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Krieg in Syrien
In Syrien soll Präsident Al-Assad Giftgas eingesetzt haben. Der Westen erwägt einen Militärschlag.

04. Februar 2016

Bürgerkrieg in Syrien: Damit sie nicht zu uns kommen

 Von Sebastian Borger
Vor den Houses of Parliament in London: Mit ihrer Aktion zur Syrien-Geberkonferenz will eine Hilfsorganisation zeigen, wie wichtig Bildung für Flüchtlingskinder ist.  Foto: dpa

In London sind Milliardenzusagen nötig, damit die Syrienflüchtlinge in der Heimat eine Perspektive haben. Die Bürgerkriegsregion braucht dringend Hilfen für mehr Bildung und Jobs.

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Trotz der immensen Schäden nach fast fünf Jahren Bürgerkrieg hat Syrien nach Einschätzung der Vereinten Nationen eine reelle Chance für einen Wiederaufbau. „Ein Syrien mit Frieden und internationalen Investitionen kann wieder aufgebaut werden“, sagte die Chefin des UN-Entwicklungsprogramms, Helen Clark, jetzt in einem Interview. Den Schaden in den Schlüsselindustrien des Landes schätzt Clark, die als mögliche Nachfolgerin von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gehandelt wird, auf rund 200 Milliarden Dollar (183 Milliarden Euro). „Das Land hatte ein gut entwickeltes Bildungs- und Gesundheitssystem. Heute leben rund 60 Prozent der Menschen in extremer Armut“, so Clark weiter.

Eine Mammutaufgabe ist das, und die Vertreter von mehr als 70 Staaten, die an diesem Donnerstag in London beraten, gehen einen Teil davon an. Über Hilfen für die Flüchtlinge aus Syrien beraten sie, über Unterstützung für die Anrainerstaaten Syriens sowie über Initiativen für bessere Ausbildungsmöglichkeiten für schulpflichtige Kinder und mehr Arbeitsplätze für Vertriebene. Außerdem soll humanitäre Hilfe jene Menschen erreichen, die sich wegen des anhaltenden Bürgerkriegs eine neue Heimat innerhalb Syriens suchen mussten. Insgesamt ist von Beiträgen in Höhe von rund neun Milliarden US-Dollar die Rede. „Je mehr wir dazu beitragen, dass die Menschen in der Region bleiben können, desto weniger werden nach Europa kommen“, argumentierte der britische Premier David Cameron im Unterhaus.

Unterricht in Syrien: eine Lehrerin vor ihrer Klasse.  Foto: REUTERS

Wie Großbritannien gehören auch die UN, Kuwait, Deutschland und Norwegen zu den Gastgebern der Konferenz. Diese knüpft an ähnliche Zusammenkünfte in Kuwait sowie eine Gebertagung in Berlin 2014 an. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat seine Teilnahme ebenso zugesagt wie 35 weitere Staats- und Regierungschefs.

In dem vor fünf Jahren entflammten Konflikt zwischen Präsident Baschar al-Assad und diversen Oppositionsgruppen, darunter der Terrortruppe Daesh (IS), sind bisher 260 000 Menschen ums Leben gekommen. 4,6 Millionen mussten vor kriegerischen Auseinandersetzungen fliehen, Hunderttausende machten sich auf den Weg nach Europa.

In London soll es in vier Plenarsitzungen um die praktische Hilfe für jene gehen, die vor den blutigen Auseinandersetzungen geflohen sind. Zum Thema Erziehung will Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai (18) das Wort ergreifen; die junge Pakistanerin war wegen ihres Eintretens für bessere Bildung von islamistischen Fanatikern niedergeschossen worden. Österreich gehört zu jenen Ländern, die ihre Spendenbereitschaft für die Schulbildung der Flüchtlingskinder signalisiert haben.

Rasche Hilfe ist absolut dringlich. Der jordanische König Abdullah hat bereits die Ausweisung syrischer Flüchtlinge aus seinem total überforderten Land angedroht. „Früher oder später wird der Damm brechen“, sagte Abdullah der BBC. Jordanien beherbergt 630 000 namentlich bekannte sowie Hunderttausende unregistrierte Flüchtlinge.

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Um dem angestammten Verbündeten in Amman sowie den anderen Anrainerstaaten zu helfen, will Großbritannien den betroffenen Ländern großzügige Handelskonditionen in neuen Verträgen anbieten. Dies könnte zur Ankurbelung der Wirtschaft vor Ort und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen, hofft man in London. Als Beispiel wird die jordanische Textilindustrie genannt. Im Gegenzug erhofft man sich von den Gastgeberländern größere Integrationsbemühungen für die Flüchtlinge. „Die Leute wollen mehr tun. Sie brauchen eine Zukunft“, argumentiert Andrew Harper, der UN-Mann vor Ort in Jordanien.

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