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Islamischer Staat (IS, Isis)
Islamischer Staat (IS) oder Isis (Islamischer Staat im Irak und Syrien) nennt sich jene Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt.

22. Oktober 2014

Kampf gegen IS: Erdogan: "Verstehe Bedeutung von Kobane nicht"

Detonationen in Kobane.  Foto: afp

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan kritisiert mit scharfen Worten den US-Waffenabwurf über Kobane. Unterdessen bleiben die syrischen Kurden allein in Kobane: Es gibt keine Absprachen, wann Peschmerga eintreffen. Giftgasangriff-Gerüchte erwiesen sich als falsch.

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Kobane –  

Neuer Zwist zwischen der Türkei und den USA über das richtige Vorgehen gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS): Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan bezeichnete am Mittwoch in Ankara den US-Waffenabwurf für Kurdenkämpfer in der vom IS belagerten nordsyrischen Stadt Kobane als "falsch". Indes würdigte US-Außenminister John Kerry bei seinem Besuch in Berlin Deutschlands Beitrag zum Kampf gegen die Dschihadisten.

So bleiben die kurdischen Verteidiger der von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bedrohten syrischen Stadt Kobane vorerst auf sich allein gestellt. Die Türkei hatte kurdischen Kämpfern der nordirakischen Peschmerga am Montag eine Passage nach Kobane gestattet - doch bislang sei noch nicht beschlossen, wann und in welchem Umfang die Unterstützung aus dem Irak eintreffe, sagte der Verwaltungschef von Kobane, Anwar Muslim, der kurdischen Nachrichtenagentur Firat. Die IS-Kämpfer setzen der seit mehr als fünf Wochen belagerten Stadt immer stärker zu. Gerüchte eines IS-Giftgasanschlags in der Nacht zum Mittwoch erwiesen sich nach Angaben von Menschenrechtlern jedoch als falsch.

Augenzeugen aus Kobane hatten in der Nacht berichtet, zahlreiche Einwohner litten an Atemnot und zeigten Symptome eines Giftgasanschlages. Tatsächlich soll es sich jedoch um eine Einzelperson handeln: «Ein Allergiepatient litt unter dem durch die Bombardierungen verursachten Rauch», sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte der dpa. Er sei in der Nacht stationär mit Sauerstoff behandelt worden und habe das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Erdogan sagte vor Journalisten, einige der am Montag von den USA abgeworfenen Kisten mit Waffen und Munition aus irakischen Beständen seien der syrischen Kurdenpartei PYD und auch IS-Kämpfern in die Hände gefallen. "Jede Hilfe für die PYD nutzt letztlich der PKK", sagte Erdogan. "Und als Türkei müssen wir das bekämpfen." Ankara betrachtet die PYD als "terroristische" Organisation, die kurdische Arbeiterpartei PKK ist in der Türkei verboten.

Flüchtlinge in der Türkei.  Foto: dpa

"Ich verstehe nicht, warum Kobane in den Augen der USA solch eine strategische Bedeutung hat. Es gibt dort nicht mehr einen Zivilisten", sagte Erdogan. Die USA wollen nach eigenen Angaben mit den Waffenabwürfen jenen Kurden helfen, die die Stadt gegen vorrückende IS-Kämpfer verteidigen. Kobane gehört zu den größten Städten in den syrischen Kurdengebieten und wird unter anderem vom bewaffneten Arm der PYD, den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), verteidigt.

Berichten zufolge gelangte mindestens eine der von US-Flugzeugen abgeworfenen 27 Kisten mit Waffen und Munition in die Hände von IS-Kämpfern. Ein im Internet veröffentlichtes IS-Video zeigte einen maskierten Dschihadisten mit einem entsprechenden Paket. Dem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, zufolge ist die US-Armee zuversichtlich, "dass die große Mehrheit der Pakete in die richtigen Hände gelangt ist".

Nachdem Ankara am Montag grünes Licht für die Einreise von Peschmerga-Soldaten aus Irak gegeben hatte, wollte das kurdische Regionalparlament im Irak am Mittwoch über eine Entsendung der Kämpfer entscheiden. Anders als zu den großen türkischen und syrischen Kurdenorganisationen unterhält Ankara gute Beziehungen zu Massud Barsani, dem Präsidenten des irakischen Kurdengebiets.

Kinder in einem türkischen Flüchtlingslager.  Foto: dpa

In der Nacht zum Mittwoch gab es erneut heftige Gefechte in Kobane. IS-Kämpfer hätten vergeblich versucht, aus mehreren Richtungen ins Stadtzentrum vorzurücken, sagte der Kurden-Vertreter Idriss Nassen. Auch US-Ministeriumssprecher Kirby sagte, der IS sei in den vergangenen Tagen in Kobane nicht weiter vorgerückt.

US-Angaben zufolge wurden bei mehr als 140 Luftangriffen binnen weniger Tage hunderte IS-Kämpfer rund um Kobane getötet. Indes informierte die syrische Regierung darüber, dass zwei von drei syrischen Luftwaffenjets, die IS-Kämpfer erobert hatten, nahe Aleppo abgeschossen worden seien.

Mehr dazu

Die Vereinten Nationen werfen dem IS einen "versuchten Völkermord" an der religiösen Minderheit der Jesiden im Irak vor. Der UN-Menschenrechtsvertreter Ivan Simonovic sagte am Dienstag (Ortszeit) in New York nach seiner Rückkehr aus Gebieten im Nordirak, es gebe Beweise dafür, dass die IS-Kämpfer versucht hätten, die Jesiden "auszulöschen", indem sie zum Übertritt zum Islam gezwungen oder umgebracht worden seien. Das Vorgehen des IS sei gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

US-Außenminister Kerry sagte nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin, Deutschland leiste einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung der Extremisten. Die USA wüssten "sehr stark zu schätzen", was Deutschland insgesamt bei der Bewältigung der aktuellen weltweiten Krisen leiste. (afp/dpa)

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Islamischer Staat (IS) nennt sich jene islamische Terrorgruppe, die ein Kalifat anstrebt. Gelegentlich auch Isis - die Abkürzung für "Islamischer Staat im Irak und Syrien". In Deutschland ist die Organisation seit kurzem verboten.

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