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Krieg in Syrien
In Syrien soll Präsident Al-Assad Giftgas eingesetzt haben. Der Westen erwägt einen Militärschlag.

10. März 2016

Unicef zu Syrien : Bislang 10.000 tote Kinder in Syrien

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Alleingelassen: Syrien ist laut Unicef der schlechteste Ort der Welt für Kinder.  Foto: rtr

Nach fünf Jahren Krieg in Syrien zieht die Kinderhilfe Unicef eine bittere Bilanz. Allein in den ersten beiden Kriegsjahren sollen mehr als 10.000 Kinder gestorben sein.

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Saja hat nur noch ein Bein. Wenn die Zwölfjährige Fußball spielt, hüpft sie auf Krücken durch den Sand. Viele ihrer Freunde sind tot. Und doch habe das Mädchen aus der syrischen Stadt Aleppo den Traum nie aufgegeben, viel zu lernen und etwas Besonderes aus ihrem Leben zu machen, sagt Genevieve Boutin, Unicef-Koordinatorin für die Syrien-Nothilfe, bei einem Pressegespräch mit dem deutschen Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) in Berlin.

Christian Schneider, Unicef-Geschäftsführer Deutschland, über die Lage der Kinder

Da sich der Beginn des Syrien-Konflikts bereits zum fünften Mal jährt, zieht das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen am Donnerstag Bilanz. Eine bittere. „Syrien ist der schlechteste Ort in der Welt, um ein Kind zu sein“, sagte die Nothilfe-Koordinatorin. Laut Unicef sind rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche im Land auf Hilfe angewiesen. Allein in den ersten beiden Kriegsjahren sollen mehr als 10 000 Kinder gestorben sein, für die Zeit danach gibt es keine nur halbwegs verlässlichen Zahlen. Schulen werden angegriffen, Kinder bei Bombenattacken getötet, vor allem Jungen sind in der ständigen Gefahr, als Kindersoldaten rekrutiert zu werden.

Entwicklungshilfeminister Müller appellierte an die Teilnehmer der Londoner Syrien-Geberkonferenz vom Februar, den Hilfsorganisationen die zugesicherten neun Milliarden Euro zu überweisen. „Zusagen müssen umgesetzt werden“, sagte der CSU-Politiker. Der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, ergänzte, auch bereits zugesagte Mittel gingen oft nur schleppend ein. Für das laufende Jahr seien erst sechs Prozent des Geldes angekommen.

Müller dringt auf Zahlungen

Müller forderte ein stärkeres Engagement der Länder der Europäischen Union für die Flüchtlingshilfe in syrischen Nachbarländern wie Jordanien, Libanon und Irak. „Wer keine Flüchtlinge aufnimmt, muss in einen Wiederaufbaufonds investieren“, sagte er. „Mit zehn Milliarden Euro könnten wir die gesamte Region stabilisieren, Kindern den Schulbesuch ermöglichen, Babys versorgen und den Wiederaufbau einleiten“, fügte der Minister hinzu. Viele syrische Flüchtlinge wollten ja in der Nähe ihrer Heimat bleiben, weil sie noch Angehörige im Land hätten. Ein Euro, der in den Lagern der umliegenden Länder eingesetzt werde, habe den dreißig- bis fünfzigfachen Effekt von einem, der in Flüchtlingsintegration in Deutschland investiert werden müsse.

Der Minister sagte, Deutschland habe die ersten 70 Millionen Euro der in diesem Jahr für Unicef vorgesehenen 265 Millionen Euro bereits angewiesen. Die nächste Rate werde bald folgen. Eine frühe und verlässliche Zahlung sei wichtig, damit Projekte auch wirklich gestartet und umgesetzt werden könnten. So hätten allein im Libanon 200 000 Kinder mit deutscher Hilfe eingeschult werden können.

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