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Terror

20. März 2016

Anwalt von Abdeslam: Streit über die Auslieferung von Abdeslam

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Anwalt Sven Mary vertritt den inhaftierten Abdeslam.  Foto: dpa

Sven Mary, der Anwalt von Salah Abdeslam, gilt als angriffslustig. Der französische Generalstaatsanwalt müsse aus seiner Sicht das Verfahren abgeben. In einem anderen medienwirksamen Prozess hatte er mit Angriffen gegen die Ermittler schon einmal Erfolg.

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Der Verteidiger begann sein Mandat mit einer Anklage. Frankreichs Generalstaatsanwalt François Molins habe „das Ermittlungsgeheimnis verletzt“, polterte Sven Mary am Sonntag und forderte, der Mann müsse den Fall abgeben.

Aber so ist Sven Mary (43), der belgische Anwalt des wegen Terrorverdachts angeklagten mutmaßlichen Islamisten Salah Abdeslam. Als Mischung zwischen Aufschneider und Provokateur beschreibt ihn die belgische Zeitung „Le Soir“. Zurückhaltender ausgedrückt ließe sich sagen: Der Mann hat Selbstvertrauen. Er vertraut dem Recht, aber er misstraut dem Staat. Der Kampf gegen den „Missbrauch der Macht“ treibe ihn an, so Mary. Und deshalb kämpft er erst einmal gegen die Auslieferung seines Mandanten nach Frankreich. Denn dort erwarte Salah Abdeslam kein faires Verfahren.

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Die französische Justiz hält Abdeslam für einen wichtigen Hintermann der Pariser Anschläge. Er soll zwei Wagen angemietet haben, die die Attentäter am 13. November nutzten. Auch die Unterkunft nahe Paris habe er besorgt. Und er sei an den Anschlägen beteiligt gewesen. Nur habe er seinen Sprengstoffgürtel weggeworfen und sich in der Nacht nach den Attentaten nach Brüssel abgesetzt. An dem Gürtel fanden sich keine Genspuren Abdeslams, hieß es zuletzt. Abdeslam habe den Gürtel getragen, beharrt Chefankläger Molins.

Mary gefällt die Kontroverse. Er ist eine Art belgische Ausgabe des Münchner Staranwalts Rolf Bossi. Kein Fall ist ihm zu heikel und jede Medienaufmerksamkeit willkommen. Islamisten, Vergewaltiger, Auftragsmörder, Wirtschaftskriminelle: Marys Mandatsliste liest sich wie eine kleine Chronik der belgischen Kriminalitätsgeschichte der vergangenen 20 Jahre. Silvio Aquino galt als Drogenbaron, in Belgiens Presse und auch für die Staatsanwaltschaft; er wurde beim filmreifen Versuch einer Entführung erschossen. Für seinen Anwalt Sven Mary war der Fall klar. „Wer in Gerichtssälen so viel über Vermögen spekuliert, ruft Kriminelle auf den Plan.“ Sven Mary liebt eben die Provokation.

Die Variante mit dem Angriff auf den Chefermittler ist übrigens nicht neu. Mary hat sie in einem in Belgien aufsehenerregenden Prozess um einen Auftragskiller, dem sogenannten Kasteelmoord, schon einmal benutzt. Mit Erfolg. Der Staatsanwalt trat zurück.

Auch Erfahrung in Islamisten-Prozessen hat Mary bereits gesammelt. Er verteidigte Fouad Belkacem, der über das islamistische Netzwerk Sharia4Belgium – Scharia für Belgien – IS-Kämpfer anwarb. „Die Basis meiner Arbeit ist: Respekt vor dem Staat und vor dem Recht. Wer das Recht respektiert, den respektiert auch das Recht“, sagt Sven Mary.

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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