Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Terror

08. Januar 2015

Anschlag auf "Charlie Hebdo": Mörder und Leichenschänder

 Von 
Die ermordeten Journalisten von Charlie Hebdo haben für die Freiheit gelebt.  Foto: dpa

Noch nie sind sich islamistische Terroristen und islamophobe Radikale so nahe gewesen wie in dem Schlachthaus, in das die Mörder das Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo verwandelten. Ein Kommentar.

Drucken per Mail

Für was, für wen haben die ermordeten Journalisten von Charlie Hebdo gelebt? Für die Freiheit, öffentlich nach Belieben ja und nein zu sagen, für den Kampf gegen rechte und linke Ressentiments, für das Recht auf Verspottung religiöser und politischer Autoritäten, also für alle, die keine Gewalt – weder mit der Waffe noch aus Megaphonen – benötigen, denn sie haben einen Kopf, der Hass ratlos macht, der ihre Herzen in Mördergruben verwandelt.

Rechte Leichenschänder

Und für wen, für was sind die Karikaturisten gestorben? Für die NPD, für Pegida, für Alexander Gauland von der AfD, die sich der Mordopfer sogleich bemächtigten, als die Leichen noch warm waren, und sie als Zeugen aufriefen gegen die vermeintliche Islamisierung Europas, als Helfershelfer ihrer menschenfeindlichen Ressentiments in Dienst nahmen und zu Komplizen ihres Hasses erklärten.

Gauland, der Pegida als „natürliche Verbündete“ seiner AfD betrachtet, betrieb öffentliche Leichenschändung, als er wenige Stunden nach den Morden beteuerte: „ All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft.“ So wie natürlich auch die Morde des islamophoben Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch die Islamophobie auf blutige Weise bestätigt haben. Aber die Gefahr droht nicht durch den Islam und auch nicht durch die Islamophobie. Die Gefahr liegt in dem, was die Täter von Paris zu Mördern und moralisch verkrümmte Figuren wie Gauland zu Leichenschändern werden lässt. Es ist ihr Hass auf das Andere, das Fremde – die Freiheit.

Noch nie sind sich islamistische Terroristen und islamophobe Radikale so nahe gewesen wie in dem Schlachthaus, in das die Mörder das Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo verwandelten. Was sie verbindet, ist ihr Hass auf die „Lügenpresse“, dem die  Demonstranten in Dresden Montag für Montag grölend  Ausdruck verleihen – nichts anders trieb die Attentäter an, die versuchten, die Lügenpresse zum Schweigen zu bringen. Eine freie Presse ist die Substanz der Demokratie, freier war und ist sie nicht als in den Redaktionsstuben von Charlie Hebdo. Die Kugeln wurden nicht nur auf Journalisten abgefeuert, sie sollten einen Journalismus zur Strecke bringen, der den Geist der Freiheit gegen alle verteidigt,  deren Denken vom Ressentiment bestimmt wird und ihr Fühlen von Angst und Hass. Das macht sie zur „Lügenpresse“ – für Islamisten ebenso wie für Islamophobe, für rechte und für linke Extremisten, mit anderen Worten: für alle Menschenfeinde. Für alle anderen macht es sie zum Lebenselixier der Demokratie.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Dossier

Paris, Istanbul, Brüssel - der Terror erreicht Europa. Das Dossier.

Anschläge in Paris

Orgie von Gewalt und Tod

Von Kugeln durchlöchert: ein Fenster des Restaurants Carillon.

An den Schauplätzen des islamistischen Terrors kann man im Umkehrschluss erkennen, was es zu verteidigen gilt: die Freiheit, die Vielfalt der Lebensstile, Kunst und Kultur, Geschichte und Tradition. Mehr...

Videonachrichten Terror

Dossier

Flucht und Zuwanderung



Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror, viele sterben auf dem Weg nach Europa. Dort steht die Politik vor Herausforderungen. Wenige protestieren, viele Menschen helfen.

Dossier-Übersicht - alles auf einen Blick
Kommentare und Leitartikel - Meinung der FR
Zuwanderung in Rhein-Main - Lage vor Ort

Anzeige

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

Meinung