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Terror

18. Januar 2015

Charlie Hebdo: Blutige Proteste in Afrika

 Von 
Protest in der nigrischen Hauptstadt Niamey. Auf dem Plakat des Mannes steht: „Charlie und seine Verbündeten sollen verdammt sein.“  Foto: REUTERS

In vielen islamischen Staaten Afrikas protestieren Zigtausende gegen die jüngste Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“. In Niger sterben mindestens zehn Menschen. Staatspräsident Mahamadou Issoufou verurteilt die Gewalt: „Vom Islam haben sie nichts verstanden“.

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In vielen islamischen Staaten Afrikas haben am Wochenende Zigtausende gegen die jüngste Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ protestiert. Dabei kam es in mehreren Staaten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die im westafrikanischen Niger mindestens zehn Menschenleben kosteten. Die sonst nur in einer Auflage von 60 000 Exemplaren gedruckte Zeitung war in der vergangenen Woche mit sieben Millionen auch in Afrika zum Verkauf angebotenen Exemplaren erschienen. Auf dem Titel zeigt sie unter der Überschrift „Alles ist vergeben!“ den Propheten Mohammed mit einem Schild „Je suis Charlie“.

Während die Proteste etwa im Sudan, in Somalia, Mauretanien, Mali und im Senegal weitgehend friedlich verliefen, kam es im überwiegend muslimischen Niger zu schweren Übergriffen. Schwerpunkt der Auseinandersetzungen war bereits am Freitag Zinder, die zweitgrößte Stadt des Landes, wo nach dem Freitagsgebet Hunderte teils mit Pfeil und Bogen Bewaffnete durch die Straßen zogen und Kirchen, Häuser christlicher Bewohner sowie das französische Kulturzentrum angriffen. Mindestens drei Kirchen wurden niedergebrannt, in einem zerstörten katholischen Gotteshaus fand die Feuerwehr am nächsten Morgen eine verkohlte Leiche. Neben drei weiteren Zivilisten kam in Zinder auch ein Polizist ums Leben, mindestens 45 Menschen wurden verletzt.

Aufgebrachte Männer schlagen auf ein Auto ein. Laut Polizeiangaben sollen rund 1 000 Demonstranten an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein.  Foto: AFP

Laut Augenzeugen riefen die Demonstranten „Nieder mit Frankreich!“, „Allah ist groß!“ und „Lasst ,Charlie Hebdo‘ in der Hölle schmoren“. Mehrere Personen wurden verhaftet. Anderntags riefen islamische Führer auch in der Hauptstadt Niamey zu Demonstrationen auf, die von der Polizei verboten wurden. Dennoch gingen mehrere Tausend Menschen auf die Straße, errichteten Straßensperren, griffen eine Polizeistation an, setzten zwei Polizeifahrzeuge in Brand, plünderten Geschäfte und zerstörten drei weitere Kirchen.

Übergriffe auf französische Einrichtungen

Zur Zielscheibe wurden außerdem Bars, von Franzosen geführte Hotels sowie Einrichtungen des französischen Mobilfunkkonzerns Orange. Am Samstag kamen fünf Menschen ums Leben: Die meisten davon verbrannten in angezündeten Kirchen oder Bars. „Wir werden alles zerschlagen“, zitierte die Agentur AFP einen Demonstranten. „Wir verteidigen unseren Propheten. Auch wenn wir dabei unser Blut aufs Spiel setzen.“ Unter den Protestierenden sollen sich auch Muslime mit Fahnen der extremistischen nigerianischen Boko-Haram-Sekte befunden haben.

„Ich hatte im Leben noch nie eine derartige Angst“, sagte ein christlicher Automechaniker, der sich in seiner Werkstatt verschanzte, AFP: „Die Regierung muss uns beschützen. Wir haben sonst keine Chance.“ Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein und verhaftete vier islamische Geistliche, die zu den Protesten aufgerufen hatten. Für Sonntag hatte eine Oppositionspartei zu einer Kundgebung aufgerufen, die ebenfalls von der Polizei verboten worden war und mit Tränengas aufgelöst wurde.

Angriffsziele waren vor allem französische Einrichtungen wie diese Bar.  Foto: AFP

Staatspräsident Mahamadou Issoufou geißelte in einer Fernsehansprache die gewalttätigen Demonstranten. „Diejenigen, die Gotteshäuser zerstören und ihre christlichen Mitbürger töten, haben vom Islam nichts verstanden“, sagte der Staatschef. Er verteidigte seine Teilnahme am Solidaritätsmarsch in Paris am vergangenen Wochenende: Damit habe er sein Engagement gegen den Terrorismus und für die Freiheit zum Ausdruck bringen wollen, nicht aber seine Unterstützung der islamfeindlichen „Charlie Hebdo“-Karikaturen.

Auch in Algerien kam es zu Gewalt, nachdem sich am Freitagabend mehrere Tausend Demonstranten auf wichtigen Plätzen in der Hauptstadt Algier versammelt hatten. Die Protestierenden verbrannten französische Flaggen und riefen unter anderem „Die Kouachis sind Märtyrer!“: Die beiden aus Algerien stammenden Islamisten hatten am 7. Januar den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris mit zwölf Toten verübt und wurden später auf der Flucht erschossen.

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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