Es ist vor allem das worst-case-Szenario, das Amerikas Steuerzahler beunruhigt: Die US-Wirtschaft rutscht in eine neue Rezession, die
Häuserpreise fallen weiter und liegen rund 45 Prozent unter denen von 2006. Sollte dieser Fall eintreten, müssten die Bürger insgesamt rund 259
Milliarden Dollar an Steuergeldern in die Rettung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac stecken.
Die Zahlen sind das Ergebnis eines Stresstestes, dem die Federal Housing Finance Agency die beiden Kreditfinanzierer unterzogen hat. Für
wahrscheinlicher hält die Behörde jedoch, dass sich die Häuserpreise bereits im Herbst 2011 wieder stabilisieren. In diesem Fall rechnet sie mit
Gesamtkosten von 154 Milliarden Dollar. "Im wahrscheinlichsten Szenario liegen 90 Prozent der Verluste bereits
hinter uns", sagte der zuständige Staatssekretär Jeffrey A. Goldstein in einer Stellungnahme am Donnerstag.
Die US-Regierung hatte die beiden Hypothekenfinanzierer im September 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise übernommen. Bislang kostete die Rettung rund 135 Milliarden Dollar. Fannie Mae und Freddie Mac stellen gemeinsam rund die Hälfte aller Hypotheken im Gesamtwert von 10,6 Billionen US-Dollar in den USA bereit. Beide waren in Schwierigkeiten geraten, als viele Hausbesitzer zwischen 2005 und 2008 ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. Als Reaktion haben sie die Kriterien für die Kreditvergabe inzwischen verschärft. Derzeit wehren sich viele Hausbesitzer gegen die Zwangsversteigerung ihrer Häuser. Sollten die Klagen erfolgreich sein, könnten weitere Verluste auf die Hypothekenbanken zukommen.
Die Ergebnisse des Stresstestes könnten die Debatte über die künftige Rolle der Regierung im Hypothekenmarkt neu entfachen. Die Republikaner fordern
eine vollständige Privatisierung der Firmen. Im Januar will die Obama-Regierung ihren Plan für eine Reform des Hypothekenmarktes vorlegen.
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