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Krieg in Syrien
In Syrien soll Präsident Al-Assad Giftgas eingesetzt haben. Der Westen erwägt einen Militärschlag.

14. März 2014

Bürgerkrieg Syrien: Die syrische Tragödie

 Von 
Essen wird in einem Flüchtlingscamp verteilt.  Foto: dpa

Der syrische Bürgerkrieg forderte bereits 150.000 Tote. Neun Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Die internationale Gemeinschaft versagt: Die Konferenzen in Genf sind gescheitert, die USA haben nichts unternommen.

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Vor drei Jahren, am 15. März 2011, begann der Aufstand in Syrien, der bald in einen bewaffneten Kampf umschlug und sich dann zunehmend zu einem regelrechten Bürgerkrieg entwickelte. Knapp 150.000 Menschenleben forderte der Konflikt bisher, mehr als neun Millionen Menschen sind auf der Flucht; eine Jahrhunderttragödie. Und das Schlimmste daran: Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die Weltgemeinschaft sieht zu, unfähig eine Lösung zu finden, das Töten zu beenden und den Syrern zu helfen, die Weichen in Richtung einer friedlichen Zukunft zu stellen.
Militärisch scheint der Konflikt nicht zu entscheiden: Die Regierungsarmee kann ihn gegen die zahlreichen Verbände von Rebellenkämpfern nicht gewinnen. Wenn sie an einer Stelle strategische Punkte einnimmt, flammen die Kämpfe anderenorts wieder auf. Die Oppositionskräfte sind allerdings auch nicht in der Lage, das Regime militärisch zu besiegen. Dazu fehlen ihnen schwere Waffen, mit denen sie der Luftwaffe und den Panzern des Regimes etwas entgegensetzen können.
Sie bekommen zwar Waffen geliefert, vor allem von den Golfstaaten, doch reicht dies nicht. Zudem lähmen interne Kämpfe die Schlagkraft der Rebellen. Mancherorts verlagert sich der Kampf: Statt gegen die Regierungsarmee kämpfen die Rebellen dort gegeneinander.

Genf II war ein Flop

Viel Hoffnung auf einen Durchbruch hatten Beobachter und Beteiligte nicht, aber immerhin tat sich im Januar eine Chance auf, als sich Vertreter der Regierung und der Opposition zu Verhandlungen in Genf trafen. Trotz intensiver Bemühungen vor allem der US-Diplomaten waren die Ergebnisse mager; zumindest jene, die veröffentlicht und umgesetzt wurden.

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Möglicherweise kam es im Hinterzimmer zu Treffen, bei denen Vereinbarungen angebahnt wurden, die zu einem späteren Zeitpunkt Ergebnisse bringen, doch zunächst einmal muss Genf II weitgehend als Flop verbucht werden. Seitdem haben sich die Kämpfe in Syrien wieder verschärft und, schlimmer noch: Das Interesse der Weltöffentlichkeit hat sich verlagert. Wer redet heute noch von Syrien? Alle Welt schaut auf die Ukraine. Sehr zum Frust der syrischen Opposition.
Die Weltöffentlichkeit werde nicht nur abgelenkt, das Verhalten des Westens und besonders der USA in der Ukraine-Krise sei sogar ein Beweis, dass man keine weitere Hoffnung auf den Westen zu setzen brauche.

Opposition kritisiert USA

Der bekannte syrische Intellektuelle und Mitglied der syrischen Opposition Michel Kilo geht in einem Kommentar für die Internetplattform Al-Monitor hart mit den USA ins Gericht. Amerika habe Russland die Führungsrolle überlassen. Dies zeige sich ganz klar in der Unfähigkeit, den russischen Machtdrang in der Ukraine zu bremsen, habe sich jedoch bereits bei den Verhandlungen in Genf angedeutet. Trotz des massiven Drucks aus Washington hätten sie nicht nur kein Ergebnis gebracht, sondern schlimmer noch der russisch-syrischen Strategie Aufwind verschafft. 2012 habe Russland noch Druck auf Assad ausgeübt, da es damals so aussah, als könne die Opposition militärisch den Konflikt gewinnen. Im Januar 2014 hatte das Regime an Stärke zurückgewonnen: „Die russischen Diplomaten gingen davon aus, dass sie die Opposition mit ein wenig Druck dazu bringen könnten, sich in die Regierung Assad eingliedern zu lassen. Das war der Kompromiss, den die Russen anstrebten“, so Kilo. Natürlich war dieser für die Opposition nicht akzeptabel.

Schuld an der zunehmenden Schwäche der USA und der Weltgemeinschaft allgemein sei, dass sie Assad auf den Leim gegangen sei: Die Revolution in Syrien habe doch als friedlicher Aufstand des Volkes begonnen. Assad allerdings habe alles darangesetzt, dem Aufstand einen islamistischen Anstrich zu geben. Radikale Islamisten wurden aus den Gefängnissen befreit und systematisch der Hass zwischen den Volksgruppen und Religionen geschürt. Dies führte dazu, dass der Westen dann immer zögerlicher wurde, den Aufstand ernsthaft zu unterstützen: Aus Angst, dass auf Assad ein radikalislamisches Terrorregime folgen könnte, das auch die Interessen des Westens gefährden könnte. „Der Westen ist voll in Assads Falle getreten und betrachtete den Konflikt von nun an durch die Terrorbrille, statt zu sehen, dass dies eine vom Regime geschaffene Situation war. Deswegen zögerte der Westen, gegen ein Regime vorzugehen, das rund eine Million Menschen getötet, vertrieben und gefoltert hat“, so Kilo. Dass der Westen nun in der Ukraine ebenfalls hilflos zusehen muss, wie die Russen ihre Ziele durchsetzen, ist danach zumindest zum Teil darauf zurückzuführen, dass Russland gestärkt aus dem Syrienkonflikt hervorgegangen sei.

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