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Stuttgart 21: Polizeipräsident trifft Parkschützer

Kurz vor der Räumung durch die Polizei blockieren die Gegner von S21 die Straße vor dem Südflügel des Hauptbahnhofs. Das Zeltdorf im Schloßgarten soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. (13.01.2012)
Kurz vor der Räumung durch die Polizei blockieren die Gegner von S21 die Straße vor dem Südflügel des Hauptbahnhofs. Das Zeltdorf im Schloßgarten soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. (13.01.2012)
Foto: dpa

Kurz bevor die Polizei mit einem Großaufgebot von 1700 Polizisten die Baustelle für S21 räumte, kam es zu einem spontanen Treffen zwischen dem Stuttgarter Polizeipräsidenten und dem Sprecher der blockierenden Demonstranten Matthias von Herrmann. Am Ende des Gesprächs fiel das Wort "Feigling".

Stuttgart –  

Am Rande des Polizeieinsatzes an der „S21“-Baustelle ist es zu einem spontanen „Spitzentreffen“ zwischen dem Stuttgarter Polizeipräsidenten und dem Sprecher der blockierenden Demonstranten gekommen. Dabei zollte der Sprecher der sogenannten Parkschützer, Matthias von Herrmann, Polizeipräsident Thomas Züfle Respekt für dessen korrektes Verhalten gegenüber der Deutschen Bahn. Rund 250 „Stuttgart 21“-Gegner hatten am frühen Freitagmorgen den Südflügel besetzt, der abgerissen werden soll.

Züfle hatte den ursprünglich ebenfalls für diese Woche geplanten Polizeieinsatz im Schlossgarten abgeblasen, nachdem die Bahn erst auf seine Nachfrage hin eingeräumt hatte, dass für ihre geplante Fällung und Versetzung von 176 Bäumen nach wie vor ein Verbot besteht.

Parkschützer von Herrmann riet dem Polizeipräsidenten dazu, auch wegen des abzureißenden Südflügels nachzufragen, ob nicht der Denkmalschutz verletzt werde. Züfle ging nicht auf die Frage ein und antwortete lediglich vermittelnd: „Wir sind zwar stärker, aber für uns ist dies kein Triumph.“

Vor Abriss des Südflügels - Polizei räumt S21-Baustelle

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Als Züfle dem „obersten Parkschützer“ zum Abschied die Hand reichen wollte, lehnte dieser ab. „Das kommt nicht gut bei der Bewegung“, sagte von Herrmann, woraufhin Züfle ihn einen „Feigling“ nannte. Kurz darauf begann die Polizei die Blockade zu räumen.

Rund 1700 Polizisten waren im Einsatz um den Platz vor der „Stuttgart 21“-Baustelle zu räumen. Zuvor hatten die Einsatzkräfte die Demonstranten mehrfach aufgefordert, ihre Sitzblockade zu beenden und den Platz vor dem Südflügel des Hauptbahnhofes, der abgerissen werden soll, zu verlassen. Dann begannen die Beamten damit, die Demonstranten wegzutragen. Zuvor hatten Beamte bereits Barrikaden aus Holz, Pappe und Möbeln geräumt. Einige Polizisten trugen dabei fast am ganzen Körper besondere Schutzkleidung.

Es wird erwartet, dass im Laufe des Tages die Entkernung des Gebäudes beginnen soll. Die Bahn will den Gebäudeteil in den kommenden Tagen entkernen und abreißen lassen. Ziel des milliardenschweren Bauvorhabens „Stuttgart 21“ ist es, den oberirdischen Kopfbahnhof durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu ersetzen. Das Gelände soll jetzt mit Absperrgittern abgeriegelt werden.

„Parkschützer“ gewinnen bei „S 21“-Protest Einfluss

Polizisten tragen die Gegner von S21 weg.
Polizisten tragen die Gegner von S21 weg.
Foto: dapd

Mit diesem Ergebnis hatten die Gegner von „Stuttgart 21“ nicht gerechnet: Am 27. November 2011 stimmten 58,9 Prozent für einen Weiterbau des umstrittenen Tiefbahnhofs, 41,1 Prozent votierten für einen Ausstieg des Landes. „Die latente Wahrnehmung, dass die Gegner die Mehrheit vertreten, das ist jetzt vorbei“, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich angesichts des Ergebnisses. Die Volksabstimmung hat der Protestbewegung zwar keineswegs den Todesstoß versetzt, doch die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben.

Kaum ein Beobachter hatte sich auf dem Höhepunkt der Proteste gegen „Stuttgart 21“ im Sommer und Herbst 2010 des Eindrucks erwehren können, dass die lautstark demonstrierenden Menschen eine gesellschaftliche Mehrheit vertreten. Hinter den Massenprotesten, die im vergangenen Sommer und Herbst ihren Höhepunkt erreicht hatten, steht das sogenannte Aktionsbündnis gegen „Stuttgart 21“, das sich aus verschiedenen Gruppierungen zusammensetzt. Neben politisch eher linksorientierten Kräften gehören dazu auch Naturschutz- und Fahrgastverbände.

