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Terror

10. Januar 2016

Vereitelter Anschlag in Paris: Angreifer von Paris war Polizei bekannt

Unterschlupf: Nach Angaben der Polizei soll der am Donnerstag beim Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann in einem Flüchtlingsheim in Recklinghausen gelebt haben. Ebenfalls soll er schon mehrfach inhaftiert gewesen sein.  Foto: dpa

Der bei einem Angriff auf eine Polizeistation in Paris erschossene Terrorverdächtige war offenbar für die deutsche Polizei kein Unbekannter. Der Mann soll schon in mehreren deutschen Gefängnissen inhaftiert gewesen sein.

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Recklinghausen/Paris –  

Der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten erschossene mutmaßliche Islamist hat bis vor kurzem in einem Asylbewerberheim in Recklinghausen gewohnt und war hierzulande sogar schon inhaftiert. Der mehrfach straffällige Mann spielte den Behörden in mehreren europäischen Ländern mindestens sieben verschiedene Identitäten vor und verbüßte im August eine einmonatige Freiheitsstrafe in Nordrhein-Westfalen, wie der Chef des Landeskriminalamts, Uwe Jacob, am Sonntag berichtete.

Gegen ihn wurde seit Mai 2014 unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel, Diebstahl und Körperverletzung ermittelt. In seinen Räumen hatte er laut LKA zudem zwei selbstgemalte Zeichnungen von Flaggen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angebracht.
Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo», an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte «Allah ist groß» gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.

Der 20- bis 22 Jahre alte Mann war nach Angaben der Ausländerbehörde von Recklinghausen im Januar 2014 in die Ruhrgebietsstadt bekommen. Seitdem lief das Asylverfahren.

Laut LKA reiste der Angreifer 2013 zum ersten Mal nach Deutschland ein und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. «Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist.»

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte im ZDF, der Mann sei seit 2011 in Europa umhergereist und habe «überall» Asylanträge gestellt. Wenn Abschiebungen anstanden, sei er abgetaucht.

Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der sich radikalisiert habe. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe. Es hätten sich auch keine Hinweise auf weitere Anschlagspläne ergeben.

Das Strafverfahren gegen den Mann in Bezug auf die IS-Fahnen sei wieder eingestellt worden. «Wenn jemand zwei IS-Fahnen gezeichnet hat, heißt das nicht, dass wir ihn rund um die Uhr bewachen können», sagte Jacob auf die Frage, ob die Behörden Fehler gemacht hätten.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) sagte am Sonntagabend, die Kommune habe keine Anzeichen gehabt, dass der als Georgier gemeldete Mann einen Angriff plante. Von den LKA-Ermittlungen sei er überrascht worden. Der Fall mache einmal mehr deutlich, dass das Asylverfahren Schwächen aufweise.

Schon 2014 war der Angreifer vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt worden. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen angegrapscht haben. Der Mann sei einmal auch in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve soll sich der Mann auch in der Schweiz und Luxemburg aufgehalten haben. Ermittler fanden bei dem Erschossenen ein Bekenntnis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und in seinem Handy eine deutsche Sim-Karte.

Nach französischen Angaben wurden bei dem Erschossenen ein Zettel gefunden, der ihn als Tarek Belgacem auswies. Das LKA gab dagegen den Namen Salim Benghalem an. Ein Dschihadist unter diesem Namen sei am selben Tag in Abwesenheit von einem französischen Strafgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. (dpa)

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Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Hintergrund

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar. Es veröffentlichte 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Anschließend verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

Autoren und Zeichner scheren sich wenig um politische Korrektheit in ihren Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Zeittafel

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