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Terror

01. März 2016

Terror : Pakistan wagt die Kraftprobe

 Von 
Zehntausende Anhänger Qadris nehmen an seiner Beerdigung am Dienstag teil.  Foto: REUTERS

Mit der Hinrichtung des prominenten Attentäters Mumtaz Qadri setzt Pakistan im Anti-Terror-Kampf ein Zeichen. Zehntausende geben dem Gehängten das letzte Geleit.

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Islamabad –  

Der Leichnam von Mumtaz Qadri war mit roten Rosenblüten bedeckt. Angehörige hatten ihm einen grünen Turban aufgesetzt. Der Hals war sorgfältig bedeckt. Niemand sollte die Spuren des Galgenstricks sehen, mit dem Qadri am Montag in einem Gefängnis der pakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi hingerichtet wurde. Im Jahr 2011 hatte er auf dem beliebten Khosar Market in der Hauptstadt Islamabad den liberalen Gouverneur Salman Taseer mit 28 Schüssen ermordet.

Qadri war der Leibwächter des Politikers. Seine fanatischen Anhänger kürten den Mörder zum Helden, weil der Gouverneur sich vor seiner Ermordung für die Reform der berüchtigten Blasphemiegesetze eingesetzt hatte. Sie sehen die Todesstrafe für jeden vor, der den Koran verunglimpft. Meist werden mit Hilfe des Gesetzes Christen und Angehörige anderer Minderheiten verfolgt. „Unsere Gesetze sagen, dass jeder mit dem Tod bestraft werden muss, der den Koran verunglimpft“, schimpfte ein Teilnehmer der Beerdigung, „stattdessen tötet die Regierung mit Qadri den Mann, der den Blasphemiker Taseer bestraft hat.“

Laut offiziellen Angaben gaben am Dienstag 15 000 Menschen – andere Schätzungen beliefen sich auf 40 000 – Qadri das letzte Geleit – just auf dem Liaquat-Bagh-Platz, der 1951 mit dem Attentat auf Premierminister Liaquat Ali Bagh den ersten politischen Mord Pakistans erlebte und auf dem vor acht Jahren die Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto erschossen wurde.
Demonstranten blockierten wichtige Verkehrsstraßen in der Umgebung von Rawalpindi und der nahe gelegenen Hauptstadt Islamabad. Angehörige der kleinen christlichen Minderheit des Landes wagten sich aus Furcht vor Racheaktionen nicht aus den Slums, in denen sie überwiegend leben. Die Behörden schlossen die Schulen und Universitäten. „Islamabad hat heute geschlossen“, sagte Ashraf Jehangir Qazi, ein früherer pakistanischer Diplomat.

Aber die Absicht der Extremisten, die Hinrichtung in eine Kraftprobe mit Armeechef General Raheel Sharif und der Regierung von Premierminister Nawaz Sharif zu verwandeln, stieß ins Leere. Bereits am Montag erging laut lokalen Journalisten die Anweisung an die Medien des Landes, den massiven, landesweiten Protesten wenig Raum in der Berichterstattung einzuräumen.

"Es ändert sich etwas"

Pakistan exekutierte im vergangenen Jahr in einer Hinrichtungsflut rund 300 der etwa 8000 Todeskandidaten in den Gefängnissen. In nur zwei anderen Ländern der Welt gab es laut Menschenrechtsorganisationen mehr Exekutionen. Unter Pakistans Hingerichteten waren auch Hintermänner der blutigen Attacke auf eine Schule der Streitkräfte in Peshawar, bei der im Dezember 2014 150 Menschen, die meisten Schulkinder, von radikalislamischen Talibanmilizen des Landes massakriert wurden. Qadri war der erste Mörder, der bislang wegen eines Anschlags auf einen zivilen Politiker an den Galgen musste.
„Ich halte nichts von der Todesstrafe“, erklärte in der Finanzmetropole Karachi Kamal Siddiqui, Chefredakteur der Tageszeitung Express Tribune, „doch möglicherweise deutet die Hinrichtung von Qadri darauf hin, dass sich etwas in Pakistan ändert.“

Islamabads Streitkräfte starteten nach dem Schulmassaker von Peshawar eine landesweite Offensive gegen radikalislamische Extremisten. Tausende von Gotteskrieger wurden in das Nachbarland Afghanistan abgedrängt. Das Militär übernahm Terrorverfahren. Erstmals seit Jahrzehnten scheinen Pakistans Sicherheitskräfte bereit, eine Verhandlungslösung im benachbarten Afghanistan zuzulassen.
Inzwischen beschränken sich die meisten Terrorattacken auf die Grenzregion zu Afghanistan. Das Leben in Pakistans Städten hat sich normalisiert, Straßencafés und Teestuben sind wieder voll. Doch auch nach der Hinrichtung von Qadri bleiben Zweifel am Anti-Terror-Kampf.

„Premierminister Sharif will nur an der Macht bleiben. Ob die Streitkräfte ihren Kampf nach der Ablösung von General Sharif im September fortsetzen, müssen wir abwarten“, sagt Ashraf Jehangir Qazi, der Pakistan einst als Botschafter beim Erzfeind Indien vertrat, „die wirkliche Bewährungsprobe steht aus! Die Frage ist, ob die Armee den Mut hat, gegen die Leute in der Roten Moschee vorzugehen.“ Die Hochburg der Extremisten wurde 2007 gestürmt. Inzwischen werben Anhänger der Roten Moschee offen für die Terrorgruppe „Islamischer Staat“.

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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