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Theater

11. März 2016

"Die Wunderübung" im Remond Theater: Es funktioniert wirklich

 Von 

Nicht immer ist Ehekrieg auf offener Bühne eine solche Patt-Situation: Daniel Glattauers „Die Wunderübung“ im Fritz Rémond Theater in Frankfurt.

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Unverheiratet zu sein, hat Vorteile beim Besuch von „Die Wunderübung“, in der unglückliche und später auch glückliche Ehen eigentlich gleichermaßen durch den Kakao gezogen werden. Und zwar, indem sie einfach vorkommen, dem Leben recht schön abgehört. Es ist schwierig, sich im permanenten Gezanke zwischen Joana und Valentin nicht irgendwann und irgendwo selbst zu entdecken. Man braucht keinen Ehemann dafür und vielleicht auch keine Ehefrau, nur sind die Parallelen zum eigenen Leben dann nicht so offenkundig.

Daniel Glattauer, der hier erstmals direkt ein Theaterstück geschrieben hat – die erfolgreichen Stücke „Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ basierten auf seinen Romanen –, hat seine Ohren offenbar am Alltag seiner Zeitgenossen, er kennt sich gut aus mit Paartherapien, er weiß, was eine paradoxe Intervention ist. Er schreibt witzige Dialoge, und seine romantische Seite verträgt sich mit dem gesunden Menschenverstand. Es ist ein Vergnügen, dabei zuzuschauen, wie Joana und Valentin sich versehentlich einmal einig sind, dann versehentlich gleich noch einmal. Und so weiter. Natürlich geht es zu diesem Zeitpunkt gegen den Therapeuten.

Als der Vorhang aufgeht im Fritz Rémond Theater in Frankfurt und die schicke, mit fernöstlichen Accessoires dezent dekorierte Praxis (Bühne: Steven Koop) zu sehen ist, sind Anja Kruse und Christopher Krieg schon da und ein restlos gereiztes Paar. Jetzt zu warten, das hat ihnen gerade noch gefehlt. Gleich platzt einer. Dass sie bloß die beiden Seiten derselben Münze sind, merken die Zuschauer weit vor ihnen. Nicht immer ist Ehekrieg auf offener Bühne eine solche Patt-Situation.

Der Therapeut hat immer recht

Jerry Marwig, der systemische Paartherapeut – ferner selbst Ehemann, dazu Besitzer eines Hundes namens Sigmund –, ist nervtötend professionell und interveniert klug. Kruse und Krieg lassen sich lange überhaupt nicht auf so was ein. Man kann ihnen dabei zusehen, wie sie Übungen machen – zynisch, sarkastisch, nach Art der restlos Verbitterten – und die „Wunderübung“ ist bis zur Pause jedenfalls noch nicht dabeigewesen. Dann aber! Glattauer achtet sehr darauf, dass es zwar viel zu lachen gibt, dass die Situation aber doch realistisch wirkt, einigermaßen realistisch. Regisseur Peter Kühn handhabt es ebenso.

Einiges Aufsehen in der Premiere erregte übrigens die Tatsache, dass Valentins Seitensprung Brigitte – französisch ausgesprochen, Jahre her, aber Joana hat es nicht vergessen, wie auch Valentin ihr über kurz oder lang einen gewissen Viktor unter die Nase hält – aus Heusenstamm kam. Warum ausgerechnet aus Heusenstamm? Manchmal rücken die Dinge auf dem Theater irritierend nah an einen heran.

Fritz Rémond Theater im Zoo, Frankfurt: bis 17. April. www.fritzremond.de

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