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25. Mai 2013

Tatort: Spiel auf Zeit: Julia Bootz liebt einen anderen!

 Von Judith von Sternburg
Sebastian Bootz (Felix Klare) hat etwas entdeckt.  Foto: SWR

Mehrere Knüller und ein katerhafter Gangster im schönen neuen SWR-„Tatort“ aus Stuttgart: Regisseur Roland Suso Richter lässt sich auf den kuriosen Kontrast von wilder Jagd und Gejammer ein.

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"Spiel auf Zeit" ist ein abgeklärter, nicht zu anstrengender Actionfilm. Er erzählt von einem so kompliziert eingefädelten Raubüberfall, dass es Spaß macht, wenn der große Moment in Nullkommanix in ein Geballer ausartet. Das hängt auch damit zusammen, dass die Zeit fast um ist und für Wesentlicheres gebraucht wurde. Julia Bootz hat sich in einen anderen verliebt. Sie will die Scheidung, wie sie ihrem Mann rasch in einem Café mitteilt (aber er muss was bestellen, da kennt die freundliche Stuttgarter Bedienung kein Pardon). Das ist hart. Julia Bootz war aber auch schon immer eine Schwierige.

Selbst, wer der Meinung ist, dass Kommissare ihre Privatprobleme nicht sonntagabends bei der Arbeit klären sollen, wird hoffentlich zu schätzen wissen, wie genüsslich und doch lapidar das in Szene gesetzt wird. Wie überzeugend Felix Klare den Durchschnittsehemann vor den Trümmern seines Lebens spielt – abwechselnd betäubt, erstaunt, gestresst und schäumend – und wie unterhaltsam das alles in den Gesamtzusammenhang eingeflochten wird. Zudem weiß Bootz noch gar nicht alles!

Die Dialoge im Drehbuch von Lannert-und-Bootz-Erfinder Holger-Karsten Schmid treffen den Ton zwischen Leichtfertigkeit und Schwermut. Und auch den des lustig rauen Umgangs, den drei durchaus sorgenvolle Männer im Auto pflegen mögen. Denn das Spielfeld betritt erneut Erzverbrecher Viktor de Man (Filip Peeters, wieder funkelnd vor krimineller Energie und katerhaftem Wohlbehagen) aus Folge 3, „Tödliche Tarnung“ von 2009. Damals leuchtete Schmid in die Abgründe der Vergangenheit von Lannert (Richy Müller), der einst gegen den Mann verdeckt ermittelt hatte. Nun sitzt der Gentleman-Ganove hinter Gittern – bei ihm muss man diesen altmodischen Begriff wählen – und weiß was, was die Polizei wissen will. Hussa, wie kostet er das aus. In Handschellen darf er die beiden Ermittler begleiten. Das ist eine klassische Situation, aber neu und gewitzt zusammengesetzt, und Regisseur Roland Suso Richter lässt sich ein auf den kuriosen Kontrast von wilder Jagd und Gejammer.

Ob in einer Zeit globaler Millionenraubaktionen via Netz der Diebstahl von Gelddruckplatten noch der Knüller ist, steht dahin. Dafür gibt es richtig schöne Details. Beachten Sie beispielsweise das Gekeife der Staatsanwältin (keine Sorge, nicht die wieder angenehm noble Frau Álvarez) aus dem Off.

Tatort: Spiel auf Zeit, ARD, So., 20.15 Uhr

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