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Terror

12. Januar 2015

"Charlie Hebdo": Karikaturisten stellen sich gegen Pegida

Eine Karikatur des französisch-burkinischen Künstlers Damien Glez, mit dem Titel "qu'est-ce qui embete Pegida" ("Was ärgert Pegida am meisten?") und der Sprechblase "Je souffre d'un racisme anti-raciste" ("Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten).  Foto: dpa

Französische Karikaturisten haben sich in einem Flugblatt gegen die islamfeindliche "Pegida" ausgesprochen. Pegida stehe für all das, was die Kollegen von "Charlie Hebdo" durch ihr Werk bekämpft hätten, heißt es. Eine Facebook-Seite ist online.

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Französische und französischsprachige Karikaturisten werfen der Dresdner Pegida-Bewegung vor, die Attentate in Frankreich «auf zynische Art und Weise» auszuschlachten. Auf ihrer zweisprachigen Facebook-Seite, die seit Montagmorgen online ist, fordert die Gruppe «Karikaturisten gegen Pegida» die Dresdner Bürger auf, für Toleranz, Weltoffenheit und gegen Hass und Islamfeindlichkeit einzustehen. «Wir wollen uns gegen eine Vereinnahmung wehren», erklärte ein Sprecher am Montag.

Hyänen und Aasgeier

Die Idee für den Aufruf sei spontan Ende der vergangenen Woche entstanden, nachdem man von den Plänen der Dresdner Pegida-Bewegung gehört habe, wegen der Opfer des «Charlie-Hebdo»-Anschlages mit Trauerflor durch die Straßen zu ziehen. «Es gab sofort viel Zustimmung von verschiedenen Zeichnern an vielen verschiedenen Orten», sagte der Sprecher. Der Aufruf verbreite sich schnell. «Es kommen immer noch neue Karikaturen hinzu.»

Karikatur des französischen Künstlers Jean-Marc Couchet (alias Giemsi), mit dem Titel Recuperation Fasciste ("Vereinnahmung durch Rechtsextreme") und der Sprechblase: "decomplese moins" ("Halt' dich etwas zurück, Jurgen")  Foto: dpa/Jean-Marc Couchet alias Giemsi

Zu den Unterzeichnern der Aufrufs gehört auch der niederländische Karikaturist «Willem» - Gründungsmitglied und Zeichner bei dem französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo». Er überlebte, weil er während des Anschlages im Zug nach Paris saß. Gut ein Dutzend Karikaturen sind mittlerweile online zu sehen.

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«Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren», heißt es in dem Aufruf. Eine der Karikaturen zeigt etwa eine Hyäne und einen Aasgeier, die aus dem Terroranschlag Kapital schlagen wollen. Anhänger der Pegida-Bewegung wollten am Montagabend wieder bundesweit auf die Straße gehen - erstmals nach den Terroranschlägen von Paris.

Bereits am Donnerstag hatten 200 Karikaturisten, Cartoonisten und Comiczeichner aus dem deutschsprachigen Raum ihre Anteilnahme und Solidarität mit der Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» bekundet. (dpa)

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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