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Studium

15. August 2012

Zehn Jahre Bologna-Reform: "Bologna ist Käse"

 Von Katja Irle
Studenten sitzen vor dem Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universitaet zu Berlin. Foto: dapd

Unausgereifte Bachelor- und Masterabschlüsse sorgen für Unmut bei den Studentischen Verbänden - zehn Jahre nach der Bologna-Hochschulreform in Deutschland.

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Der Studentische Dachverband fzs ist in den vergangenen Jahren fast zum Synonym für Bologna-Bashing geworden. Und so verliert die bundesweite, links orientierte Studierendenvertretung auch zum Zehnjährigen kein gutes Wort über die umfassendste Hochschulreform in Deutschland und Europa: „Zehn Jahre Bologna? Das klingt nach Pasta, ist aber Käse“, spottet fzs-Vorstand Erik Marquardt in gewohnter Manier. Man habe die neuen Studiengänge mit einer kräftigen Prise Ellbogenmentalität gewürzt und dann als innovative Lehrkonzepte verkauft. Guten Appetit!

Weniger polemisch, jedoch genauso kritisch fällt jetzt die Bilanz derjenigen aus, die den Bologna-Prozess bei steigenden Studierendenzahlen und knappen öffentlichen Kassen schultern müssen. Die Hochschulchefs mäkeln über unausgegorene Bachelor- und Masterkonzepte, die sie jedoch selbst umgesetzt haben.

"Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen"

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußerte sich der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, deutlich kritischer als seine Vorgängerin Margret Wintermantel: Die Reform habe wichtige Ziele verfehlt, nämlich die Internationalisierung sowie die Etablierung des Bachelors als überzeugenden berufsqualifizierenden Abschluss, sagte Hippler.

Dem Chef des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) passt auch die Richtung nicht, die mit der Bologna-Reform eingeschlagen wurde. Er kritisierte den Ansatz, Studenten immer schneller zum Abschluss zu führen: „Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen.“

Hippler befindet sich mit seiner Einschätzung in guter Gesellschaft. Seitdem am 15. August 2002 Bachelor und Master durch eine Änderung des Hochschulrahmengesetzes an den Start gingen, bricht die Kritik an der Internationalisierung der Studiengänge nicht ab.

Beklagt werden sowohl die Abkehr vom Humboldt'schen Ideal der ganzheitlichen Bildung als auch ganz konkrete Fehler im Bologna-System. Beispiel Auslandsstudium: Zwar steigt die Zahl der deutschen Studierenden, die ein oder zwei Semester im Ausland verbringen. Doch die gewünschte Internationalisierung hält mit den ursprünglichen Erwartungen nicht Schritt. Viele Studierende verzichten lieber auf ein Jahr in Paris oder London, weil sie befürchten, dass ihre im Ausland erbrachten Leistungen nicht anerkannt werden – auch wenn die Sorge nicht immer berechtigt ist.

Doch zum Geburtstag der Reform gibt es auch Anerkennung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) lobte den Bologna-Prozess als europäische Erfolgsgeschichte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt davor, die Reform schlechtzureden.

Und selbst Erik Marquardt vom fzs ringt sich ein kleines, vergiftetes Lob für die umstrittene Reform ab: „Die Hochschulen haben sich immerhin ein paar Gedanken über die harten Prüfungsphasen gemacht. Aber letztlich ist die Reform ein Sparmodell geblieben, um möglichst viele Studenten möglichst schnell durch die Hochschulen zu schleusen.“

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