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Klatsche gegen Sandhausen: "Eine auf die Fresse bekommen"

Der neue Wehener Trainer Vollmann hat nach dem 0:4 gegen Sandhausen alle Hände voll zu tun. Nach der blamablen Vorstellung bleibt allerdings nicht viel Zeit bis zum nächsten Spiel gegen Bielefeld.

        

Restlos bedient nach der ersten Klatsche: Peter Vollmann.
Restlos bedient nach der ersten Klatsche: Peter Vollmann.
Foto: Jan Hübner

In der zweiten Halbzeit war von Peter Vollmann kaum mehr zu sehen. Der neue Übungsleiter des SV Wehen Wiesbaden, erst ein paar Tage im Amt, verkroch sich auf seine Trainerbank und verfolgte beinahe regungslos die dilettantische Vorstellung seiner Mannschaft. Wo zwei Jahre lang mit Gino Lettieri ein südländischer Vulkan regelmäßig das Rumpelstilzchen an der Außenlinie gab, führt jetzt ein Stoiker mit ruhiger Hand Regie. Eine Sache haben diese unterschiedlichen Typen dennoch gemeinsam: Den taumelnden Drittligisten konnten sie beide nicht wieder aufrichten, mit der 0:4 (0:3)-Niederlage gegen den SV Sandhausen, einer blamablen Vorführung, ist der erhoffte Effekt des Trainerwechsels klammheimlich verpufft.

Deutliche Worte

Natürlich hatte Vollmann kaum Zeit, Veränderungen herbeizuführen, zumal sich die Mannschaft mit acht verletzten oder gesperrten Spielern quasi von selbst aufstellte. Dass es ihn gegen den neuen Tabellenführer Sandhausen so hart erwischen würde, damit hatte Vollmann aber nicht gerechnet. Entsprechend deutlich vielen seine Worte aus, noch vor laufenden Fernsehkameras sprach der 54-Jährige davon, „eine auf die Fresse“ bekommen zu haben. „Trotzdem fahre ich jetzt nicht mit dem Rasenmäher drüber und stutze alle zurecht“, erzählte Vollmann. Mit Ruhe und Geduld wolle er an den Fehlern arbeiten, wenngleich der neue Hoffnungsträger zugeben muss: „Die Mängelliste ist sehr, sehr lang.“

Ganz oben wird die Hintermannschaft stehen, die jegliches Zweikampfverhalten erfolgreich ignorierte und den Gästen die Treffer auf dem Silbertablett servierte. Obwohl die Wiesbadener in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel und durch Zlatko Janjic auch eine gute Chance hatten (25.), gingen sie mit drei Gegentreffern in die Pause, die allesamt nach dem gleichen Schema fielen: Einen groben individuellen Fehler konnte keiner der Nebenmänner ausbügeln, die Taunussteiner standen zu weit weg, niemand blockte den vom Strafraum abziehenden Torschützen. Frank Löning, seit neun Spielen ohne Treffer, durfte gleich dreifach ran, Marcel Busch erzielte das zwischenzeitliche 2:0. „Danach waren alle down und die Köpfe gingen runter“, erzählte Abwehrchef Quido Lanzaat. Es folgte eine Demütigung, der SV Wehen Wiesbaden spielte wie ein Absteiger. Mutlos und brotlos.

Schon am Dienstag gegen Bielefeld

„Das war eine richtig bittere Pille“, gab Vollmann zu und konnte sich bei Torhüter Michael Gurski bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel. „Wir müssen versuchen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen.“ Außer in Einzelgesprächen den Spielern Selbstvertrauen zu geben und in einer Videoanalyse die Fehler klar zu benennen, bleiben Vollmann kaum Möglichkeiten. Schon morgen kommt Arminia Bielefeld.

„Das wird jetzt eine ganz harte Zeit“, vermutet Lanzaat, auch weil sein Trainer nach dem Blitz-Antritt in der vergangenen Woche immer neue Baustellen ausmacht. So fehle dem eingewechselten Orlando Smeekes jegliches taktisches Gefühl, „dass du aber nicht von heute auf morgen bekommst“, und Milan Ivana, seinem Vorgänger auf der rechten Außenbahn, die sprachliche Bindung. Mit dem erst kürzlich verpflichteten Slowaken sei kaum eine Kommunikation möglich. „Das sind alles Dinge, die mich in den Wahnsinn treiben.“

Autor:  Sebastian Rieth
Datum:  20 | 2 | 2012
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