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TV-Krimi
Kritiken und News rund um den Tatort und weitere Krimireihen

23. Dezember 2012

Tatort in Frankfurt: Duzen kommt nicht infrage

 Von Sylvia Staude
Dreharbeiten zum neuen Tatort "Im Namen des Vaters" in einer Kneipe. Foto: Chris Hartung

Das Frankfurter „Tatort“-Duo ermittelt im Bahnhofsviertel: Nina Kunzendorf ermittelt das vorletzte Mal am Main. Gerüchten nach ist die TV-Kommissarin mit ihrer Rolle unzufrieden. Trotzdem dürfen sich die Zuschauer auf den heutigen Tatort freuen.

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Schon zählt man rückwärts, durchaus betrübt: Nach „Im Namen des Vaters“ wird es nur noch einen, den (erst! nur!) fünften Frankfurt-„Tatort“ mit Nina Kunzendorf als Conny Mey geben. Die Schauspielerin, so hieß es offiziell, habe zu viel anderes zu tun.

Inoffiziell konnte man lesen, sie soll sich eine introvertierte, intellektuelle Ermittlerfigur gewünscht haben, stattdessen muss sie die po-wackelnde, Cowboystiefel tragende Derbe, Unkomplizierte geben. Motto: erst anschnauzen, dann fragen.

Aber wie wunderbar sie das doch macht. Mit Küsschen links, Küsschen rechts und freudigem „Du“ begrüßt sie nach einer Silvesterfeier den Kollegen Steier – aber Joachim Król ist einfach der mit dem introvertierten Part, man könnte auch Muffkopp sagen: „Seit wann duzen Sie mich eigentlich“, blafft er. Und nimmt das wohl im Suff ausgesprochene Angebot zum „Du“ zurück. Den archetypischen Mann hat er davor schon gegeben, der, leicht verwirrt, nach der Frisur fragt, aber nicht merkt, dass die Haare ab sind. Conny Mey ermittelt also in ihrem vierten Fall mit Kurzhaarfrisur. Aber wie immer ohne Federlesens.

Ein wahrer Fall

Lars Kraume, der nicht nur alle bisherigen Mey-Steier-„Tatorte“ geschrieben, sondern bei allen bis auf einen auch Regie geführt hat, hat einen wahren Fall zugrunde gelegt; aufgeschrieben vom Kriminalkommissar Axel Petermann in „Auf der Spur des Bösen“. Eine im Bahnhofsviertel wohlbekannte Alkoholikerin wird just am Neujahrsmorgen erwürgt gefunden. Ihr derzeitiger Lebensgefährte – als eindrucksvolles österreichisches Urvieh: Paulus Manker – ist nicht gerade als sanftmütig bekannt. Allerdings war er mit zwei Prostituierten im Bett. Die Tote – Anna Böttcher als verlebtes Liebchen – zog oft und lang um die Häuser. Inklusive fremder Betten.

Die Routine der polizeilichen Recherche, sie wird von Lars Kraume zwischendurch per Split Screen abgehakt. Und herrlich auf die Schippe genommen, wenn Frank Steier das Offensichtliche ausspricht, Conny Mey ihn kopfschüttelnd fragt, ob er sie etwa für blöd hält?

Dafür lässt sich der Autor und Regisseur dort Zeit, wo es dem Film Charakter, den Figuren Kontur gibt. Er setzt auf seine starken Schauspieler, auf die Nuanciertheit, zu der sie fähig sind: Vincent Redetzki als verstörter 18-jähriger Sohn der Getöteten, Rainer Bock als korrekter, schlauer Langweiler, Florian Lukas als beunruhigter Pater. Ein Mensch wird in Gewissensnöten gezeigt, ein Mensch in seinem kleinen Einsamkeitselend. Es ist schon Silvester in diesem Weihnachtsfeiertags-Tatort, aber Kraume zeigt nur winzige Feuerwerks-Momente.

Die Menschen feiern in proppevollen Bahnhofsviertel-Kneipen, trinken sich dumm und müde. Und Kommissar Steier macht’s halt allein und heimlich, in seinem Büro – bis ihn Conny Mey aufstöbert. Sie haben sich zu einem Sonntagabend-Dreamteam gemausert – gerade weil Joachim Król ein so stilles, tiefes Wasser, ein solcher Rührt-mich-bloß-nicht-an bleiben darf, gerade weil Nina Kunzendorf das als hemdsärmelige Conny so fidel ignoriert. Gern würde man noch ein paar Filme lang dabei zusehen, wie die beiden sich dann doch nicht duzen.

Tatort: Im Namen des Vaters,26. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

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