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Stuttgart 21
Bahnhofs-Umbau in Stuttgart: Nachrichten von den Protesten rund um S21

05. Februar 2013

Kommentar zu S 21: Stuttgart 21: Endstation, bitte aussteigen!

 Von 
Raus aus Stuttgart 21? Aber schnellstens, meint unser Autor Stephan Hebel.  Foto: dpa

Stuttgart 21 ist so gut wie am Ende: Selbst der Bundesverkehrsminister hat ganz offensichtlich genug. Es wäre allerdings besser gewesen, wenn Peter Ramsauer und seine Kanzlerin klare Halt-Signale gesetzt hätten, statt sich mit Verspätung aus dem Tiefbahnhof zu schleichen.

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Stuttgart 21 ist so gut wie am Ende: Selbst der Bundesverkehrsminister hat ganz offensichtlich genug. Es wäre allerdings besser gewesen, wenn Peter Ramsauer und seine Kanzlerin klare Halt-Signale gesetzt hätten, statt sich mit Verspätung aus dem Tiefbahnhof zu schleichen.

Der deutsche Modernisierungs-Dreiklang - später, teurer, schlechter - ist jetzt auch den zuständigen Politikern zu Ohren gekommen. Das Bundesverkehrsministerium bequemt sich endlich, all das aufzulisten, was Kritiker seit Jahren wissen: Die Idee, den Stuttgarter Hauptbahnhof für mehrere Milliarden eine Etage tiefer zu legen, ist weder ausreichend finanziert, noch ist sie auch nur annähernd im vorgesehenen Zeitrahmen zu verwirklichen - von Brandschutz- und anderen Mängeln ganz zu schweigen.

Wenn jetzt endlich alle aussteigen sollten, dann wäre das eine gute Nachricht. Es wäre aber vor allem die große Gelegenheit, bei einem Symbolprojekt des planerischen Gigantismus die Wende zu versuchen: Modernisierung ja, schnelle Bahnen ja, moderne Knotenpunkte ja - aber eben ohne die Fantasien jener Ingenieure, die unter "Modernisierung" bis heute nichts anderes verstehen als Großprojekte ohne Rücksicht auf die Folgen. Es wäre die Gelegenheit, den Bedarf ehrlich zu prüfen, ohne die Expertise der Bürgerschaft so kläglich zu vernachlässigen, wie das bei Stuttgart 21 geschah. Es wäre die Gelegenheit, die ökologischen und finanziellen Folgekosten in einem offenen Prozess ohne Schönrechnereien zu diskutieren - und dann im demokratischen Verfahren zu entscheiden, was gebraucht wird und was nicht. Nur dann bekämen die teuren Zerstörungen, die das Projekt dem Stuttgarter Zentrum schon zugefügt hat, noch so etwas wie einen Sinn.

Es wäre zum Beispiel sehr schön, wenn die deutsche Bundeskanzlerin mal eine Rede hielte, in der sie sich zu ihrem Irrtum bekennt und die Stuttgarter Gesellschaft zum großen Dialog über Deutschlands umkämpftestes Projekt der vergangenen Jahre und die Zukunft des Bahnhofs einlädt. Allerdings: Auf diese offene Umkehr besteht so gut wie keine Hoffnung.

Statt dessen darf ein Papierchen durchsickern mit Erkenntnissen, die jeder schon lange hätte haben können - hätte er außer auf die Bahn und die interessierte Immobilien-Lobby auch auf die unabhängige Bürgerschaft gehört. Ein Papier, das vor allem der vorsorglichen Schuldzuweisung an die Bahn dient - als hätte nicht die Kanzlerin höchstselbst den Tief-Bau zur Probe auf Deutschlands Zukunftsfähigkeit erklärt.

So zeigt diese Regierung noch in der gnadenlos verspäteten, aber immerhin begrüßenswerten Absetzbewegung von Stuttgart 21 ihre Unfähigkeit zur echten Umkehr. Sie schleicht sich aus dem Bahnhof, statt sich wenigstens jetzt, im Angesicht bereits angerichteter unwiederbringlicher Schäden, der offenen Debatte zu stellen. Denn die wäre dringend notwendig, nicht nur für Stuttgart. Angesichts peinlich scheiternder oder gefährdeter Bauprojekte in Hülle und Fülle müsste es um die Frage nach einer sozial- und umweltverträglichen Modernisierung gehen, jenseits maßlos teurer und unrealistischer Fantasien. Und es müsste um demokratische Wege zu dieser Demokratisierung gehen, um frühe Beteiligung statt hämischer Verunglimpfung kritischer Bürger.

Angesichts der Art, wie unsere Regierung nun den Schleichweg aus dem Desaster sucht, darf vorausgesagt werden: Stuttgart mag sich vielleicht freuen, aber eine echte Umkehr wird es mit Angela Merkel nicht geben.

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