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Terror

04. Februar 2016

Islamisten : Bericht über Anschlagspläne in Berlin

Auch in Hannover waren Spezialeinheiten der Polizei im Einsatz.  Foto: dpa

Bei mehreren Razzien gegen Islamisten wurde möglicherweise ein Attentat verhindert. Mehrere Medien berichten über einen geplanten Anschlag in Berlin, eine der Spuren führt nach Paris.

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Berlin –  

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben möglicherweise einen Anschlag in Berlin vereitelt. In der Bundeshauptstadt sowie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen durchsuchten am Donnerstag rund 450 Beamte die Wohnungen und Arbeitsstellen von vier mutmaßlichen algerischen Islamisten. Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft stehen sie im Verdacht, eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitet zu haben. Zwei Männer wurden verhaftet, darunter der Hauptverdächtige. Er wird von der algerischen Justiz wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat gesucht. Der Mann war den Ermittlern zufolge mit einem gefälschten syrischen Pass als Flüchtling eingereist.

Es gehe um mögliche Anschlagsplanungen in Berlin, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Es seien Mobiltelefone, Computer und Unterlagen sichergestellt worden. "Wir haben nicht die 'Smoking Gun' gefunden", sagte Steltner. Die beschlagnahmten Unterlagen würden nun ausgewertet, um zu prüfen, ob sich der Verdacht erhärten lasse.

In Berlin wurden nach Angaben der Behörden vier Wohnungen sowie ein Backwarenladen und ein Imbiss durchsucht, in dem zwei der Männer arbeiteten. Der Hauptverdächtige und seine Frau wurden in einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Attendorn wegen der Bitte um Festnahme aus Algerien verhaftet. "Ihnen wird in Algerien zur Last gelegt, Mitglied bei der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu sein", sagte Steltner. Der Polizei zufolge gibt es zudem Hinweise, dass der Hauptverdächtige vom IS in Syrien militärisch ausgebildet wurde. Der Verdächtige in Niedersachsen lebte den Angaben zufolge ebenfalls in einem Flüchtlingsheim.

Unterschiedliche Berichte zu Anschlagsplänen

Wie konkret die mutmaßlichen Vorbereitungen waren, ist noch unklar. Steltner sagte, es sei jetzt der richtige Zeitpunkt für die Razzien gewesen. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, Ziel sei der bei Touristen beliebte ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie gewesen. Die Polizei habe zugegriffen, weil die Männer seit einigen Tagen nicht mehr über ihre Pläne geredet hätten. Die "Bild" berichtete dagegen, der Alexanderplatz sei im Visier gewesen.

Polizisten in Berlin führen einen Verdächtigen ab.  Foto: dpa

Der "Tagesspiegel" berichtete unter Berufung auf ungenannte Sicherheitskreise, führende IS-Mitglieder hätten den Anschlag in Auftrag gegeben. Es handele sich teils um dieselben Drahtzieher wie bei den Attentaten von Paris im November. Der entscheidende Tipp sei von einem ausländischen Geheimdienst gekommen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, ein Anschlag habe nach der bisherigen Einschätzung nicht unmittelbar gedroht.

Der Berliner Polizeisprecher Stefan Redlich sagte, die Verdächtigen seien zwischen 26 und 49 Jahre alt. Nach einem Bericht der Funke-Mediengruppe reiste der Hauptverdächtige aus Attendorn im Herbst nach Bayern ein und wurde dort als Flüchtling registriert.


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Wegen der Karnevalstage sind in vielen deutschen Städten die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren worden. So waren in Köln zur Weiberfastnacht mehr als 2000 Polizisten und damit doppelt so viele im Einsatz wie im Vorjahr. Die "Welt" berichtete unter Berufung auf eine vertrauliche Analyse des Bundeskriminalamts, diesem lägen "derzeit weder Erkenntnisse noch Hinweise vor, die auf eine konkrete Gefährdung der diesjährigen Karnevalsveranstaltungen hindeuten".

Der Berliner Innensenator Frank Henkel erklärte: "Die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibt hoch. Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein." Deshalb sei ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene geboten, vor allem bei möglichen IS-Bezügen. (rtr)

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

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Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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