Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in Stuttgart erneut gegen den geplanten Umbau des Hauptbahnhofs demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 7000 Demonstranten an der friedlichen Kundgebung, an deren Ende sie eine Menschenkette um den denkmalgeschützten Kopfbahnhof bildeten. Sie forderten einen Stopp der seit knapp eineinhalb Jahren laufenden Arbeiten an dem Milliarden-Projekt, bei dem der Kopfbahnhof bis zum Jahr 2019 in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden soll. Die Veranstalter hatten mit rund 10.000 Teilnehmern gerechnet.
Am 20. Juni war es im Zuge einer Baustellen-Blockade zu Ausschreitungen gekommen, bei denen nach Polizeiangaben neun Beamte verletzt wurden. Ein bewaffneter Zivilpolizist war dabei von Demonstranten angegriffen worden. Im Zuge der Ermittlungen ließ die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mehrere Wohnungen und Büros der Gegner des Bahnhofsneubaus durchsuchen und stellte Videos und Fotos sicher.
Das mit Baukosten von 4,1 Milliarden Euro veranschlagte Bauvorhaben der Deutschen Bahn ist bei den Stuttgarter Bürgern umstritten und spaltet auch die Landesregierung in Baden-Württemberg. Während die Grünen das Projekt zu Fall bringen wollen, plädiert die SPD für den Bahnhofsumbau. Die für kommenden Donnerstag geplante Vorlage des Gutachtens zum Belastungstest für den Bahnhof musste um rund zwei Wochen verschoben werden, weil die Expertise des Schweizer Ingenieurbüros SMA nicht fristgerecht fertig wird. Am kommenden Freitag laufen Fristen aus, die das Vergaberecht vorschreibt. Zur Ausschreibung stehen unter anderem Tunnelbauten für insgesamt rund 750 Millionen Euro.
Die Bahn werde alle im Bieterverfahren unterlegenen Firmen fristgerecht informieren, aber den ausgewählten Firmen noch keinen Zuschlag erteilen, gab der als Schlichter zwischen der Bahn und den Gegnern des Bahnhofsneubaus agierende CDU-Politiker Heiner Geißler am Freitag bekannt Die Auftragsvergabe verschiebe sich dadurch. An möglichen Kosten für die Verlängerung der Auftragsvergabe werde sich das Land nicht beteiligen, sagte Geißler. (rtr)
Der Bahnhofs-Abriss und die Proteste rund um das Projekt Stuttgart 21