Der teure Verlust der Elite – unter diesem Titel berichteten wir jüngst an dieser Stelle über die schwierige Lage der Universitäten Freiburg, Göttingen und Karlsruhe. Diese verloren in der letzten Runde des Elite-Wettbewerbs ihren Exzellenzstatus und damit viele Millionen Euro. Nun fürchten Studenten und Professoren, dass die Fachbereiche und die Lehre herhalten müssen, um Elite-Löcher zu stopfen.
„Es gibt natürlich all diese Befürchtungen“, bestätigt Professor Heiner Schanz, Prorektor für Lehre der Universität Freiburg. Bei aller Sorge übersehe man aber gern, wie die wirklichen Pläne oder Verhandlungen aussehen, sagt Schanz, dem es sehr darum geht, Ängste aus der Welt zu schaffen.
Zum Beispiel geht es dabei um das Frias – ein Reizwort in der Debatte um die Zukunft der Uni. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das Freiburg Institute for Advanced Studies – Herzstück des Zukunftskonzepts „Windows for Research“, mit dem die Freiburger im Wettbewerb 2007 erfolgreich waren. Für das Frias erhielten sie zehn bis zwölf Millionen Euro pro Jahr. Das Forschungskolleg sieht sich in der Tradition des 1930 gegründeten Institute of Advanced Studies in Princeton/USA. Am Frias versammeln sich Freiburger Spitzenforscher mit Kollegen aus aller Welt, um für eine gewisse Zeit an Projekten zu arbeiten.
Mit zeitweilig 150 Forschern aus 34 Ländern hat das Frias die internationale Ausstrahlung der Universität sehr gefördert. Das Bedauern ist groß, dass jetzt die Bundesgelder dafür ausbleiben. Prorektor Schanz etwa schwärmt von den Hermann Staudinger Lectures, in denen bisher elf Nobelpreisträger Vorträge hielten. Auch Schanz ist klar, dass „das Einladen hervorragender Leute in dieser Form vielleicht nicht mehr möglich sein wird“.
Trotz allen Bedauerns suche die Unileitung keine Lösung, um den Elite-Leuchtturm in bisheriger Größe weiterzubetreiben, sagt er. „Auf die Idee, dass man das Frias aus den Fakultäten finanzieren könne, ist niemand gekommen. Obwohl das jetzt suggeriert wird.“ Aber elf Millionen Euro auf elf Fakultäten umzulegen, sei völlig undenkbar.
Man habe zwar einmal in der Zukunftskommission durchgerechnet, was eine nachhaltige Finanzierung der Exzellenzmaßnahmen nach dem Auslaufen des Wettbewerbs die Fakultäten kosten würde. Aber dabei sei es um strategische Modelle gegangen – nicht um einen Ausweg aus dem jetzigen Finanzloch in Folge der jüngsten Elite-Entscheidung.
Die Freiburger gehen Schanz’ Aussage zufolge einen anderen Weg. Vertreter der Unileitung, der Fakultäten und des Frias reden darüber, wie ein neues, stark verkleinertes Institut aussehen könnte. Man denkt an ein „Frias 2“ mit drei bis vier Millionen Euro Budget. „Wir gehen davon aus, dass wir im Oktober erste wirkliche Konzepte haben“, sagt Schanz. Dazu laufen Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg. Denn die Grundfinanzierung müsse vom Land kommen, so Schanz. Nur wenn es verbindliche Zahlen gebe, könne man konkret weiterplanen. Von der Wissenschaftsministerin Theresia Bauer kamen bereits positive Signale. Aber eben noch keine Summen.
Die Uni Freiburg muss zugleich sehen, wie sie die Kritik aus dem Gutachten des Wettbewerbs umsetzen kann. Der Wissenschaftsrat hatte unter anderen moniert, dass das Frias zu wenig in die Uni hineinwirke. Ein Gutachter forderte, auch die Studenten sollten mehr von den Spitzenforschern profitieren. „Diese Kritik steht ein bisschen im Widerspruch zu dem, was eigentlich das Ziel der Exzellenzinitiative war“, sagt der Prorektor. „Diese sollte die Spitzenforschung stärken und explizit nicht die Lehre.“ Auch wenn jüngst die forschungsorientierte Lehre eine stärkere Rolle im Elite-Wettbewerb gespielt habe.
In der öffentlichen, alles miteinander vermischenden Debatte steht Schanz für eine strikte Trennung – auch der Geldtöpfe. So sollen weder die Fachbereiche für die Spitzenforschung einspringen, noch die Forschung für die Lehre. In Wettbewerben der letzten drei Jahre gewannen die Freiburger fast zehn Millionen Euro für Lehrprojekte. Seit 2007 schufen sie 21 zusätzliche Professuren, sechs neue Studiengänge und 1 000 neue Studienplätze. Schanz schrieb an alle Studenten eine Mail, in der er ihnen als Prorektor zusichert, dass die jüngste Exzellenz-Entscheidung nicht zu Lasten von Studium und Lehre gehe.
Kritisieren könnte man allerdings eine gewisse Diskontinuität, die in den vergangenen Jahren daraus entstand, dass gute Forscher aus der Lehre abgezogen worden waren, um als Fellows im Frias zu arbeiten. Für jede Stelle, so betont Schanz, habe man aber eine Vertretung gefunden – gute Nachwuchs-Professoren, die leider oft nach einem Jahr schon wieder wegberufen worden seien und erneut ersetzt werden mussten. In kleineren Fächern, wie der Geschichte, mache sich so etwas schon bemerkbar.
Mit einem Sparen in der Lehre habe das aber nichts zu tun. Kritikern, die fürchten, dass die Uni jetzt bei kleineren Fächern sparen wolle, entgegnet er: Wenn man einen Studiengang einstelle, müsse man das Lehrangebot aus rechtlichen Gründen noch drei bis fünf Jahre weiterführen, damit alle ihren Abschluss machen können. „Ein zum Löcherstopfen völlig ungeeignetes Mittel.“
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