Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Krieg in Syrien
In Syrien soll Präsident Al-Assad Giftgas eingesetzt haben. Der Westen erwägt einen Militärschlag.

15. März 2016

Syrien : Putin, der Kriegsgewinnler

 Von 
Die heimkehrenden Soldaten werden in Russland mit allen Ehren empfangen.  Foto: dpa

Russland zieht seine Truppen aus Syrien ab. Moskau hat sich längst mit einem absehbaren Ende der Assad-Ära arrangiert und denkt bereits an die Zeit danach.

Drucken per Mail

Der Kreml drückt aufs Tempo. Keine 24 Stunden nach Wladimir Putins Ankündigung, den Großteil seiner Truppen aus Syrien abzuziehen, starteten am Dienstag bereits die ersten Kampfjets und Transportflieger zurück in die Heimat. Exakt zum fünften Jahrestag des Bürgerkrieges beendet Russlands Präsident den Einsatz auf dem syrischen Schlachtfeld – und zwar genauso abrupt, wie er ihn vor fünf Monaten begann.

Nicht nur die Syriendelegationen in Genf, auch die UN und die westlichen Regierungen rieben sich verwundert die Augen. „Das ist ein positiver Schritt. So etwas sehen wir gerne“, sagte Angolas UN-Botschafter Ismael Gaspar Martins, dessen Land momentan den Vorsitz im Weltsicherheitsrat führt. UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura sprach von einer „bedeutenden Entwicklung“, die die Suche nach einer politischen Lösung positiv beeinflussen könne. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier meinte, sollte der Abzug umgesetzt werden, „erhöht das den Druck auf das Regime von Präsident Assad, in Genf endlich ernsthaft über einen friedlichen politischen Übergang zu verhandeln“.

Dritter Versuch erfolgreich

Entsprechend einsilbig reagierte die Führung in Damaskus. Assad habe mit Putin telefoniert und dem Abzug zugestimmt, hieß es Stunden später gequält. Und trotzig: „Russland und Syrien kämpfen unverändert und gemeinsam gegen den Terrorismus.“ Aber es knirscht schon lange zwischen den ungleichen Verbündeten. Verwundert registrierte der Kreml die jüngsten Interviews des Diktators im Februar, in denen er vollmundig ankündigte, seine Armee werde nun das ganze Land „ohne Zögern“ zurückerobern. Den Ausschlag für Putin gab offenbar der provokante Auftritt von Außenminister Walid al-Moallem in Genf, der Assads Zukunft zur „rote Linie“ erklärte und jegliche Vereinbarungen über eine Präsidentenwahl kategorisch ablehnte.

Mehr dazu

Moskau dagegen hat sich längst mit einem absehbaren Ende der Assad-Ära arrangiert und weiß, dass der Diktator irgendwann in den 18 Übergangsmonaten das Feld räumen muss. Bereits 2012 war Putin bereit, wie Ex-UN-Vermittler Lakhdar Brahimi jüngst eröffnete, Assad zum Rücktritt zu drängen. Doch die UN-Vetomächte USA, Frankreich und Großbritannien winkten ab, weil sie glaubten, dessen Sturz stünde sowieso unmittelbar bevor. Im Dezember 2015 versuchte Putin es erneut und schickte einen hochrangigen General nach Damaskus. Er sollte den Diktator zum Rücktritt drängen, den Alawiten das Überleben ihres Regimes garantieren und von den syrischen Machthabern fordern, mit der moderaten Opposition „realistisch“ zu verhandeln – ein Ansinnen, das die Assad-Clique rundheraus ablehnte.

Putin aber denkt bereits über die Assad-Zeit hinaus. Um Russlands Interessen zu wahren, braucht er vor allem eine Stabilisierung von Restsyrien im Westen des Landes sowie ein konstruktives Verhältnis zu einer möglichen Post-Assad-Führung. Seit Sowjet-Zeiten ist Tartus Marinestützpunkt. Nun gibt es auch die Luftwaffenbasis Hmeimim nahe Latakia, die nach dem Abzug in reduzierter Form bestehen bleiben soll. Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin schlug nun das nächste Kapitel des syrischen Kriegs auf: „Unsere Diplomatie hat einen neuen Marschbefehl erhalten. Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, um eine politische Lösung in Syrien zu erreichen.“

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Politik-Spezial

Millionen Menschen fliehen aus Syrien. Das Land wird zerrieben zwischen den Machenschaften von Präsident Baschar al-Assad und der Terrorgruppe IS.


Interaktive Karte
Fotostrecke
Lager für syrische Flüchtlinge im Irak

Seit März 2011 kämpfen syrische Rebellen gegen Militär und Polizei von Präsident Baschar al-Assad. Der Konflikt von Anfang an, erzählt in Bildern.

Dossier

Flucht und Zuwanderung



Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror, viele sterben auf dem Weg nach Europa. Dort steht die Politik vor Herausforderungen. Wenige protestieren, viele Menschen helfen.

Dossier-Übersicht - alles auf einen Blick
Kommentare und Leitartikel - Meinung der FR
Zuwanderung in Rhein-Main - Lage vor Ort

Videonachrichten Syrien