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Terror

26. März 2016

Terror in Europa: Spaniens Lehren aus den Anschlägen

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Am Madrider Bahnhof Atocha liegen am Jahrestag des Terroranschlags Blumen. (Archivbild)  Foto: REUTERS

Am 11. März 2004 explodieren zehn Bomben in vier Madrider Vorortzügen. Es ist der bisher folgenschwerste islamistische Terroranschlag auf europäischem Boden. Danach koordiniert und intensiviert das Land den Kampf gegen den Terror.

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Es war der bisher folgenschwerste islamistische Terroranschlag auf europäischem Boden. Am Morgen des 11. März 2004 explodierten fast zeitgleich zehn Bomben in vier Madrider Vorortzügen und töteten 191 Menschen. Einige der Attentäter sprengten sich Wochen später in die Luft, als die Polizei ihrem Versteck auf die Spur kam. Andere wurden gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt.

Zweifel blieben: Worin hatte das Sicherheitssystem versagt, um die Gefahr nicht zu erkennen? Es waren die selben Zweifel, die alle Länder nach Attentaten – wie in Belgien – ergreifen. „Spanien hatte ein gutes System“, sagt Carola García-Calvo vom Real Instituo Elcano, „aber es war nicht für diese besondere Gefahr ausgelegt.“

Der spanische Antiterrorkampf konzentrierte sich auf die baskische ETA, die 1968 ihren ersten Mordanschlag verübte und in den folgenden Jahrzehnten mehr als 800 Menschen tötete. Der Kampf gegen die ETA war erfolgreich: Ende 2011 legte die Organisation ihre Waffen nieder. In der Zwischenzeit war in Spanien, wie im Rest der Welt, eine neue Gefahr herangewachsen, der die Sicherheitskräfte weniger Aufmerksamkeit widmeten, als nötig gewesen wäre: der islamistische Terror.

Zahl der Festnahmen stieg

Die Anschläge von 2004 rüttelten Politik und Sicherheitskräfte auf. Zwei Monate nach den Anschlägen wurde das Nationale Antiterroristische Koordinationszentrum (CNCA) gegründet, um das Wissen von Polizei, Guardia Civil, Gefängnisverwaltung und Geheimdienst zu bündeln. „Im CNCA kamen die Informationen zusammen, die schon da waren. Eine Frage der Koordination. Die immer noch besser werden kann“, sagt Garcia-Calvo.

Die erste Festnahme eines Dschihadisten, die zu einer Verurteilung führte, erfolgte 1995 in Barcelona. Bis zu den Attentaten 2004 verhafteten Polizisten rund 100 weitere Verdächtige. Das etwa zwölf Festnahmen jährlich. Mit der Gründung des CNCA wuchs diese Zahl auf 54. Dafür mögen verstärkte dschihadistische Aktivität eine Rolle gespielt haben, zum anderen aber waren die Festnahmen Folge erhöhter Aufmerksamkeit.

Im Januar 2008 verhinderten Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben einen Anschlag auf die Metro von Barcelona. Elf Pakistaner – einer mit spanischem Pass – und ein Inder wurden später verurteilt. „Es hätte ein zweiter 11. März sein können“, schreibt Spaniens bestinformierter Terrorexperte Fernando Reinares.


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In jüngster Zeit hat sich das Gefahrenbild noch einmal gewandelt. Fast alle in Spanien festgenommenen und verurteilten Islamisten waren im Lande lebende Ausländer, zumeist aus Marokko, Pakistan und Algerien. Doch von den seit 2013 festgenommenen Verdächtigen ist rund die Hälfte in Spanien geboren. Fernando Reinares spricht von einem „Ausbruch des einheimischen Dschihadismus“.

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Viele der Verdächtigen stammen aus den spanischen Nordafrikaexklaven Ceuta und Melilla mit hohem moslemischem Bevölkerungsanteil, meist marokkanischer Herkunft. Anders als im Rest Spaniens leben in diesen beiden Städten bereits etliche Moslems der zweiten Generation. Einige von ihnen sind anfällig für die Verlockungen des „Islamischen Staats“.

Um die Gefährder aufzuspüren, setzt Spanien seit einigen Monaten auf die Bürger. Die Initiative „Stop Radicalismos“ bietet eine Website, eine Telefonnummer, eine Mailadresse und eine App, über die Beobachtungen verdächtiger Entwicklungen in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis anonym weitergegeben werden können.

Rund 1000 Hinweise sind seit Dezember bei einer Koordinationsstelle eingegangen. Etwa die Hälfte war brauchbar. Eine Handvoll der Hinweise nennt García-Calvo „kritisch“. Hier griffen die Sicherheitskräfte zu, um mögliche Straftaten zu verhindern. Bei aller Aufmerksamkeit wissen die Spanier: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", ein Bericht des US-Magazins "Newsweek" über die angebliche Schändung des Korans im Gefangenenlager Guantánamo, ein in den USA produziertes Schmäh-Video über Mohammed - die bisherigen Fälle. Eine Zusammenstellung.

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