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Krieg in Syrien
In Syrien soll Präsident Al-Assad Giftgas eingesetzt haben. Der Westen erwägt einen Militärschlag.

12. Oktober 2013

Syrien Iran Afghanistan: Iran rekrutiert Gotteskrieger für Krieg in Syrien

 Von 
Junge Assad-Loyalisten in der Nähe von Aleppo, Anfang Oktober.  Foto: rtr

Der Iran wirbt in Afghanistan Söldner für schiitische Milizen im Heiligen Krieg gegen Assads Gegner in Syrien. Etwa 1000 Afghanen sollen nach Schätzungen dem Ruf aus Teheran gefolgt sein.

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Der Iran wirbt in Afghanistan Söldner für schiitische Milizen im Heiligen Krieg gegen Assads Gegner in Syrien. Etwa 1000 Afghanen sollen nach Schätzungen dem Ruf aus Teheran gefolgt sein.

Hassan, der 32-jährige Vater einer drei Monate alten Tochter in Dasht-i-Barti, einem dicht besiedelten Vorort der afghanischen Hauptstadt Kabul, spricht im Brustton tiefer Überzeugung: „Mein Glaube befiehlt mir, als Märtyrer zur Verteidigung der des Zainab-Schreins in Damaskus zu gehen.“ Seit Wochen wartet er auf grünes Licht für die Reise über den Iran in den blutigen Bürgerkrieg in Syrien. „Ich werde im Iran sechs Monate militärisch ausgebildet und für meine Familie wird gesorgt. Die Iraner haben versprochen, eine Stadt der Märtyrer zu gründen, in der unsere Familien versorgt werden, falls ich sterbe.“

Sobald er ins Flugzeug gen Iran steigt, wird der erste Vorschuss in Höhe von 3000 US-Dollar fällig. Während ihres Einsatzes wird den Söldnern im Kampf um Syrien monatlich 1000 Dollar versprochen. Ein Teil soll den Familien ausgezahlt werden.

Ausgeprägte Vorsicht

„Wenn ich offen werben könnte, stünden täglich Hunderte von Freiwilligen vor meiner Tür“, sagt der 26-jährige Quais Ahmadi, Dschihadi-Werber in Dasht-i-Barti, wo rund eine Million afghanischer Hazaras leben, eine ethnische Minderheit von Schiiten. Bei einem erst wenige Tage zurückliegenden Treffen haben ihn iranische Diplomaten nochmal auf Diskretion verpflichtet. Die Vorsicht geht so weit, dass Teherans Abgesandte bei Treffen alle Handys, Tablets und Laptops einsammeln und die Batterien entfernen. Damit man nicht abgehört oder geortet werden kann.

Laut Ahmadi hätten die Iraner ihm gegenüber zudem angekündigt, dass sie auch verstärkt bei den Hunderttausenden von afghanischen Hazara für den Einsatz im Syrien-Konflikt werben wollen, die im Iran leben. Der afghanische „Handelsagent“ schätzt, bislang seien etwa 1000 Afghanen dem Ruf aus Teheran gefolgt. Die letzte Gruppe verlies Kabul vor vier Monaten und wird in acht Wochen ihren militärischen Grundkurs beenden.

Ein von Leibwächtern geschützter iranischer Geistlicher hat die wichtigste Aufgabe übernommen. Er redet gegenüber Interessenten über die Bedeutung des Zainab-Schreins und dessen Bedrohung durch Gegner des Assad-Regimes. In dem Schrein mit einer Kuppel aus purem Gold und einem goldenen Eingangstor soll laut schiitischer Überzeugung Zainab bint Ali, die Tochter von Ali bin Ali Talib beerdigt sein. Der Vetter des Propheten Mohammed spielt eine zentrale Rolle im schiitischen Glauben. Außerdem ist dort auch Ali Shariati, der Ideologe der iranischen Revolution von 1979, beerdigt.

Die Abu-al-Fadl-al-Abbas-Brigaden, bisher die Verteidiger des Schreins, verloren laut eigenen Angaben 60 Leute bei Kämpfen mit den sunnitischen Rebellen, die Syriens Regierung stürzen wollen. Die libanesische, mit dem Iran verbündete Hizbollah entsandte auch schon Kämpfer zur Verteidigung des alten Regimes.

Werber des Heiligen Kriegs

Das alles kommt nicht von ungefähr. Zunächst schienen Syrien und der ihn beherrschende Alewiten-Clan der Assads nur ein weiteres Land, das durch den „arabischen Frühling“ gebeutelt wurde. Längst aber wandelt es sich in zunehmendem Tempo zur jüngsten Inkarnation der Jahrhunderte währenden Schlacht, meist blutig, selten intellektuell, zwischen dogmatischen und fundamentalistischen Sunniten und Schiiten.

Afghanistan, in dessen Hauptstadt Kabul dieser Zwist auch wieder deutlicher zutage tritt, und das benachbarte Pakistan mit seiner von sunnitischen Extremisten gesteuerten Mordserie gegen Schias sind ideale Länder für die Werber des Heiligen Kriegs. Das nutzen offenbar auch die USA. Asiatische Geheimdienstkreise in Kabul sind überzeugt, dass die CIA angeworbene Kämpfer, darunter angeblich auch Taliban, über Katar schleust.

Kritiker werfen Washington deshalb vor, die Fehler aus Afghanistan in den 80er Jahren zu wiederholen. Die damals angeheuerten Afghanen verwandelten sich später in Extremisten, die den Al-Kaida-Gründer Osama Bin Laden dann auch beherbergten.

Afghanen sehen ihre Bereitschaft zum Heiligen Krieg im Dienste Teherans aber anders. „Es ist eine gute Sache, den Schrein zu verteidigen“, sagt der 29-jährige Mokhtar, der ebenfalls nach Syrien gegangen wäre, wenn ihm sein Geistlicher nicht davon abgeraten hätte. Neben den religiös Motivierten bewerben sich viele junge Männer aus ökonomischen Gründen. Wegen einigen von ihnen hat der Iran bereits Lehrgeld gezahlt. Denn ein paar Bewerber machten sich samt Vorschuss von 3000 US-Dollar aus dem Staub, bevor die Reise startete.

Seither gibt es das Handgeld erst nach dem Start des Flugzeugs in Kabul.

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