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Terror

10. Januar 2016

Paris: Die sieben Identitäten des Täters

Der Mann wollte in die Polizeiwache eindringen und wurde erschossen.  Foto: dpa

Der Terrorist, der am 7. Januar eine Pariser Polizeiwache mit einer Sprengstoffgürtel-Attrappe angriff und daraufhin getötet wurde, war als Krimineller bekannt. Sieben Identitäten sind von dem Mann bekannt.

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Der bei einem Angriff auf eine Polizeiwache in Paris erschossene Terrorverdächtige hat als Asylbewerber unter verschiedenen Namen in Deutschland gelebt und war der Polizei als Kleinkrimineller bekannt. „Es sind uns sieben Identitäten bekannt“, sagte der Direktor des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes, Uwe Jacob, am Sonntag in Düsseldorf.

Der Mann, der 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist sein soll und davor fünf Jahre illegal in Frankreich lebte, habe sich als Tunesier, Marokkaner und Georgier ausgegeben. „Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist“, sagte Jacob. Aus französischen Ermittlerkreisen hieß es dagegen, der Tote sei als ein Tunesier namens Tarek Belgacem identifiziert worden.

Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen, berichtete Uwe Jacob am Sonntag weiter. Der Mann habe in Deutschland drei Mal je einen Monat im Gefängnis gesessen und sei wegen Delikten wie Drogenhandel, Körperverletzung und der Belästigung von Frauen auffällig geworden.

Bei Durchsuchungen der Wohnräume des Mannes seien keine Hinweise auf weitere Anschlagspläne entdeckt worden. Es handele sich offenbar um einen Einzeltäter, nichts habe auf ein Netzwerk hingedeutet. Auch der französische Innenministers Bernard Cazeneuve hatte gesagt, dass es sich offenbar um einen Einzeltäter gehandelt habe. Der Mann sei auch schon in Frankreich und Luxemburg wegen verschiedener Delikte festgenommen worden. Er habe zudem Fahnen mit Zeichen des „Islamischen Staats“ angefertigt. In Deutschland habe er Asyl beantragt und eine Aufenthaltserlaubnis der Stadt Recklinghausen erhalten.

Ein Pariser Staatsanwalt hatte am Freitag gesagt, der Angreifer habe eine deutsche Sim-Karte in seinem Mobiltelefon gehabt. Der Mann trug eine Sprengstoffgürtel-Attrappe und wollte mit einem Fleischerbeil bewaffnet in eine Polizeiwache eindringen. Nach Angaben der Ermittler rief er „Allah ist groß“ und trug ein auf Arabisch verfasstes Bekennerschreiben mit der IS-Flagge bei sich.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) zeigte sich bestürzt, dass der Attentäter in einer Asylbewerberunterkunft seiner Stadt gelebt hatte. Er wolle nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden „sehr intensiv daran arbeiten“, dass sich Islamisten nicht „in unseren Einrichtungen verstecken können“, erklärte Tesche. (rtr/dpa/afp)

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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