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Islamischer Staat (IS, Isis)
Islamischer Staat (IS) oder Isis (Islamischer Staat im Irak und Syrien) nennt sich jene Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt.

05. Oktober 2014

IS-Terror: Taliban unterstützen den IS

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Die IS-Fahne weht im nordirakischen Kirkuk.  Foto: REUTERS

Pakistans Gotteskrieger wenden sich immer stärker von Al-Kaida ab. Die Terrorgruppe IS setzt ihren Siegeszug bei Asiens Extremisten fort. Über Umwege reisen Kämpfer aus Afghanistan und Pakistan nach Syrien.

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Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) setzt ihren Siegeszug bei Asiens Extremisten fort. Just zum islamischen Opferfest verkündete Maulana Fazlullah, Chef von Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP): „Wir unterstützen euch. Wir werden Gotteskrieger schicken und auch jede andere Unterstützung gewähren.“

Wenige Monate vor dem Abzug westlicher Kampftruppen aus Afghanistan bestätigen sich damit Befürchtungen, dass die Erfolge von IS in Syrien und im Nahen Osten Südasiens Extremisten zusätzlich radikalisieren könnten. „Es ist eine extrem gefährliche Entwicklung“, erklärte ein afghanischer Diplomat im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, „die Anfänge der Talibanmilizen Mitte der 90er Jahre mit ihren brutalen Methoden haben gezeigt, wie groß die Gemeinsamkeiten sind.“

Mullah Omar, der „Führer aller Gläubigen“, der nicht nur über die afghanischen Taliban das Sagen hat, sondern formell auch über den pakistanischen Ableger und dessen Organisation seit Ende der 90er Jahre mit Al-Kaida verbündet ist, scheint allerdings von Fazlullahs Schulterschluss mit dem IS überrascht worden zu sein. In seiner traditionellen Botschaft zum Opferfest ruft er Gotteskrieger in aller Welt zur Einheit auf, erwähnt aber weder die neueste Entwicklung noch IS und dessen Traum vom Kalifat.

Der gegenwärtige pakistanische TTP-Chef Fazlullah bereitet Pakistans Regierung bereits seit langem Probleme. Im Jahr 2002 besetzte er mit etwa 4500 Kämpfern das malerische Swat-Tal zwischen der Hauptstadt Islamabad und der Grenzstadt Peschawar. Er ist maßgeblich für den Kampf der Talibanmilizen gegen Polioimpfungen verantwortlich. Seit Fazlullah, der sich vor mehreren Jahren wegen regelmäßiger Botschaften aus dem Untergrund mittels einer illegalen Rundfunkstation den Spitznamen „Radio Mullah“ einhandelte, im Jahr 2013 die Führung der pakistanischen Taliban übernahm, ist er in der afghanischen Provinz Kunar untergetaucht und attackiert von dort immer wieder Islamabads Grenzposten.

Sponsoren wenden sich von Al Kaida ab

Afghanistan und Pakistan waren bislang zwar nicht die wichtigste Rekrutierungsregion für den Konflikt in Syrien und dem Irak. Aber auf dem Umweg über den Iran reisten Hunderte von Hazara-Kämpfern aus beiden Ländern in die Konfliktregion, um schiitische Heiligtümer gegen die sunnitischen IS-Milizen zu verteidigen. Geheimdienste schätzten Anfang 2014, dass außerdem 1000 bis 1500 sunnitische Talibankämpfer vom Hindukusch und Indus zum Heiligen Krieg in den Nahen Osten gewechselt waren. Fazlullah bestätigte diese Zahl in seiner Botschaft und kündigte an: „Wir werden noch viele Kämpfer zu euch schicken.“

Seine Abkehr vom afghanischen Führer Mullah Omar und den verbliebenen Resten um Al-Kaida im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sowie seine neue Liebe zum IS dürfte freilich neben ideologischen auch handfeste praktische Gründe besitzen. Seit nach dem Tod von Osama bin Laden der Stern von Al-Kaida am Terrorhimmel verblasste, verkümmerten auch die Geldströme. Von Indonesien bis zum Golf von Arabien sammeln IS-Anhänger längst mehr Geld ein als ihre Konkurrenten. Die reichen Sponsoren in der islamischen Welt, die seit Jahren aus religiösen und wirtschaftlichen Motiven Terrorgruppen finanzieren, wenden sich ebenfalls zunehmend von den Taliban ab und der Terrortruppe „Islamischer Staat“ zu.

In der pakistanischen Stadt Peschawar tauchten bereits vor Wochen Flugblätter auf, auf denen für die Sache des bis nach Südasien reichenden islamischen Kalifats unter IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi warben.

Mullah Omar, der bislang unumstrittene „Führer der Gläubigen“, macht sich im Vergleich zu dem IS-Oberhaupt wie ein kleiner Provinzchef aus. Er strebte bislang ein Islamisches Emirat am Hindukusch an, sieht die Taliban mehr als lokale denn als pan-islamische Bewegung und betonte in seiner jüngsten Botschaft: „Wir streben nicht die alleinige Macht an.“ Die radikalsten seiner extremistischen Gefolgsleute werden solche Sätze allenfalls stirnrunzelnd zur Kenntnis genommen haben.

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Islamischer Staat (IS) nennt sich jene islamische Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt. Gelegentlich auch Isis - die Abkürzung für "Islamischer Staat im Irak und Syrien". In Deutschland ist die Organisation seit kurzem verboten.

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