Sprache und Gefühle hängen eng zusammen. Das weiß jeder, der sich schon mal heftig mit seinem Partner gestritten hat. Doch sobald man anfängt, tiefer darüber nachzudenken, öffnet sich eine ganze Welt – aufregend, widersprüchlich, großenteils bisher unbekannt. Mehr als 200 Wissenschaftler sind seit fünf Jahren im Berliner Cluster „Languages of Emotion“ dabei, diese Welt zu ergründen. Etwa 20 Disziplinen beteiligen sich – unter ihnen Psychologen, Hirnforscher, Ethnologen, Philosophen, Literatur-, Medien- und Tanzwissenschaftler.
„Languages of Emotion“ ist an der Freien Universität (FU) Berlin angesiedelt und gehört zu den bundesweit 38 Forschungsverbünden, genannt Exzellenzcluster, die bisher im Rahmen des Elite-Wettbewerbs gefördert werden. In solchen Verbünden findet heute innovative Forschung an Schnittstellen der Fächer statt.
Bei der Untersuchung von Emotionen geht es den Forschern um das komplexe Zusammenspiel ganz verschiedener Seiten: Körperreaktionen, Herkunft, Erziehung, kultureller Hintergrund, erlernte Sichtweisen und Erwartungen. Zentrale Forschungsgegenstände bilden dabei jene Genres, die erfahrungsgemäß große Emotionen auslösen: Literatur, Film, Malerei, Tanz und Oper.
Filmwissenschaftler analysierten unter anderem die Gestaltungsmittel, mit denen Kriegsfilme Gefühle von Trauer, Zorn und Angst bei den Zuschauern erreichen. In fast allen Filmen fanden sie Stereotype, zum Beispiel Kampf und Technologie, Abschied von Frau und Familie, Aufbruch in den Krieg, das Erleben von Leid. Die Filme sind komplex konstruiert und durchkomponiert. Aus der Analyse von mehr als 30 Kriegsfilmen entwickelten die Forscher ein Modell, mit dem auch die Wirkung anderer Filme beschrieben werden kann. Dieses wird jetzt von Linguisten oder Psychologen verwendet, um Fernsehnachrichten oder romantische Komödien zu untersuchen.
Faszinierend ist auch ein Projekt, in dem Entwicklungspsychologen und Ethnologen erforschen, wie sich Kindererziehung auf die Gefühle auswirkt. Sie vergleichen dazu Kulturen auf Madagaskar, Indonesien und Taiwan. Auf Madagaskar werden Kinder zum Beispiel sehr stark zu Aggression und Körperbeherrschung erzogen. Mit Babys kommuniziert man zwar über die Formen des Tragens oder die Bewegung, man findet es aber absurd, Babys anzulächeln oder mit ihnen Blickkontakt aufzunehmen. Videos zeigen, dass schon kleine Kinder sehr körperbeherrscht sind.
Auf Indonesien wiederum dominiert eine Schamkultur. Während zum Beispiel das sogenannte Fremdeln im Westen verpönt ist, weil Kinder nett zu anderen Leuten sein und sie auch anlächeln sollen, finden es Indonesier gut, wenn sich schon kleine Kinder scheu und schamhaft – malu genannt – verhalten.
Es geht bei der Erforschung von Kultur und Gefühl immer um Schnittstellen: „Wo gibt es natürliche Entwicklungsprozesse, und wo greift die Kultur ein, um das zu überformen? Aber auch: Wie universell ist das, was wir als Entwicklungsprozesse verstehen?
Eine der größten Herausforderungen werde es sein, eine gemeinsame Sprache zu finden, hatte Winfried Menninghaus, Professor für Literaturwissenschaft und Initiator des Clusters an der FU, Ende 2007 gesagt. Einfach ist das nicht. Alle Beteiligten hätten viel Geduld und Engagement aufbringen müssen, „um über die unterschiedlichen Fachdisziplinen hinweg zu gemeinsamen Fragestellungen und Vorgehensweisen zu kommen“, sagt der Professor für Filmwissenschaft und Clustersprecher Hermann Kappelhoff. „Aber nur auf diese Weise können wirklich neue Fragen entstehen.“
Im Laufe der fünf Jahre, die der Cluster existiert, sind viele interessante Projekte in Gang gekommen. Wissenschaftler vergleichen zum Beispiel lyrische Texte der „Verehrung und Bewunderung“ und finden dabei Ähnlichkeiten zwischen Dichterhymnen und Fußballgesängen. Sie arbeiten mit Künstlern zusammen, sprechen im Theater über Fragen wie: Kann man Emotionen messen? Oder: Kann man echte von falschen Gefühlen unterscheiden? Und sie entwickeln Programme, um zum Beispiel über das Lesen die emotionale Kompetenz von Grundschülern zu fördern. Wovon vor allem Jungen profitieren.
Nun hoffen die Mitarbeiter, darunter viele junge Doktoranden, auf eine weitere Förderung im Rahmen des Wettbewerbs bis zum Jahre 2017. Es gibt noch viele Ideen.
Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

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