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Terror

21. März 2016

Terror in Türkei: Erdogan wirft EU Scheinheiligkeit vor

Staatschef Erdogan äußert erneut Vorwürfe gegen die EU.  Foto: AFP

Die Türkei sucht nach dem Anschlag von Istanbul drei IS-Kämpfer mit Attentatsplänen. Parallel wirft der türkische Staatschef Erdogan der EU mit Blick auf PKK "Scheinheiligkeit" vor.

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Zwei Tage nach dem Selbstmordattentat in Istanbul mit vier Toten fahnden türkische Sicherheitskräfte nach drei mutmaßlichen Anhängern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), die offenbar weitere Anschläge begehen wollen. Es handele sich um türkische Staatsbürger, die es auf belebte öffentliche Plätze abgesehen hätten, meldete die Nachrichtenagentur Dogan am Montag. Staatschef Recep Tayyip Erdogan rief in einer Rede zur "Mobilisierung" gegen Extremisten auf und kritisierte die Europäische Union.

Türkische Medien veröffentlichten Fotos der drei gesuchten Extremisten, die laut Dogan im Verdacht stehen, weitere Anschläge zu planen - unter anderem in Istanbul. Ihre Namen wurden mit Haci Ali Durmaz, Savas Yildiz und Yunus Durmaz angegeben. Yildiz hatte zunächst im Verdacht gestanden, den Selbstmordanschlag in Istanbul verübt zu haben. Später nannten die türkischen Behörden aber den Namen Mehmet Öztürk, der nach ihren Angaben ebenfalls IS-Verbindungen gehabt haben soll.

Bei dem Attentat waren am Samstag in einer beliebten Einkaufsstraße Istanbuls vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden. Bei den Todesopfern handelte es sich um drei israelische und einen iranischen Touristen. Die türkische Regierung machte die IS-Miliz für die Tat verantwortlich. Innenminister Efkan Ala sprach von insgesamt fünf Festnahmen. Im Januar waren bei einem Selbstmordanschlag in Istanbul zwölf Deutsche getötet worden.

Erdogan äußerte sich am Montag in der türkischen Metropole. Mit Blick auf die IS-Miliz und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sagte er in einer Rede, sein Land sei derzeit mit "einer der größten Terrorismuswellen seiner Geschichte konfrontiert". "Wir werden diese Organisationen mit den härtesten Mitteln bekämpfen", kündigte er an. Das türkische Volk rief er zur "Mobilisierung" auf.

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Die PKK wird von der Türkei und ihren westlichen Verbündeten als Terrororganisation eingestuft. Türkische Sicherheitskräfte gehen seit Monaten gewaltsam gegen die Organisation vor. Angesichts von Kritik daran warf Erdogan der EU am Montag "Scheinheiligkeit" vor.

Er zweifele an der "Aufrichtigkeit" der EU, "wenn die Terrororganisation in Brüssel vor der Ratsgebäude ein Zelt errichten darf", sagte der Staatschef in Istanbul. Kurdenaktivisten hatten in der belgischen Hauptstadt während des EU-Türkei-Gipfels in der vergangenen Woche gegen die Politik Ankaras protestiert.

Zu einem Anschlag in Ankara vor gut einer Woche, bei dem 35 Menschen getötet wurden, bekannte sich die radikale Kurdengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Nach Einschätzung der türkischen Sicherheitskräfte ist die Gruppe eine Unterorganisation der PKK, diese distanzierte sich allerdings von der TAK. (afp)

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Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

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