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Islamischer Staat (IS, Isis)
Islamischer Staat (IS) oder Isis (Islamischer Staat im Irak und Syrien) nennt sich jene Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt.

21. Oktober 2014

Ägypten und Sudan: Gemeinsam gegen die Islamisten

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In Libyen hat die Regierung die Situation längst nicht mehr unter Kontrolle.  Foto: AFP

Ägypten und Sudan verbünden sich und unterstützen Al-Thinnis Regierung in konfliktbeladenen Libyen. Dort spitzt sich der Konflikt weiter zu. In Bengasi und auch im Westen des Landes kommt es zu heftigen Kämpfen.

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Seit längerem bereits unterstützt die ägyptische Regierung unter Präsident Abdelfattah al-Sisi den Kampf der libyschen Regierung unter Premierminister Abdullah al-Thinni gegen die islamischen Milizen und ihre Verbündeten aus Misrata. Nun ist es Al-Sisi gelungen, auch die sudanesische Regierung als Verbündeten zu gewinnen. In einer gemeinsamen Erklärung am Ende eines Staatsbesuches des sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir in Kairo erklärten beide Präsidenten, dass sie in Zukunft gemeinsam die libysche Regierung und die Armee unterstützen werden.

Diese Allianz ist bemerkenswert, da Bashir jahrelang einer islamistischen Regierung im Sudan vorgestanden hat und bisher vermutet wurde, dass er islamistische Kräfte in Ägypten und in Libyen unterstützt. In der gemeinsamen Erklärung stellt er sich eindeutig gegen diese Kräfte. Wie genau das gemeinsame Vorgehen in Libyen aussehen wird und ob Khartum die libysche Regierung unter Al-Thinni auch durch Waffen oder militärisches Eingreifen unterstützen wird, blieb unklar.

In Libyen spitzt sich der Konflikt weiter zu. In Bengasi und auch im Westen des Landes kommt es zu heftigen Kämpfen. Auf der einen Seite stehen islamistische Milizen mit ihren Verbündeten aus Misrata, die derzeit die Hauptstadt Tripoli und auch weite Teile des Landes unter ihrer Kontrolle haben, und auf der anderen Seite Khalifa Hafter, der unter seiner „Operation Würde“ Teile der ehemaligen libyschen Armee sowie die Stämme von Zintan und Warfalla vereinigt hat.

Ruf nach Unterstützung erhört

Vergangene Woche hat er die Libyer dazu aufgerufen, sich gegen die islamistischen Milizen zu erheben und geht seitdem massiv gegen Stellungen der Milizen in Bengasi vor. Parallel dazu haben Zintan-Kämpfer mit dem Marsch auf die Hauptstadt begonnen. Die Regierung unter Al-Thinni, die aus den Parlamentswahlen im Juli hervorgegangen ist, die aber von den islamistischen Milizen aus Tripoli vertrieben wurde und ihren Sitz in den Osten des Landes verlegen musste, hat sich inzwischen mit Hafter zusammengetan. Dies ist eine erstaunliche Entwicklung. Als Hafter im Mai seine „Operation Würde“ ins Leben rief und gegen die Islamisten mobilisierte, sprach Al-Thinni noch von einem Putschversuch. Nun hat ihn wohl seine aussichtslose Lage dazu gebracht, Hafters Angebote der Zusammenarbeit anzunehmen. Al-Thinni wird zwar international als legitimer Vertreter des libyschen Volkes anerkannt, allerdings fehlt ihm die militärische Stärke, sein Land auch tatsächlich zu regieren. Wiederholt hat er sich ans Ausland gewandt und um Unterstützung gebeten. Sein Ruf wurde nur von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten erhört.

Libyens Staatsoberhaupt Abdullah al-Thinni fehlt die militärische Stärke; er hat schon vermehrt das Ausland um Hilfe gebeten.  Foto: AFP

Die Eskalation der Gewalt wird im Ausland mit Sorge beobachtet. Am Samstag forderten fünf Nato-Staaten, unter ihnen die Bundesrepublik, alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Es wurde betont, dass „der Kampf gegen terroristische Gruppen dauerhaft erfolgreich nur von der Armee unter Kontrolle der Zentralregierung“ geführt werden könne.

Al-Thinni reagierte prompt: Es sei keinesfalls so, dass seine Regierung auf die Hilfe von Milizen setze, um gegen die Rivalen in Tripolis zu kämpfen. „Alle militärischen Einheiten stehen unter der Kontrolle der Regierung und des Parlaments“, sagte er.

Dies führte zu satirischen Kommentaren in libyschen Internetforen. Ist doch zunehmend fraglich, wer hier wem Befehle erteilt. Womöglich ist der Putsch, vor dem Al-Thinni im Mai warnte, inzwischen erfolgt.

Klar ist jedenfalls, dass Hafter über sehr viel mehr Macht verfügt als Al-Thinni. Sollte es ihm nun tatsächlich gelingen, die Islamisten aus Tripolis zu vertreiben, wird er sich wohl nicht mit der Rolle des Armeechefs zufriedengeben. Drei Jahre nach dem Tod von Kolonel Gaddafi bereitet der nächste Militärführer die Machtübernahme vor.

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Islamischer Staat (IS) nennt sich jene islamische Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt. Gelegentlich auch Isis - die Abkürzung für "Islamischer Staat im Irak und Syrien". In Deutschland ist die Organisation seit kurzem verboten.

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