Reaktionen auf die S21-Abstimmung

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Das Aktionsbündnis versteht sich nach Angaben seines Sprechers Hannes Rockenbauch als Institution zur Vernetzung der verschiedenen Argumente und zur Organisation von Kundgebungen. Seit der Volksabstimmung hält sich die Dachorganisation jedoch mit den Demo-Aufrufen zurück. „Die Montagsdemos organisieren jetzt die Parkschützer und das Team Aussteiga. Das machen wir nicht mehr“, sagt Rockenbauch. Wenn allerdings große Bauarbeiten wie der Abriss des Südflügels oder Baumfällungen und -verpflanzungen anstehen, will auch das Aktionsbündnis wieder zu Protesten aufrufen.

Eine weitere Konsequenz aus dem Dämpfer bei der Volksabstimmung war der Rücktritt von Brigitte Dahlbender als Sprecherin des Aktionsbündnisses. Die BUND-Landesvorsitzende galt als sachliche und gemäßigte „Stuttgart 21“-Gegnerin. „Wir stellen jetzt auch eine neue Spitze auf“, sagt Rockenbauch, der in der Schlichtung zeitweise durch ungehaltene Äußerungen auffiel.

„Parkschützer“ gelten als der harte Kern der „S 21“-Gegner

Protest gegen den Abriss des Hauptbahnhofs von Stuttgart von Stuttgart 21-Gegnern (09.01.2012)
Protest gegen den Abriss des Hauptbahnhofs von Stuttgart von Stuttgart 21-Gegnern (09.01.2012)
Foto: dpa

Während sich das Aktionsbündnis nach der Volksabstimmungsniederlage sortiert und seinen Kurs bestimmt, haben die sogenannten „Parkschützer“ eine Fortsetzung ihres Protests angekündigt. Die Organisation gilt als der harte Kern des Widerstands gegen „Stuttgart 21“. Auf ihrer Homepage können sich Interessierte in drei verschiedenen Parkschützer-Stufen registrieren - von der bloßen Unmutsbekundung zu „Stuttgart 21“ bis hin zur Erklärung, sich im Falle von Bauarbeiten an Bäume zu ketten.

Für Kopfschütteln sorgte im Sommer eine Aussage des Sprechers der Parkschützer, Matthias von Herrmann, nach der Stürmung der „Stuttgart 21“-Baustelle am Grundwassermanagement. Während sich das Aktionsbündnis von der Gewaltanwendung distanzierte, sprach von Herrmann davon, dass die Bürger „in gelöster Feierabendstimmung“ ein Stück ihrer Stadt wieder in Besitz genommen hätten.

Stuttgart 21: Ansichten eines Bahnhofs

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Das Verhältnis zwischen den Parkschützern und anderen Gruppen innerhalb des Bündnisses ist ohnehin nicht immer einfach. Nach der Landtagswahl am 27. März 2011 hatte der bis dahin amtierende Sprecher des Aktionsbündnisses, Gangolf Stocker, seinen Rückzug bekannt gegeben.
Er beklagte, dass es im Lager der „Stuttgart-21“-Gegner zu viele Meinungsverschiedenheiten gebe. Er fürchte, dass die selbst ernannten „Parkschützer“ sich anschickten, das Bündnis zu übernehmen. Deren „verschärfte Linie“ könne zum Auseinanderbrechen des Aktionsbündnisses führen, warnte Stocker. Nach der Landtagswahl am 27. März 2011 und dem dabei eingeleiteten Regierungswechsel hatten Aktivisten einen Bauzaun am Nordflügel umgerissen. Von Herrmann hatte dies als Signal an die neue Regierung gewertet.

Dass die Parkschützer die Protestbewegung inzwischen übernommen haben, davon will Rockenbauch nicht sprechen. „Die Parkschützer waren immer schon eine sehr aktive Gruppe“, sagt er. Abgesehen von der Organisation der Montagsdemos sei im Aktionsbündnis alles so wie vorher. (dapd/dpa)

Wasserwerfer gegen S21-Gegner

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Stimmen des Protestes: Der Parkschützer, Matthias von Herrmann
        

privat

Er regt sich nicht schnell auf. Im Fernsehen wirkt Matthias von Herrmann immer etwas blässlich, der Sprecher der Stuttgarter „Parkschützer“. Aber wenn es um die drohende Räumung des Schlossgartens geht, ums Bäume fällen für den neuen Tiefbahnhof und den Protest dagegen, dann bekommt von Herrmann sehr schnell Farbe.

Besonders ereifert sich der 38-Jährige dann über die klugen Ratschläge aus Medien und Politik. Die Volksabstimmung im November habe nun mal keine Mehrheit für die Neubau-Gegner gebracht, heißt es da. Nun sei es „nicht mehr zielführend“, zu demonstrieren, sagt der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Matthias von Herrmann stellt fest: „Ein Kretschmann spricht nicht mehr für uns.“ Und: „Kein Journalist fragt Parteien nach einer Wahlniederlage, warum sie weitermachen. Wir hatten bei der Volksabstimmung mehr Wähler als die Grünen bei der Landtagswahl.“

Datum:  13 | 1 | 2012
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Der Bahnhofs-Abriss und die Proteste rund um das Projekt Stuttgart 21


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