Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Theater

14. Januar 2013

„Freischwimmer“-Festival im Mousonturm: Nahrung für das Publikum

 Von Sylvia Staude

Im Mousonturm Frankfurt beginnen die „Freischwimmer“.

Drucken per Mail
Frankfurt –  

Der letzte Schrei unter Theater- und Performance-Avantgardisten scheint es zu sein, das Publikum zu füttern – oder wenigstens an echten Essensgerüchen teilhaben zu lassen. Nicht mehr Tee, der auf Schauspielbühnen meist Alkoholika zu mimen hat, ist angesagt, sondern die Authentizität eines Tellers Minestrone, eines Würstchens oder Gin Tonic.

So war es jetzt auch beim Start des „Freischwimmer“-Festivals im Mousonturm: In Joonas Lahtinens Küche darf der Zuschauer sich zuletzt aus den Schränken nehmen, was er möchte (ein Herr reichte ein Glas Würstchen rum), und das Duo „Giesche X Hermsdorf“ schenkte nicht nur sich ein.

Der junge Performer und Theaterwissenschaftler Lahtinen begann das Nachwuchs-Festival mit „Ein.Küchen.Bau“ in persönlicher Bestzeit: In 22 Minuten war im oberen Foyer des Mousonturms die Küche aufgebaut, inklusive Geräte, Lebensmittel, Zierrat wie Radio, gestickte Sprüche, Bildchen. In einem Hängeschrank liefen dann Videos, die echte Menschen in echten Küchen zeigen, darunter auch die von Margarete Schütte-Lihotzky kraftsparend geplante so genannte Frankfurter Küche. Bis zum 19. Januar wird Lahtinen an den „Freischwimmer“-Tagen ab 18 Uhr kochen: Nudeln, Linseneintopf, Topfenknödel.

Im Theatersaal ging es weiter mit „Black or White“ von und mit Alexander-Maximilian Giesche und Lina Hermsdorf, die sich am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft kennenlernten. Mit schwarzen Helmen und verzerrten Stimmen ähneln die beiden Performer Marsmännchen, in ihrem blendend weißen Welt-Eck gibt es nur ein paar bunte Luftballons, später weiße und schwarze Ventilatoren.

Das Licht (Maika Knoblich) flackert meist so dezent, dass man sich das einzubilden meint, wird aber zu einem Popmusik-Medley offensiv bunt. Über Gott und die Welt reden die Darsteller mit ihren Comicfigurenstimmen, über Kobe-Rinder, die EZB, über Drinks. Das ist ziemlich schräg und ziemlich lustig. Trotz der dunklen Helme meint man, Gefühle erkennen zu können bei diesen alien-artigen Wesen. Dann gehen die zwei ab, kommen ohne Helm wieder rein – und beginnen seelenruhig, Malerfolie auszubreiten und die Rückwand schwarz zu streichen.

Zwischendurch schenkt Giesche aus, ein Teil des Publikums holt sich einen Drink, ein anderer verlässt nach und nach den Saal. So versinkt eine faszinierend seltsame Aufführung gleichsam in schwarzer Farbe.

„Freischwimmer“ im Mousonturm Frankfurt: bis 19. Januar. www.mousonturm.de

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Times mager

Seid umarmt

Von  |
In den USA bereiten sich die Menschen wieder auf den „National Hugging Day“ vor.

Für alles gibt es einen Tag, sogar zu Ehren der Jogginghose. Aber wen oder was könnte der 20. Januar ehren? Mehr...

Buchmesse 2018
Volkstänzerin bei einem Festival in Georgien.

Georgien ist Gast der Frankfurter Buchmesse 2018. Vorabbesuch in einem wenig bekannten Bücherland.

Kalenderblatt 2017: 20. Januar

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 20. Januar 2017: Mehr...

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.