Am 15. Juni fällt die Entscheidung, welche deutschen Universitäten bei der neuen Runde des Exzellenzwettbewerbs erfolgreich sind. Bis 2017 wollen Bund und Länder insgesamt 2,7 Milliarden Euro in die Spitzenforschung investieren. Die Bundesländer tragen 25 Prozent, der Bund 75 Prozent. Nach 2017 soll der Wettbewerb dann auslaufen.
Elite-Unis: Die meiste Aufmerksamkeit richtet sich auf die sieben Universitäten, die mit einem neuen Zukunftskonzept zum Ausbau ihrer Spitzenforschung angetreten sind. Zu ihnen gehören die Humboldt-Universität (HU) Berlin, die TU Dresden sowie die Universitäten Bochum, Bremen, Köln, Mainz und Tübingen. Sie haben die Chance, das begehrte Elite-Siegel zu erringen, verbunden mit einer jährlich zweistelligen Millionen-Förderung.
Verteidigen müssen ihren Elite-Status die neun bereits 2006/07 ausgewählten Hochschulen, unter ihnen die Freie Universität (FU) Berlin, die Universitäten München, Karlsruhe, Aachen, Freiburg, Göttingen, Heidelberg und Konstanz.
32 Universitäten bewerben sich mit 59 Anträgen für eine Projektförderung. Neben den erwähnten 7 Zukunftskonzepten sind das 25 Anträge für Graduiertenschulen und 27 für Exzellenzcluster.
Exzellenzcluster: Hier geht es um Forschungsverbünde rund um große Forschungsthemen, gefördert mit 3 bis 8 Millionen Euro pro Jahr.
Graduiertenschulen: Hier geht es um die hervorragende Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs, gefördert mit 1 bis 2,5 Millionen pro Jahr.
An der Universität Köln versteckt sich die Exzellenz hinter Betonmauern und Baugerüsten. Die Fassade des 80 Jahre alten Hauptgebäudes ist mit Folien verdeckt. Im Philosophikum gegenüber hängen Kabel von den Decken. Bohrer fräsen sich lärmend durch die Wände. Der baulichen Runderneuerung soll demnächst eine inhaltliche folgen: Die Uni Köln will in der neuen Runde der sogenannten deutschen Exzellenzinitiative das Elite-Siegel erringen. Neben ihr bewerben sich sechs weitere Unis, die es beim Exzellenzwettbewerb bis in die Endrunde geschafft haben. Neun früher ausgewählte Hochschulen verteidigen ihren Status.
Am 15. Juni entscheiden der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), wer sich künftig „exzellent“ nennen darf. Besonders erfolgreich waren Projektanträge der Universitäten aus Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Auch die Uni Mainz kann sich Hoffnungen machen. Aus Hessen ist nur noch die TU Darmstadt im Rennen – allerdings mit einer Graduiertenschule und einem Exzellenzcluster (siehe Kasten), nicht als Bewerberin um einen der begehrten Elite-Titel.
Maximal 12 der 16 Bewerber-Hochschulen werden nach Angaben des Wissenschaftsrats am Freitag auf dem Siegertreppchen stehen. Von der Auszeichnung als Spitzenuniversität erhoffen sich die Bewerber nicht nur Ruhm und Ehre, sondern vor allem Geld. 2,7 Milliarden Euro haben Bund und Länder bereitgestellt, um forschungsstarke Hochschulen bis 2017 zu fördern. Danach müssen die Gewinner ihre Projekte selbst finanzieren.
„Die Universität Köln könnte mit rund 60 Millionen Euro rechnen, wenn alle Anträge erfolgreich wären“, sagt Hochschulsprecher Patrick Honecker. Das wäre bei einem Jahresetat von rund 370 Millionen Euro (ohne das Uniklinikum) ein ziemlicher Batzen. Wäre. Der Konjunktiv verrät, dass dies wohl eher eine theoretische Möglichkeit ist. Es erscheine wie ein Treffer im Lotto, wenn alle fünf beantragten Projekte den Zuschlag bekämen. „Die Konkurrenz ist sehr groß, deshalb halten wir uns mit Prognosen lieber zurück“, sagt der Uni-Rektor Axel Freimuth.
Der Name des Projekts, mit dem sich die Massen-Hochschule um den Titel Exzellenzuniversität bewirbt, klingt in Köln ähnlich hochtrabend und schwammig wie bei anderen Elite-Kandidaten. „Die Herausforderung von Wandel und Komplexität annehmen“, heißt das sogenannte Zukunftskonzept.
Dahinter verbirgt sich die Idee, innovative Wissenschaftsfelder wie etwa die Erforschung des Alterns zu stärken. Ziel der Kölner Genetiker und Mediziner ist es, die molekularen Mechanismen beim Altern zu verstehen und neue Heilmethoden zu entwickeln. Gleichzeitig setzt die Hochschule auf exzellente Arbeitsbedingungen für Nachwuchswissenschaftler – beispielsweise mit der Forschungsschule a.r.t.e.s. an der philosophischen Fakultät. Sie unterstützt Absolventinnen mit herausragenden Leistungen bei der Promotion.
Das Zauberwort bei den Kölnern wie bei allen anderen Bewerbern heißt Interdisziplinarität, also das Lehren und Forschen über Fächergrenzen hinweg. „Dafür sind wir als große Universität mit einem breiten Fächerspektrum besonders gut aufgestellt“, sagt Honecker. Als Beispiel nennt er die erfolgreichen Alternswissenschaften, die aufgrund des demografischen Wandels einen regelrechten Boom erleben: „Plötzlich ist das Interesse an einem Forschungsthema riesengroß – auf solche Entwicklungen können wir in Köln sehr schnell reagieren, indem wir Experten aus verschiedenen Disziplinen in einem Forschungsverbund zusammenbringen.“
Was das konkret für die Umsetzung des Zukunftskonzepts heißt und was den Kölner Ansatz von dem anderer Hochschulen unterscheidet, bleibt vorerst vage. Die Uni mit ihren rund 40 000 Studenten will vor der Entscheidung am 15. Juni so wenig wie möglich von ihren Plänen preisgeben. Im Bilde ist lediglich die international besetzte Entscheider-Delegation, die sich im Januar zwei Tage lang vor Ort erklären ließ, warum die Hochschule den Exzellenz-Status verdient.
Vielleicht liegt es an dieser rheinischen Geheimniskrämerei, dass selbst die Studenten auf dem Campus wenig wissen über die Anstrengungen ihrer Uni, ganz nach oben zu kommen. „Exzellent? Was soll hier exzellent sein?“, fragt eine Lehramtsstudentin: „Die Uni ist völlig überlaufen, im Hörsaal gibt es keinen Sitzplatz mehr, und der Putz bröckelt von den Wänden.“ Auch ein paar Philosophiestudenten, die in der Mittagssonne auf ihr nächstes Seminar warten, haben noch nie von der Exzellenzinitiative gehört. Allerdings sind sie weniger skeptisch als die Kommilitonin: „In der Philosophie wird Forschung auf hohem Niveau betrieben“, loben die Studenten.
Auf klarem Kontrakurs beim Thema Exzellenzinitiative ist der Kölner Asta – wie sehr viele Studierendenvertretungen an den deutschen Hochschulen. Sie befürchten eine Umschichtung der Hochschulfinanzen zugunsten der Forschung und zu Lasten der Lehre. Die April-Ausgabe des Kölner Asta-Journals zeigte deshalb eine bröckelnder Betonfassade, aus der die Flammen herausschlagen. Mit dem Rücken zum Feuer steht ein optimistischer Rektor Hormuth und freut sich: „Hauptsache Elite!“
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