Weltklasse. Überragend. Unglaublich. Wer das gesagt hat? Alexander Walke, Torwart des SV Wehen Wiesbaden. Im Stakkato schilderte der Schlussmann seine Eindrücke aus der Pokalpartie beim Hamburger SV (1:2), in der der Zweitligaletzte viel chancenloser war, als das Resultat vermuten ließ. "Da hätten Weihnachten, Ostern und alle Geburtstage unserer Mannschaft zusammenfallen müssen, um die Überraschung zu schaffen", gab Trainer Wolfgang Frank hinterher zu.
Auf dessen Anweisung rollte der Wehener Bus noch in der Nacht Richtung Westen; seit gestern bereiten sich die Hessen im westfälischen Hamm auf das Punktspiel bei Rot-Weiss Ahlen (Sonntag, 8. März, 14 Uhr) vor. "Wir müssen schnell zur Ruhe kommen und den Schalter umlegen", erklärte Frank, der noch in der Kabine eine längere Ansprache hielt.
Erst danach durfte sich Walke im Bauch der Arena über eine Absperrung lehnen, den Kopf auf beide Hände stützen, um auf einem an der Decke hängenden Fernsehschirm das Pokal-Aus des FC Bayern München zu verfolgen. Doch die Gedanken drehten sich noch ganz um den Auftritt im Viertelfinale. "So etwas erlebt ein Zweitliga-Spieler ja nicht oft - da stehen einem die Haare zu Berge." Eine Erfahrung, die Verteidiger Dajan Simac teilte: "Ich beneide die Jungs, die in solchen Arenen jede Woche spielen", sagte er.
Dieser Neidfaktor wird beim Gros wohl die Karriere lang anhalten - für höhere Aufgaben konnte sich kein Feldspieler der Wiesbadener empfehlen. Der aus Eberswalde stammende Tormann mit der Nummer 31 schon. Wegen Walke, von 1999 bis 2005 bei Werder Bremen ausgebildet und an der Weser mal hoch gehandelt, ehe er sich als U-20-Nationalspieler mit seiner Haschisch-Affäre selbst im Weg stand, sollen etliche Späher im Stadion gewesen sein.
Was sie sahen, verstärkt das bisherige Bild. "Ich habe sicher eine gute Saison gespielt", sagt Walke. Stellungs- und fangsicher, reaktionsschnell und wagemutig stemmte sich Wehens Keeper der Hamburger Übermacht entgegen, ließ sich nur von seinem Verteidiger Marko Kopilas und HSV-Torjäger Mladen Petric bezwingen. Also ist verständlich, dass Walke nicht in die dritte Liga absteigen will. "Mein Vertrag ist nur für die zweite Liga gültig", stellt der 25-Jährige klar, der vom Interesse anderer Klubs erfahren hat. "Es gibt ein paar Anfragen, alles weitere werden wir noch sehen." Denn: "Ich muss jetzt alles dafür tun, dass ich die Kiste in Ahlen sauber halte."
Zumal dort eine völlig neue Viererkette verteidigt: Nikolaos Nakas wird vermutlich rechts für den gelbgesperrten Simac verteidigen, zentral übernimmt Thorsten Barg den Part des für drei Spiele gesperrten Kristjan Glibo. Immerhin bringt Barg ein bisschen Spielpraxis mit - weil das Pokalspiel so früh entschieden war, durfte der 22-Jährige schon zur Pause in Hamburg mitmischen.