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Studium

15. Juni 2012

Exzellenz-Initiative: Künftig elf Elite-Unis, Enttäuschung in Mainz

 Von Katja Irle
Auch in Zukunft keine Elite-Uni: Guttenberg-Uni in Mainz. Foto: dpa

Es ging um Fördermittel in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. Künftig dürfen sich elf Hochschulen mit Prädikat Elite-Uni schmücken. Hessische Unis gehören nicht dazu. Enttäuschung herrscht auch in Mainz.

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Es war ein bisschen wie bei Günther Jauch, nur dass die künftigen Millionäre am Freitag in Bonn die entscheidenden Fragen bereits hinter sich hatten. Nachdem sie Anträge so dick wie Habilitationsschriften bei den Entscheidern der Exzellenzinitiative eingereicht hatten, hatte eine Expertenkommission sie vor Ort tagelang in die Mangel genommen. Seit Freitag steht nun fest, dass elf von ihnen den Jackpot von 2,7 Milliarden Euro geknackt haben. Sie dürfen sich Elite-Universität nennen.

Die neuen Exzellenz-Hochschulen sind die Humboldt-Uni in Berlin sowie die Universitäten in Bremen, Dresden, Köln und Tübingen. Ihren Titel verteidigt haben die beiden Münchener Hochschulen LMU und TU, die FU Berlin sowie die Universitäten in Konstanz, Heidelberg und die RWTH Aachen. Außerdem bewilligte der Expertenausschuss eine Förderung von 45 Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und 43 Forschungsverbunden (Exzellenzcluster). Insgesamt profitieren 39 Universitäten.

Anders als bislang angekündigt können sich die Gewinner der dritten Exzellenzrunde wahrscheinlich über eine Folgefinanzierung nach 2017 freuen, wenn die Bundesförderung offiziell endet. Laut Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) wird es zwar keine weitere Exzellenzrunde mit Neuanträgen geben, aber Bund und Länder denken dennoch über eine finanzielle Absicherung der laufenden Projekte nach: „Die Gewinner der ersten Runde konnten zehn Jahre gefördert werden. Wenn wir in der zweiten Phase jetzt nur fünf Jahre unterstützen, wäre das eine Schieflage“, sagte Schavan.

Enttäuschung in Karlsruhe

Enttäuschung machte sich am Freitag in Karlsruhe breit. Die wegen ihrer Kooperation mit einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in der ersten Exzellenzrunde so hoch gelobte Universität muss ihren Elite-Status abgeben – ebenso wie Göttingen und Freiburg. Die Uni im Süden hatte mit einem Konzept punkten wollen, das unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Blick hat – vergebens. Während manche Verlierer den Schock zu verarbeiten versuchten, trösteten sich andere damit, dass sie zwar den Exzellenz-Status verfehlt haben, dafür aber bei den anderen Fördertöpfen – den Graduiertenschulen und Exzellenzcluster – erfolgreich waren.

Zu dieser Gruppe gehört die Uni Mainz: Die Gutachter gaben immerhin ein positives Votum für die Nachwuchsförderung und einen Forschungsverbund. Das macht summa summarum 50 Millionen Euro für die Mainzer.
Kritik von Forschern

In Bonn wurden Wissenschaftsrat und DFG nicht müde, den Wettbewerb zu loben: „Die Exzellenzinitiative hat das deutsche Wissenschaftssystem nachhaltig verändert und den Forschungsstandort im internationalen Vergleich erheblich gestärkt“, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner. Fast zwei Drittel der staatlichen Universitäten hatten sich an der letzten Runde der Exzellenzinitiative beteiligt.

Kritik an Exzellenzinitiative

Ob sich die Exzellenzinitiative auch positiv auf die Vielfalt des Wissenschaftsstandorts Deutschlands auswirkt, hat kürzlich das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung untersucht. Das Ergebnis war ernüchternd: „Die Universitäten haben es kaum geschafft, ihre Profile zu schärfen und Alleinstellungsmerkmale herauszubilden“, schreibt ein Team um Dagmar Simon, Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik. Nach Ansicht der Forscher hat die Exzellenzinitiative damit eine große Chance vergeben. Anstatt ausschließlich auf die Spitzenforschung zu schielen, hätten die Hochschulen kreative Lehrangebote und Nachwuchsförderung mehr in den Blick nehmen sollen. Kritik übte auch der Studierendenverband fzs: Durch die Exzellenzinitiative werde lediglich versucht, flächendeckende Finanzierungsprobleme zu verdecken.

Der fzs hat auch eine Idee, wie man die 2,4 Milliarden Euro besser hätte investieren können: „Durch das Geld wird kein einziger Studienplatz geschaffen. Dabei könnte man damit mehr als 90 000 Menschen ein Studium ermöglichen.“

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