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Terror

29. Dezember 2015

Belgien: Silvesterfeuerwerk in Brüssel abgesagt

Schwer bewaffnet rücken die belgischen Spezialeinheiten in der Rue Antoine Dansaert im Zentrum Brüssels.  Foto: AFP

Die belgischen Behörden verhaften zwei Terrorverdächtige, die einen Anschlag in der Silvesternacht geplant haben sollen. Vier weitere Festgenommene sind wieder auf freiem Fuß. Aus Angst vor einem Anschlag sind das Feuerwerk und andere öffentliche Feierlichkeiten abgesagt.

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Aus Angst vor Anschlägen sind das Silvesterfeuerwerk und alle anderen öffentlichen Neujahrsfeierlichkeiten in Brüssel in letzter Minute abgesagt worden. Auf Grund der Risikoanalyse des Krisenzentrums sei er dazu gezwungen, sagte Bürgermeister Yvan Mayeur am Mittwochabend im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RTBF. Nach Razzien am Sonntag und Montag waren zwei Verdächtige festgenommen worden, die zu Silvester Anschläge an symbolischen Orten Brüssels geplant haben sollen: die Bedrohung wurde als "ernsthaft" eingestuft.

Allein zum Feuerwerk auf dem Platz De Brouckère in der Innenstadt waren mindestens 50.000 Menschen erwartet worden. Doch solche Massenansammlungen seien nicht zu kontrollieren, sagte Mayeur. Gemeinsam mit Innenminister Jan Jambon habe er deswegen die Entscheidung getroffen, "die Feiern am Donnerstagabend nicht zu organisieren".

Die Absage ist ein weiterer Tiefschlag für die belgische Hauptstadt, in der die EU-Institutionen und die Nato ihren Sitz haben. Aus dem Brüsseler Problemviertel Molenbeek waren auch mehrere der Attentäter gekommen, die vor sechs Wochen in Paris 130 Menschen getötet hatten. Nach den Paris-Anschlägen am 13. November hatte in Brüssel mehrere Tage die höchste Terrorwarnstufe gegolten, U-Bahnen fuhren nicht und Schulen blieben geschlossen.

Erst am Mittwoch hatte die Polizei im Zusammenhang mit den Paris-Anschlägen in Molenbeek eine Wohnung durchsucht und einen Menschen zur Vernehmung in Gewahrsam genommen. Die Ermittlungen, die zur Absage des Silvesterfeuerwerks führten, hatten indes keinen unmittelbaren Bezug zu Paris.

Nach den Razzien am Sonntag und Montag im Großraum Brüssel und in Lüttich waren zunächst sechs Menschen vernommen worden, zwei wurden festgenommen. Am Mittwoch verlautete aus Ermittlerkreisen, die beiden Verdächtigen seien Mitglied des Motorradclubs "Kamikaze Riders" aus dem Vorort Anderlecht.

Einer der Festgenommenen wird verdächtigt, als "Anführer einer terroristischen Gruppe" Extremisten für geplante "terroristische Aktivitäten" angeworben zu haben. Dem zweiten Festgenommenen wird die Beteiligung "an den Aktivitäten einer Terrorgruppe" vorgeworfen. Am Donnerstagvormittag sollen sie vor dem Richter erscheinen, der über eine Anklage befindet.

Roter Platz gesperrt


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In der russischen Hauptstadt Moskau wollen die Behörden den Zugang zur größten Silvesterfeier auf dem Roten Platz sperren. Laut offizieller Begründung soll dort ab Mitternacht eine Fernseh-Liveshow stattfinden, Zugang gebe es nur mit speziellen Eintrittskarten. Für gewöhnlich begrüßen bis zu 100 000 Menschen auf dem Roten Platz das neue Jahr.

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Die Mitteilung über die Sperrung kam vom Sicherheitschef der Stadt Moskau, Alexej Majorow, so dass Sicherheitsgründe für die Entscheidung naheliegen. Russland geht wegen seines militärischen Eingreifens in Syrien und wegen der Anschläge von Paris von einer erhöhten Terrorgefahr aus. Zahlreiche radikalisierte Russen haben sich dem „Islamischen Staat“ angeschlossen; vor wenigen Tagen tauchte ein Video auf, in dem ein angeblicher russischer Spion von einem russisch sprechenden IS-Terroristen geköpft worden war.

Die Polizei in der Türkei nahm derweil zwei mutmaßliche Mitglieder der IS-Miliz fest, die womöglich einen Anschlag zu Silvester in Ankara geplant haben. Die beiden Männer seien über Syrien ins Land gekommen. Sie würden verdächtigt, einen Angriff auf dem Kizilay-Platz im Zentrum der Hauptstadt vorbereitet zu haben, sagte der hochrangige Regierungsvertreter am Mittwoch.

In Frankreich herrscht seit den Anschlägen vom 13. November Ausnahmezustand. Am Silvesterabend ist das offizielle Feuerwerk in Paris abgesagt.

In Berlin werden deutlich mehr Polizisten als im vergangenen Jahr die größte Open-Air-Silvesterparty sichern. Mehrere hunderttausend Menschen werden auf der Feiermeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule erwartet. Zwar gibt es nach Polizeiangaben keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen in der Hauptstadt. Es herrsche aber eine hohe abstrakte Gefährdung. 900 Beamte sollen bei der zentralen Feier für Sicherheit sorgen, 150 mehr als vor einem Jahr. Auf dem Gelände selbst sind nach Angaben der Veranstalter erstmals große Taschen und Rucksäcke verboten. Außerdem sollen alle Taschen kontrolliert werden.

„Mit der Gefahr leben“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht davon aus, dass die Terrorgefahr in Deutschland auf absehbare Zeit hoch bleibt. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, die Bürger in Deutschland müssten lernen, dauerhaft mit einer latenten Terrorgefahr wie etwa durch die IS-Terrormiliz umzugehen. „Wir stehen im Fadenkreuz des sogenannten IS als Unterstützer der Front gegen ihn“, sagte der Minister.

„Die Franzosen und die Engländer haben in den vergangenen Jahrzehnten damit leben gelernt; für uns Deutsche rückt diese abstrakte Gefahr eines Terroranschlags erst seit einigen Jahren näher: Auch wir werden lernen müssen, damit zu leben“, sagte Pistorius. Nach den Anschlägen von Paris und der Länderspielabsage in Hannover dürfte jedem klar sein, so der Minister, dass der Terrorismus auch jederzeit in Deutschland stattfinden kann. dpa/afp/rtr

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Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

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