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Terror

23. März 2016

Boko Haram und Al-Kaida: Alarmstufe Rot für Terror in Afrika

Geiselnahme in einem von Europäern frequentierten Hotel in Burkina Faso.  Foto: afp

Al-Shabaab, Boko Haram oder Al-Kaida: In Afrika üben islamistische Terroristen ihre Anschläge an Freitagen aus. An dem Tag versprechen sich Attentäter einen sicheren Platz im Himmel.

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An einem Freitagabend Ende Februar töten Kämpfer der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab 22 Menschen im ostafrikanischen Krisenstaat Somalia. Genau eine Woche zuvor reißen zwei Selbstmordattentäter der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram 18 Menschen im westafrikanischen Kamerun mit sich in den Tod.

Al-Kaida im Islamischen Magreb (AQMI) tötet bei einem Anschlag auf ein Luxushotel in Burkina Faso im Januar 29 Menschen, zwei Monate zuvor töten die Extremisten in einem beliebten Hotel in Mali 21 Menschen. Auch diese beiden Anschläge finden freitags statt. Es gibt unzählige weitere Beispiele.

"Freitag ist der wichtigste Tag in der islamistischen Ideologie", erklärt Ryan Cummings, ein Analyst der südafrikanischen Unternehmensberatung Signal Risk. "Da sich die Terroristen als Märtyrer verstehen, wollen sie an dem von Gott geweihten Tag sterben, um schnellen Zugang zum Himmel zu erhalten."

Muslime glauben, dass Adam an einem Freitag ins Paradies ging. Auch das Jüngste Gericht soll der Religion zufolge an einem Freitag anbrechen. Daher sei Freitag ein "idealer Tag für die spirituelle Vorbereitung" der Täter für Anschläge, insbesondere Selbstmordattentate, so Cummings: "Die Symbolik darf nicht unterschätzt werden."

Elfenbeinküste: Armee-Soldaten patrouillieren am Strand des Badeortes Grand Bassam.  Foto: rtr

Was der Sonntag für Christen, ist der Freitag für Muslime. Auf Arabisch nennen Muslime den Freitag "Dschumu'a", oder Tag des Versammelns. Tausende von Gläubigen strömen dann zum Gemeinschaftsgebet in die Moscheen. Viele besuchen im Anschluss umliegende Märkte für einen Großeinkauf fürs Wochenende. Auch nahegelegene Cafés und Restaurants füllen sich dann mit Gästen. Einwohner sind an solchen Tagen oft entspannter, weniger auf der Hut.

Für Terroristen sind diese Orte sogenannte "soft targets", weiche und damit einfache Ziele, warnt Oladrian Bello, Direktor der Forschungseinrichtung Good Governance Africa. Anschläge auf öffentliche Plätze und Gebäude bedeuten hohe Opferzahlen. Und je höher die Zahl der Toten, desto größer der Sieg in den Augen der Terroristen.

"Je mehr Menschen betroffen sind, desto größer die weltweite Aufmerksamkeit, auf politischer Ebene sowie in internationalen Medien", erklärt Bello. Terroristen wollten ganz bewusst Angst und Chaos schüren, um die Kompetenz von Regierungen in Frage zu stellen und so an Macht und Einfluss zu gewinnen.

"Wir haben keine Angst vor euch" - Menschen in der Elfenbeinküste nach dem Anschlag der Terrormiliz Al-Kaida.  Foto: AFP

Diese Strategie des Terrors wird von islamistischen Terrorgruppen quer durch Afrika verfolgt. So führen die sunnitischen Fundamentalisten der Boko Haram ihre blutigsten Anschläge in Nigeria sowie den angrenzenden Gebieten in Kamerun, Niger und Tschad an Freitagen aus. Auch AQMI, die vor allem in Mali, Marokko, Tunesien und Algerien aktiv ist, kann eine Liste von Freitags-Anschlägen vorweisen. Ebenso ist für die Al-Shabaab Miliz, die Somalia sowie Kenia terrorisiert, der Freitag ein Schlüsseltag für Anschläge.

"Man muss sich im Klaren darüber sein, dass die unterschiedlichen Terrorgruppen miteinander konkurrieren", erklärt Andre Colling, Sicherheitsexperte der südafrikanischen Krisenmanagement Firma Red24. "Sie wollen mit erfolgreichen Anschlägen neue Rekruten anlocken".

Daher habe Red24 für Kunden, die in Ländern mit hoher Terrorgefahr tätig sind, eine wichtige Faustregel, so Colling: "Freitags so wenig wie möglich bewegen". (dpa)

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Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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