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Studium

22. August 2012

Kritik an Bachelor: Lautes Grummeln bei den Uni-Rektoren

 Von Katja Irle
Seit 10 Jahre gibt es nun den "Bachelor". Ob der Studiengang wirklich die internationale Mobilität vergrößert, ist umstritten.  Foto: dapd

Harsche Bologna-Kritik übt der neuen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Horst Hippler: Die gewünschte internationale Mobilität leide und die Absolventen der Hochschulen werden nicht mehr zu Persönlichkeiten ausgebildet. Empörte Reaktionen folgen.

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Die Stimme der Hochschulen

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sieht sich als „Stimme der Hochschulen gegenüber Politik und Öffentlichkeit“. Sie ist der freiwillige Zusammenschluss von 267 staatlichen und staatlich anerkannten Unis und Hochschulen in Deutschland. Hier sind 94 Prozent der Studenten immatrikuliert.

Zweimal jährlich tagt die Mitgliederversammlung der Präsidenten und Rektoren. Die HRK befasst sich mit allen Themen, die Hochschulen betreffen. Sie betreibt auch eine Reihe von Projekten, darunter „nexus – Konzepte und gute Praxis für Studium und Lehre“.
Gegründet wurde die HRK am 21. April 1949 als Westdeutsche Rektorenkonferenz (WRK). Die Umbenennung in Hochschulrektorenkonferenz geschah 1990.
Präsident der HRK ist seit Mai 2012 Horst Hippler. Der Professor für physikalische Chemie, Jahrgang 1946, studierte in Göttingen, promovierte in Lausanne. 1993 erhielt er einen Lehrstuhl an der Universität Karlsruhe, deren Rektor er von 2002 bis 2009 war. Heute steht er dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vor, das aus dem Zusammenschluss der Universität mit dem Forschungszentrum Karlsruhe entstand.

Die harsche Bologna-Kritik des neuen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, sorgt innerhalb der HRK für erhebliche Unruhe. Denn anders als seine Vorgängerin Margret Wintermantel war Hippler mit seinen Statements zum Zehnjährigen von Bachelor und Master vorgeprescht, ohne sich dafür die Rückendeckung der anderen Hochschulpräsidenten zu holen.

Hippler hatte Generalkritik am Bologna-Prozess geübt: Die Mobilität leide und die Absolventen würden an den Hochschulen nicht mehr zu Persönlichkeiten ausgebildet, die die Wirtschaft brauche. Hippler warnte gar, der „Jugendwahn“ müsse ein Ende haben.

Als Botschaft ungeeignet

„Hippler will Bologna in Bausch und Bogen verdammen“, kritisiert verärgert der Präsident der Universität Gießen, Joybrato Mukherjee. Das stehe in klarem Widerspruch zu den HRK-Positionen der vergangenen Jahre. „Für diese Neupositionierung hätte Hippler die Zustimmung der Mitgliederversammlung gebraucht“, sagte Deutschlands jüngster Uni-Chef der FR. Die HRK-Versammlung tritt jedoch erst im November wieder zusammen.

Mukherjee, der durchaus Reformbedarf bei Bologna sieht, wertet Hipplers Äußerungen als Affront gegen seine Vorgängerin Margret Wintermantel, die sich nicht nur bei Bologna eher vorsichtig und zurückhaltend äußerte. Wintermantel ist inzwischen Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Ihr Vize-Präsident heißt Mukherjee.

Mit seiner Kritik an Hippler steht der Gießener Uni-Präsident allerdings nicht allein. Auch anderen missfällt der Rundumschlag bei Bachelor und Master. „Ich habe mich über diese harsche Kritik des HRK-Präsidenten gewundert und stimme damit nicht überein“, sagt etwa der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, der FR. „Vor allem ist mir unklar, an wen diese Stellungnahme eigentlich adressiert war.“ Dass das Studium, vor allem bis zum Bachelor, zu wenig Freiräume biete und mehr oder weniger verschult ablaufe, treffe leider an vielen Orten zu. Aber nur die Hochschulen selbst könnten das ändern: „Als Botschaft an die Politik ist dieser Befund völlig ungeeignet.“

Auf Distanz zu pauschaler Bologna-Kritik geht auch der Freiburger Unirektor Hans-Jochen Schiewer. Der Bologna-Prozess habe für die Universitäten einen „teilweise schmerzlichen Lernprozess“ mit sich gebracht, sagte er der Badischen Zeitung. „Doch grundsätzlich macht die Reform Sinn, weil mit ihr eine Verkürzung der Studienzeiten erreicht wurde.“ Vor dem Hintergrund, dass heute 50 Prozent eines Jahrgangs an die Hochschule strömten, sei eine klare Strukturierung der Studiengänge sinnvoll.

Bachelor kein berufsqualifizierender Abschluss

Als „Bologna-Fan“ bezeichnet sich der Rektor der Hochschule Neubrandenburg, Micha Teuscher, zugleich Sprecher der Fachhochschulen in der HRK. Teuscher hätte sich eine differenziertere Äußerung Hipplers zu Bologna gewünscht – und vor allem eine Absprache innerhalb der HRK. Zugleich sieht er selbst weiteren Reformbedarf. Bologna dürfe nicht zum Sparmodell für die Hochschulen werden.

Der Unmut der Fachhochschulen gegenüber Hippler währt schon seit seiner Wahl im April. Hippler war nicht ihr Wunschkandidat, denn er hatte die Fachhochschulen mit verschiedenen Äußerungen gegen sich aufgebracht – etwa mit dem Hinweis, dass der Bachelor für Ingenieure kein berufsqualifizierender Abschluss sei – zumindest nicht an den Universitäten. Für die FH-Rektoren, die ohnehin seit Jahrzehnten an der Überheblichkeit mancher Uni-Präsidenten leiden, war das harter Tobak.

Aber nicht nur für sie. Der HRK-Chef habe suggeriert, dass „der Bachelor für gar nichts qualifiziere“, sagt der Gießener Uni-Chef Mukherjee. Das Gegenteil sei der Fall: „Wenn jemand einen Bachelor in Physik macht, dann kann man ihm doch nicht absprechen, dass er Physiker ist.“

HRK-Chef Hippler bekommt auch Rückendeckung für seinen Vorstoß. „Der HRK-Präsident hat nichts Neues zum Bologna-Prozess gesagt“, betont der Präsident der TU Darmstadt, Hans-Jürgen Prömel. Die geäußerten Positionen seien in der HRK seit langem bekannt, diskutiert und akzeptiert. Ob Prömel damit Recht hat, wird spätestens die nächste Mitgliederversammlung zeigen.

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