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Theater

07. März 2016

„Der Goldene Fleiß“ in Frankfurt: „Heute bin ich ein Diskurs“

 Von 
"Der Goldene Fleiß" in der Box am Frankfurter Schauspiel: Paula Skorupa als afrikanischer Prophet.  Foto: Birgit Hupfeld

Alexander Eisenachs ironisch gebrochene Afrika-Utopie „Der Goldene Fleiß“ in der Box am Schauspiel Frankfurt.

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Eine bestrickende Ausgangssituation wählt Alexander Eisenach für sein Stück „Der Goldene Fleiß“. Ein Voodoopriester in Darfur prophezeit dem jungen frustrierten Jayson (!), dass er den Kontinent Afrika wird retten können, indem er im Norden Europas den Goldenen Fleiß raubt und in die Heimat bringt. Mit seinem Freund Marbadu und einem griechischen Schlepper macht Jayson sich auf den Weg.

Eisenach erweist sich dabei als gewiefter Texter, womöglich als zu gewiefter. Seine Figuren sind fabelhafte Diskursreiter in einer Welt, in der anscheinend auch im Sudan theoretisch nichts Neues mehr zu sagen und jedermann auf dem Stand der Dinge ist, auch was das ironische Brechen aller dramatischeren Ansätze betrifft.

Das ist einerseits unterhaltsam und helle, wirkt andererseits bald ein bisschen schal. Vielleicht gerade deshalb, weil die Idee so reizvoll ist (mehr reizvoll als triftig, zugegebenermaßen): Eine Argonautenfahrt von Afrika aus als Versuch, den Klischees zu entrinnen, den Spieß irgendwie kühn umzudrehen, nicht mehr als Bittsteller an eine vermeintliche Paradiestür zu hämmern, sondern auf Beutezug auszugehen und mit dem Besten zurückkehren.

Und dann sieht man doch wieder die üblichen postdramatischen Pfiffikusse, die alles schon wissen. Alexej Lochmann bringt es als Madame Dea auf den Punkt: Gestern sei er eine Drag-Queen gewesen, sagt er, „heute bin ich ein Diskurs“.

Natürlich scheitert das Unternehmen auch. Jayson will dann doch lieber bleiben und wendet sich gar vom Transvestiten ab, der ihm illegal Unterschlupf gewährte und darum nun Ärger bekommt. Jayson spielt derweil bereitwillig den Musterflüchtling, den die Politik gerade braucht: dankbar und optimistisch, und Carina Zichners Gesicht glänzt in Schwarz-Rot-Gold dazu.

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Im ersten Moment hätte man meinen können, sie schiebe doch noch ein Blackfacing ein, nachdem die Afrikaner in der kleinen Box-Bühne des Frankfurter Schauspiels bis dahin so konsequent ihre eigene Hautfarbe zeigten (ein bisschen Schwarzen-Mode-Ironie aber in den Kostümen von Katja Quinkler).

In einer Produktion des Regiestudios mit dem Autorenstudio spielen die Mitglieder des Schauspielstudios. Daniel Foersters Inszenierung hat etwas sympathisch Überschwängliches, obwohl alles sich einfach um eine große, multifunktionale Holzkiste dreht (Bühne: Julia Scheurer). Dazu wallen Nebel, gibt es Musik auch von Wagner und Mahler. Das dient einerseits der allgemeinen Verrücktheit – nicht nur betritt Paula Skorupa als Priester mit bizarren Vorhersagen die Bühne, sondern es erklingt auch noch „Parsifal“ dazu –, hinterlässt andererseits den Eindruck, dass hier einmal allerlei ausprobiert wurde.

Hingebungsvoll und überzeugend das Darstellerquartett, zu dem noch Timo Fakhravar als extrem beweglicher Marbadu gehört.

Schauspiel Frankfurt, Box: 8. März, 7., 8. April. www.schauspielfrankfurt.de

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