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Studium

06. August 2012

Studienabbruch im Priesterseminar: Zölibat, das ewige Hindernis

Zwei Männer der umstrittenen Pius-Bruderschaft in Ordenstracht auf dem Gelände des Priesterseminars in Zaitzkofen.  Foto: dpa

Viele junge Männer finden erst über Umwege zum Priesterberuf, zeigt ein Besuch im Mainzer Priesterseminar. Trotz Personalnot wird auch nicht jeder Bewerber genommen. Die angehenden Priester merken oft erst mitten im Studium, wie schwierig es ist, zölibatär zu leben.

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Viele junge Männer finden erst über Umwege zum Priesterberuf, zeigt ein Besuch im Mainzer Priesterseminar. Trotz Personalnot wird auch nicht jeder Bewerber genommen. Die angehenden Priester merken oft erst mitten im Studium, wie schwierig es ist, zölibatär zu leben.

Ein 16 Quadratmeter großes Zimmer, viele Bücher, ein Schreibtisch mit Stuhl, ein Bett und einige persönliche Dinge - auf den ersten Blick eine typische Studentenbude, die Daniel Kretsch den Besuchern zeigt. Doch die Adresse des 26-Jährigen aus Gießen ist für einen Studenten eher ungewöhnlich: Das Bischöfliche Priesterseminar im ehemaligen Augustinerkloster in der Mainzer Altstadt.

„Ich habe vier Semester Theologie und Geschichte studiert, bevor ich mich nach einem Besuch in dem Wallfahrtsort Lourdes entschloss, Priester zu werden“, erzählt Kretsch bei einem Rundgang durch die neu sanierten Räume des Priesterseminars. Nachdem die letzte Grunderneuerung schon mehr als vierzig Jahre zurückliegt, hat das Bistum nun 3,7 Millionen Euro investiert, um den historischen Bestand des mehr als 250 Jahren alten Klostergebäudes zu sichern.

Typische Studentenbude? Frauenbesuch ist hier im Priesterseminar Salzburg jedenfalls nicht gestattet.
Typische Studentenbude? Frauenbesuch ist hier im Priesterseminar Salzburg jedenfalls nicht gestattet.
Foto: dpa

Auch Tobias Heil aus Frankenthal fand erst auf Umwegen zum Priesterberuf. Der 25-Jährige studierte zunächst Wirtschaftsingenieurwesen, dann Physik und Theologie. „Doch ich fühlte mich von Gott dazu berufen, Priester zu werden“, erzählt Heil.

Der Werdegang der beiden jungen Männer ist exemplarisch für viele ihrer Kommilitonen. „Seit einigen Jahren hat sich die Entscheidung, Priester zu werden, nach vorne verlagert. Viele haben bereits ein anderes Studium angefangen, ehe sie zu uns kommen“, sagt Regens Udo Bentz. Das habe durchaus Vorteile. Die Kandidaten seien heute „in ihrer Persönlichkeit ausgereifter“, meint der Leiter des Priesterseminars. Er habe das Gefühl, dass die Abbrecherquote in den letzten Jahren gesunken ist. Trotzdem wird nur etwa die Hälfte der Seminaristen zum Priester geweiht. Derzeit wohnen 20 Kandidaten im Seminar, der jüngste ist 20, der älteste 44 Jahre alt.

Fehlende soziale Kompetenzen

Das Zölibat sei ein wesentlicher Grund dafür, dass die Ausbildung abgebrochen wird. „Die Kandidaten lernen im Priesterseminar, zölibatär zu leben. Sie sollen sich voll bewusst sein, was das bedeutet. Das Zölibat ist kein Verzicht auf etwas, sondern für etwas, die Leidenschaft für Gott“, erklärt Bentz. Wer eine Beziehung zu einer Frau eingehe und nicht bereit sei, diese Verbindung aufzugeben, müsse das Seminar verlassen. Schwierigkeiten im Studium und fehlende soziale Kompetenzen seien weitere Gründe.

Das Studium für das Priesteramt dauert zehn Semester. Etwa nach der Hälfte verlassen die Kandidaten das Seminar für ein Jahr, um zu erproben, was sie dort gelernt haben. „Nach dieser Zeit kommen die Seminaristen entschiedener zurück“, sagt Bentz. Nach dem Studium folgt der zweijährige Pastoralkurs, die praktische Ausbildungsphase, und schließlich die Priesterweihe.

Auf dem Weg dahin hinterfragen viele Seminaristen den eingeschlagenen Pfad. Dies trifft auch für Kretsch und Heil zu. „Es gibt Phasen des Zweifels, etwa wenn es Stress im Studium oder mit Leuten im Seminar gibt“, sagt Heil. „Richtige Zweifel gab es bei mir noch nicht, aber Bedenken, ob ich die vielen Aufgaben eines Pfarrers, den Spagat zwischen Seelsorge und Verwaltung, wirklich schaffe“, ergänzt Kretsch. Diese Sorge ist nicht unbegründet. Aufgrund des Priestermangels werden Pfarreien immer öfter zusammengelegt, die Arbeitsbelastung steigt.

Die katholische Kirche braucht dringend Priester, die Zahl der Priesterweihen sank nach Angaben der Deutschen Regentenkonferenz bundesweit von 122 im Jahr 2001 auf 86 im vergangenen Jahr. Dennoch nimmt Regens Bentz nicht jeden Interessierten auf. „Meine Aufgabe ist es, die geeignetsten Leute für die Priesterweihe zu finden. Schließlich muss ich dem Bischof die Kandidaten empfehlen“. Bentz will sich nicht „dem Diktat der Zahl“ unterwerfen, sondern auf die Qualifikation der Bewerber achten. Bentz: „Trotz der Personalnot habe ich dieses Jahr mehr Bewerber abgelehnt als genommen“.

Priester als Vorbilder

Doch wie können mehr junge Männer für das Priesteramt gewonnen werden? Die Aufhebung des Zölibats ist für Bentz keine Lösung. „Ohne Zölibat würde sich das Bild des Priesters verändern. Es würden sich vielleicht mehr, aber auch andere Kandidaten melden.“ Bentz sieht als Ursachen für den Priestermangel vor allem die Säkularisierung der Gesellschaft, den demografischen Wandel und die hohe Eigenverantwortlichkeit, die von einem Pfarrer erwartet werde. Zudem stelle sich für die Kirche eine „Imagefrage“. „Die beste Werbung für den Priesterberuf sind gute Priester, die als Vorbilder dienen“, meint Bentz.

Dieses Jahr werden im Bistum Mainz vier, im nächsten Jahr zwei neue Priester geweiht. In Rheinland-Pfalz gibt es noch Priesterseminare in Trier mit derzeit 35 und in Speyer mit 18 Kandidaten. In den Bistümern Speyer und Trier gibt es im Durchschnitt je drei Priesterweihen pro Jahr. (dpa)

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