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TV-Krimi
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20. November 2012

Friederike Kempter: Sie fackelt nicht lange

 Von Martina Günther
Friederike Kempter als Julia Klug in der ARD-Krimiserie „Hauptstadtrevier“. Foto: ARD/Daniela Incoronato

Friederike Kempter zieht es zum Verbrechen – im Münster-„Tatort“ und nun auch als toughe Heldin einer ARD-Krimiserie. Das passt zu ihrer Natur.

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Friederike Kempter ist krank, aber trotzdem gut gelaunt. Sie hat sich einen Infekt eingefangen, konnte ein paar Tage nicht drehen und auch nicht zu der Premiere von „Oh Boy“ gehen, einem Film, der seit Anfang November ziemlich erfolgreich in den Kinos läuft. Darin verkörpert Tom Schilling einen jungen Mann Ende zwanzig, der nach abgebrochenem Studium auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist. Es ist ein heiterer, nachdenklicher, kleiner Film, mit schönen Bildern von Berlin.

Friederike Kempter tritt in einer Nebenrolle auf. Sie spielt eine ehemalige Schulkameradin des jungen Mannes, Julika, eine neurotische Ausdruckstänzerin, die den Helden in der Garderobe zu einem Quickie überreden will und dabei saftige Worte nicht scheut. Auch sonst ist sie in ihrer Rolle vorlaut und couragiert. Als sie auf der Straße von drei Jungs dumm angemacht wird, wehrt sie sich forsch – Leidtragender ist ihr alter Schulfreund, der sich dabei eine blutige Nase holt.

Friederike Kempter gluckst vor Lachen, als sie erzählt, wie sie privat mit Provokationen umgeht. Es sei schon häufiger passiert, dass sie den Mund aufgemacht habe, während ihre Begleiter „um ihr Leben fürchteten“. „Wenn ich Ungerechtigkeiten im öffentlichen Raum erlebe, gibt’s kein Halten bei mir. Da sind mir auch die Konsequenzen egal.“

Boxen bis die Knöchel wund sind

Mutig geht auch ihre Figur Julia Klug in der Krimi-Serie „Hauptstadtrevier“ ihre Herausforderungen an. Nicht lange fackeln, sondern zuschlagen – so hat die Elitepolizistin ihren Job gelernt. Die Kampfszenen gefallen auch Friederike Kempter sehr an der Rolle. Boxen hat die 1,61 Meter große Schauspielerin dafür trainiert „bis ich wunde Knöchel hatte“.

Zur Person

Friederike Kempter wurde am 23. August 1979 in Stuttgart geboren.

Von 2003 bis 2006 besuchte sie in Berlin die Fritz-Kirchhoff-Schauspielschule „Der Kreis“.

In Berlin spielt auch die neue ARD-Vorabendserie „Heiter bis tödlich – Hauptstadtrevier“, in der Kempter in die Hauptrolle der Julia Klug, einer alleinerziehenden Mutter und Elitepolizistin, schlüpft.

Bekannt wurde sie dem Fernsehpublikum vor allem als Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern an der Seite von Axel Prahl und Jan Josef Liefers im Tatort aus Münster.

Gereizt hat sie auch, dass es ihre erste Hauptrolle ist, die sie durchgängig über mehrere Folgen spielen kann. Ob damit nicht eine große Verantwortung auf ihr lastet? Immerhin hatte die ARD mit ihrer Reihe „Heiter bis tödlich“ bisher wenig Glück. Das „Hauptstadtrevier“ soll die langersehnte Wende bringen. Nein, schlaflose Nächte habe sie deshalb nicht, sie gebe als Schauspielerin ihr Bestes. Was dann später aus dem Film werde, liege nicht in ihren Händen. „Da gebe ich einen Teil der Verantwortung ab.“

Die erste Folge des „Hauptstadtreviers“ beginnt damit, dass Julia Klug in einem Kiosk Räuber mit Hilfe einer Babywindel überwältigt. Ein gewagter Auftakt für eine Serie, die die Zuschauer ja nicht nur amüsieren, sondern auch fesseln soll. Friederike Kempter glaubt, dass das in diesem Fall funktioniert. Die Comedy-Elemente seien nicht Schwerpunkt im „Hauptstadtrevier“, sie sieht das Ganze eher als Krimi- und Familienserie, die ihre Geschichten mit einem Augenzwinkern erzählt.

Kempter mit Matthias Klimsa
Kempter mit Matthias Klimsa
Foto: dpa

Friederike Kempter wollte von klein auf Schauspielerin werden. Die Umstände, wie sie es dann wurde, darf man dann aber eher zufällig nennen. Kaum hatte sie 1999 das Abitur in der Tasche, wurde sie für den Film entdeckt. Im Jahr 2000 gab sie ihr Debüt in „Zwei vom Blitz getroffen“ an der Seite von Mariele Millowitsch. Erst später absolvierte sie eine Ausbildung an der Schauspielschule „Der Kreis“ in Berlin. Einem größeren Publikum bekannt wurde sie durch ihre Rolle als Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern im Münsteraner „Tatort“. Am Sonntag zeigt die ARD eine neue Folge mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers als Kempters Vorgesetzte.

Keine Mutter Theresa der Schauspielkunst

Im „Tatort“ erhielt Friederike Kempter gewissermaßen den Schliff im Kriminal-Fach. Ihr Comedy-Coaching oder, wie sie selbst sagt, ihre „zweite Ausbildung“ bekommt sie seit 2008 in der Sat.1-Sketchshow „Ladykracher“ von und mit Anke Engelke, die Kempter einst ihre Lehrerin und ihr großes Vorbild nannte. An dem Format gefalle ihr, sagt sie, dass es die Sorgen und Nöte der Zuschauer auf komische Art sehr ernst nehme. „Ich lache mich nicht gerade tot, während ich das spiele.“

Richtig Gefallen an der Arbeit für Film und Fernsehen hat sie, die immer auf die Bühne wollte, erst nach und nach gefunden. Deshalb hat sie, als sich dort nichts ergab, auch eine Zeit lang Geschichte und Politik studiert. Journalistin wäre vielleicht eine Alternative zur Schauspielkunst gewesen. Vielleicht mag sie es deswegen, wenn Filme eine gesellschaftliche Entwicklung widerspiegeln, auch wenn sie sagt, dass es ihr darum nicht vorrangig gehe. „Ganz ehrlich, ich bin nicht die Mutter Theresa der Schauspielkunst. In erster Linie spiele und unterhalte ich gern.“

Gemerkt hat sie in den zurückliegenden Jahren, dass sich Rollen, die ihr vordergründig vielversprechend erscheinen, als das Gegenteil entpuppen können. Umgekehrt erlebt sie, wie andere, die auf den ersten Blick nicht so interessant wirken, ihr wahres Potenzial dann aber im Tun entfalten. Viel hänge natürlich vom Regisseur und dem Team ab. Dominik Graf sei ein Künstler, den sie großartig findet und mit dem sie gern einmal arbeiten würde.

Aber erst einmal muss sie wieder gesund werden, und dann stiefelt sie weiter als Julia Klug durch das hektische, pulsierende, farbige, multikulturelle Berlin – Kampfeinlagen inklusive.

Heiter bis tödlich – Hauptstadtrevier, 18.50 Uhr, ARD

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