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Islamischer Staat (IS, Isis)
Islamischer Staat (IS) oder Isis (Islamischer Staat im Irak und Syrien) nennt sich jene Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt.

03. November 2014

Islamischer Staat IS: Noch mehr Blut zu Aschura

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Eines der Rituale zu Aschura ist die Selbstgeißelung - bis aufs Blut.  Foto: AFP

IS-Terroristen erschießen 322 Mitglieder eines sunnitischen Stammes. Nur langsam formiert sich eine Allianz gegen den Terror des "Islamischen Staates".

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Eigentlich sollte dies ein Feiertag sein: Am Dienstag nähert sich das schiitische Trauerfest Aschura seinem Höhepunkt. Allerdings zögern in diesem Jahr viele irakische Gläubige, zu ihren heiligen Stätten zu pilgern und die Moscheen von Nadschaf und Kerbala aufzusuchen: Angriffe auf die Pilger sind so gut wie sicher.

Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren Anschläge gegeben und auch in diesem Jahr drohen die Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS) mit Gewalt. In den Augen der radikalen Sunniten vom IS sind Schiiten fehlgeleitete Muslime, die es zu bekämpfen gilt. Seit im Frühsommer der IS seinen Eroberungszug im Norden des Irak begann und weite Teile des Landes besetzte, haben die Kämpfer aber auch immer wieder bewiesen, dass sich ihr Hass nicht nur gegen Andersgläubige richtet: Am Sonntag wurde bekannt, dass just 322 Mitglieder eines sunnitischen Stammes in der Anbar-Provinz von IS-Kämpfern hingerichtet wurden. Die Getöteten, unter ihnen auch Frauen und Kinder, stammen aus der Ortschaft Hit, nordwestlich von Bagdad. Nachdem Hit vom IS eingenommen wurde, flohen viele der Bewohner, mehrere Hundert wurden jedoch gefangen – und dann hingerichtet.

Bilder von Erschießungen wurden im Internet veröffentlicht. Mit der Maßnahme will der IS offensichtlich den Stamm der Al Bu Nimr bestrafen. Es ist einer der wenigen Stämme, die sich auf die Seite der irakischen Regierung gestellt haben und gemeinsam mit der Armee gegen die Islamisten kämpfen. Das Massaker soll andere Stämme abschrecken, dem Beispiel der Bu Nimr zu folgen. Oder sich gegen den IS aufzulehnen.

Die neue Regierung in Bagdad bemüht sich, die Stämme der Anbar-Provinz für sich zu gewinnen. Allerdings – so klagen die Stämme – sei die schiitisch dominierte Regierung immer noch nicht bereit, im Gegenzug für die Unterstützung auch den Stämmen zu helfen. So sollen die Bu Nimr immer wieder die Armee um Unterstützung oder auch nur um Waffen gebeten haben, damit sie sich selbst gegen die Angriffe der gut ausgerüsteten IS-Kämpfer schützen können. Doch ohne Erfolg.

Und so bleibt es für die Stämme weiterhin extrem riskant, sich gegen den IS zu stellen. Von den 30 000 bis 40 000 Stammesmitgliedern im umkämpften Gebiet sollen bisher nur rund 5000 die Anti-IS-Allianz aktiv unterstützen. Kein Wunder also, dass allgemein damit gerechnet wird, der Kampf gegen den IS in Irak und Syrien werde andauern.

Fürs nächste Frühjahr kündigte das irakische Militär eine Offensive an. Dazu sollen mehr als 20 000 Soldaten speziell trainiert werden. Unterstützt wird die Planung dieser Offensive von der US-Armee. Die Ankündigung löste eine neue Runde der Spekulationen aus: Wird US-Präsident Barack Obama Wort halten und die Rolle seiner Streitkräfte weiterhin auf Hilfestellung bei Planung und Ausbildung des irakischen Militärs sowie Luftschläge gegen IS-Stellungen beschränken, oder kommen dann doch US-Bodentruppen zum Einsatz?

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Dossier

Islamischer Staat (IS) nennt sich jene islamische Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt. Gelegentlich auch Isis - die Abkürzung für "Islamischer Staat im Irak und Syrien". In Deutschland ist die Organisation seit kurzem verboten.

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