Die Stimmung ist gut, die Herren fühlen sich heldenhaft mit ihren Eisernen Kreuzen, die Frauen unwiderstehlich in ihren Seidenroben. Man spielt Diva und Mann von Welt und hat sich dafür schönsten UFA-Star-Glanz zugelegt. Am Dresdner Staatsschauspiel inszenierte Burkhard C. Kosminski das Luftwaffen- und Gewissenslast-Drama "Des Teufels General" ganz in dessen Zeit.
1941 spielt es, 1945 hat es Carl Zuckmayer geschrieben. Und immer wieder sorgte es für Diskussionen, ob man die willfährige Verstrickung in ein Unrechtssystem so mitfühlend und menschlich darstellen darf, wie Zuckmayer es fast schon mit der tragischen Tragweite Shakespeares tat.
Florian Ettis Bühne ist ein Nazi-Repräsentationsgebäude, nüchternes 40er-Jahre-Mobiliar erhöht die Eleganz der Stofftapete. Heikle Gespräche, in denen Fliegergeneral Harras der Sabotage an Wehrmachtsmaschinen verdächtigt wird, führt man in ebenso fein tapezierten Hinterzimmern. Als Harras dann, im Bewusstsein der Gefahr, seine Freunde (und Feinde) umso großmännischer empfängt, kippt der Raum, auf dessen Außenseite wir bisher geblickt haben, nach hinten, gibt einen Festsaal frei und erinnert an ein startendes Flugzeug.
In eine mächtige Zukunft soll es aufsteigen, ein neues Deutschland erreichen. Aber Passagieren und Piloten dämmert bereits, dass sie in einen alles vernichtenden Wahnsinn fliegen, und sie wissen nicht, wie sie die mörderische Kiste halbwegs glimpflich wieder auf den Boden kriegen. Das könnten Kosminski und sein Bühnenbildner damit meinen. Sie zeigen Menschen, die Angst bekommen vor ihrer eigenen Ideologie.
In Dresden ruft "Des Teufels General" noch frischere Erinnerungen wach. Und wenn man dann noch weiß, dass in Dresden am Gedenktag der Bombardierung, dem 13. Februar, Tausende Neonazis aufmarschieren werden und die Stadt sich nicht auf ein stilles Gedenken wie in früheren Jahren zurückziehen, sondern in einem bürgerschaftlichen Bündnis eine Menschenkette bilden will, dann ist Zuckmayers Stück nicht viel hinzuzufügen.
Das unterlässt auch Kosminski mit seiner auf den ersten Blick konventionellen, fein und geistreich gearbeiteten Inszenierung. Viele Nebenfiguren hat er gestrichen, den Text bisweilen umgebaut, mit Nazi-Liedgut bestückt und zum Krimi geformt - Mörder sind hier alle, aber wer ist der Saboteur und warum tut Harras so wenig zu dessen Überführung?
Tom Quaas als Harras ist nicht nur des Teufels General, er ist auch sein Schauspieler, spielt wie der Teufel selbst. Er ist klug, mächtig, charismatisch, schöngeistig, selbstverliebt, eigennützig und inkonsequent. Außer am Ende, wenn er sich tötet, weil er weder Regimegegner noch -getreuer sein kann. Neben Quaas verblassen die anderen Schauspieler ein wenig, sowohl Annika Schilling, die als BDM-Karrieristin Pützchen den Fliegergeneral verführen will, als auch Philipp Otto, der seinen propagandistischen Gegenspieler gibt. Trotzdem ist der Abend eine großartige Studie zu Zuckmayers Frage: "Wird jeder so, wenn man ihn lässt?"
Staatsschauspiel Dresden: 14., 18., 26. Februar, www.staatsschauspiel-dresden.de