie organisiert, dürften sich parteiintern aber nicht als Arbeitskreis deklarieren. Die Parteispitze versuche sie unten zu halten, bedauert Opitz-Leifheit.

Laizisten lehnen Konkordatslehrstühle ab

Der Mann aus Waiblingen kommt dennoch viel herum. Jüngst lud ihn die Juso-Hochschulgruppe an die Uni Heidelberg ein. Dort gibt es wie an beinah jeder traditionsreichen Hochschule eine theologische Fakultät. Und die passt gar nicht ins Weltbild der Laizisten. Sie schlagen vor, die altehrwürdigen Institutionen zu religionswissenschaftlichen Instituten zu degradieren.

Ein Dorn im Auge eines jeden Laizisten sind die sogenannten Konkordatslehrstühle. Diese Lehrstühle sind nicht an theologische Fakultäten gebunden und dennoch darf der Bischof bei ihrer Besetzung ein gewaltiges Wort mitreden. Er kann nicht-genehme Kandidaten verhindern. Allein in Bayern gibt es in den Fächern Soziologe, Philosophie und Pädagogik mehr als 20 Konkordatslehr-stühle, je einen auch an den Universitäten Mainz und Bonn. Sie müssten in reguläre Lehrstühle umgewandelt, das kirchliche Vorbehaltsrecht abgeschafft werden, fordern die laizistischen Sozis.

Dass sie mit ihrer Linie nicht allein dastehen, zeigt ein jahrelanger Streit um die Besetzung des Konkordatslehr-stuhls für Philosophie an der Uni Erlangen-Nürnberg. Dort besteht der Verdacht, dass konfessionslose Bewerber aussortiert werden. Eine Professorin hat dagegen geklagt. Die Verhandlung vor Gericht zieht sich hin. Ähnliche Klagen waren früher zum Scheitern verurteilt.

Kirchen raus – das fordern die Laizisten auch für staatliche Schulen und Kindergärten. Gebete und Gottesdienste seien zu untersagen. Auch kirchlichen Trägern stehen sie skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie treten für Ethik als Pflichtfach in der Schule ein. Religionsunterricht lehnen sie ab. Kinder sollten nicht nach ihrer Religion getrennt werden, sagt Opitz-Leifheit. Wenn es etwa, wie von vielen Politikern behauptet wird, um die Integration von Kindern mit muslimischem Hintergrund gehe, sei gemeinsamer Ethikunterricht wirkungsvoller als bekenntnisorientierter Islamunterricht.

Autor:  Michael Billig
Datum:  30 | 6 | 2011
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