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Terror

12. Januar 2015

"Charlie Hebdo": Netanjahu empfiehlt Auswanderung

 Von 
Benjamin Netanjahu empfiehlt allen Juden eine Auswanderung nach Israel.  Foto: REUTERS

Der israelische Präsident Netanjahu empfiehlt den französischen Juden eine Auswanderung nach Israel. Immer mehr Juden verlassen Europa für immer - Juden mit französischem Pass machen die größte Gruppe unter den 26.500 Einwanderern aus.

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Jerusalem –  

Nach den islamistischen Anschlägen von Paris rechnet Israel mit einer verstärkten Einwanderungswelle französischer Juden. Premier Benjamin Netanjahu richtete jetzt den ausdrücklichen Appell an sie und andere europäische Juden, nun „Alija“ zu machen – den Aufstieg in den jüdischen Staat. „Israel ist nicht nur das Land, wohin ihr eure Gebete richtet, Israel ist auch eure Heimat“, betonte Netanjahu. „Jeder Jude wird bei uns mit offenen Armen empfangen.“

Schon in den vergangenen Jahren sind die Einwandererzahlen aus Frankreich rapide gewachsen. Fast 7000 französische Juden kamen 2014 nach Israel, rund doppelt so viele wie 2013. Damit liegen sie inzwischen auf Platz eins in der israelischen Einwandererstatistik, vor jüdischen Amerikanern. Juden mit französischem Pass machen die größte Gruppe unter den 26 500 Einwanderern aus, die sich im abgelaufenen Jahr in Jerusalem, Tel Aviv und anderen israelischen Städten niederließen. Als Hauptmotiv wurden neben wirtschaftlichen Aspekten antisemitische Anfeindungen seitens moslemischer Zuwanderer genannt.

Projekt für Sofort-Emigranten

Die für vier Opfer tödliche Geiselnahme vom Freitag in dem koscheren Supermarkt im Osten von Paris dürfte das Gefühl der Bedrohung in der jüdischen Gemeinschaft noch verstärkt haben. Sie zählt in Frankreich eine halbe Million Mitglieder, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Aber sie hat auch horrende, gezielt gegen sie gerichtete Verbrechen erlebt. Bereits 2006, nach dem grausamen Foltermord an Ilan Halimi, stieg die jüdische Emigration aus Frankreich sprunghaft an, ebenso nach dem Attentat von Toulouse 2012, bei dem drei Kinder und der Lehrer einer jüdisch-französischen Schule starben. Auch in den jüdischen Supermarkt war der Geiselnehmer offenbar ganz bewusst eingedrungen. Viele der befragten Juden in Paris äußerten das Gefühl, dass die Ereignisse der letzten Tage das Ende ihrer Zeit in Frankreich markierten, so israelische Journalisten. „Ich habe mich aus Angst drei Tage nicht aus dem Haus getraut und werde das Land bei nächster Gelegenheit verlassen“, zitierte die Zeitung „Yedioth Achronoth“ eine Jüdin aus Sarcelles in Paris.

Französische Juden bekunden ihre Solidarität mit den Opfern der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt.  Foto: dpa

Für so dringliche Ausreisewünsche hat die israelische Kibbuz-Bewegung jetzt ein Aufnahme-Programm für hundert Sofort-Einwanderer aus Frankreich aufgelegt. Weitere 200 Kibbuzim arbeiten daran, Wohnraum und Schnellkurse zum Hebräischlernen  anzubieten. Netanjahu will zudem bald eine Ministerrunde einberufen, um zur Alija zu ermuntern. Moshe Sabag, Rabbiner der Großen Synagoge von Paris, schätzt, wie er dem israelischen Armeesender sagte, dass an die 15 000 französische Juden in diesem Jahr endgültig ihre Koffer packen.

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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