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Karriereperspektiven: Chancen über 50

Unternehmenslenker wissen um das große Potenzial der Best Ager. Sie müssen nur noch lernen, es besser zu nutzen. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die die VON BONIN Personalberatung Unternehmen der Hotellerie und Touristik befragt hat.

Albrecht von Bonin ist Geschäftsführer der VON BONIN Personalberatung
Albrecht von Bonin ist Geschäftsführer der VON BONIN Personalberatung

Mitarbeiter über 50 seien den neuen Technologien nicht gewachsen, nicht mehr lernfähig, nicht ausreichend belastbar, wenig flexibel, oft krank oder schlicht zu teuer – diesen und ähnlichen Vorurteilen begegnet der Personalberater Albrecht von Bonin seit über 30 Jahren häufig.

Wen wundert es da, wenn bei älteren Arbeitnehmern Ängste und Zweifel über ihre Karriereperspektiven im Alter entstehen. Bereits wer Mitte 30 bis Mitte 40 ist, fragt sich mitunter, wann der Jugendwahn auch seine Karriere beenden wird. Doch was ist wirklich dran an der Abneigung gegenüber der 50-plus-Generation? Die sozio-demografische Entwicklung in Deutschland zeigt, dass sich die Altersstruktur der Erwerbstätigen verändern wird. Laut Statistischem Bundesamt gibt es heute schon mehr über 40-jährige als unter 40-jährige auf dem Arbeitsmarkt.

Obwohl ein großer Teil der Befragten (58 Prozent) dem Einsatz älterer Mitarbeiter positiv gegenübersteht, deckt die Studie dennoch gravierende Defizite bei Förderungs- und Bindungsprogrammen für Best Ager auf. Wer gute berufliche Voraussetzungen mitbringt und „nur“ zu alt ist, hat durchaus – wenn auch reduzierte – Chancen im Arbeitsmarkt. Wer jedoch schon in jüngeren Jahren berufliche Schwierigkeiten hatte, kann im Alter endgültig chancenlos werden.

Die höhere Lebenserwartung und sinkende Geburtszahlen führen allerdings dazu, dass der Anteil älterer Arbeitnehmer künftig steigen wird. Das macht eine veränderte Einstellung der Arbeitgeber gegenüber den Älteren erforderlich. Lange Zeit setzte man darauf, den Personalbedarf durch junge, frisch ausgebildete Kräfte zu decken. In Zukunft wird es notwendig sein, 50-plus-Mitarbeiter länger als bisher an den Betrieb zu binden und ihre Leistung gezielt zu erhalten oder sogar auszubauen. Doch Unternehmen verbinden mit dem Status „älterer Arbeitnehmer“ häufig eine verminderte Lern- und Leistungsfähigkeit. Auch wird oft argumentiert, dass die Qualifizierung Älterer wenig Sinn habe, da sich eine Weiterbildung nicht mehr rechne.

„Es ist eine Todsünde zu glauben, dass alte Hasen keine Weiterbildung mehr brauchen“, so Personalberater Albrecht von Bonin. „Sie sind in der Regel die teuersten Mitarbeiter und fällen die wichtigsten Entscheidungen. Wer aufgehört hat zu lernen, kann dann schnell ein Risiko für den Betrieb darstellen.“
Die Ausbildung älterer Arbeitnehmer liege weit zurück. Vieles, was früher gegolten habe, sei heute bedeutungslos; neue Anforderungen seien entstanden. „Gerade deshalb ist es wichtig, in die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der alten Garde zu investieren. Beispiele aus anderen Branchen zeigen, dass ältere Menschen ein anderes Lernverhalten zeigen, als die Jungen“, so von Bonin. Daher plädiert der Personalberater für spezielle Weiterbildungsangebote, die die Best Ager geistig und körperlich fit halten. Wie sehr sich diese Maßnahme für Unternehmen lohnen kann, belegt das altersspezifische Stärken/Schwächen-Profil, das die VON BONIN Personalberatung auf Basis von über 2000 Kandidaten-Interviews mit Führungskräften der Hotellerie in den vergangenen fünf Jahren erstellt hat. So haben über 50-jährige bis auf wenige Ausnahmen in den Bereichen Führungskompetenz, Fachwissen, Stressresistenz und Sozialkompetenz gegenüber Jüngeren die Nase vorn.

Dieses Ergebnis wird auch durch Unternehmen anderer Branchen bestätigt, die inzwischen ihre Personalpolitik an die geänderte Altersstruktur angepasst haben. Sie beurteilen ältere Mitarbeiter als Erfahrungsträger und wichtigen Erfolgsfaktor für das Unternehmen. „Wer ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat und schon öfter um Cap Horn gesegelt ist, dem gelingt es eben eher als einem Jüngeren, das Steuer in stürmischer See fest in der Hand zu halten“, so die Erkenntnis der Personalberater.

Datum:  11 | 11 | 2010
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