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"Peterchens Mondfahrt" im Kammerspiel: Bis zum Mond ist es recht weit ...

Das Frankfurter Kammerspiel zeigt "Peterchens Mondfahrt". Ob es an den voluminösen Kostümen liegt, die jeweils angelegt werden müssen, dass die Musik oft spielt und spielt und nichts passiert? Von Sylvia Staude

Als "Peterchens Mondfahrt" von Gerdt von Bassewitz im Jahr 1912 Uraufführung hatte, in Leipzig, träumte noch niemand auch nur davon, dass die Sternchen den bösen Mondmann einmal mit CD-Scheiben blenden können würden: Diese wurden nun im Frankfurter Kammerspiel im erheblich minderjährigen Publikum verteilt, um den Kampf gegen den Bösewicht gewinnen zu können, der dem armen Maikäfer Sumsemann ein Bein ausriss. Bis auf den Mond muss der fünfbeinige Käfer reisen, um das sechste wiederzubekommen. Und er muss zwei Kinder dabei haben, die noch nie ein Tier gequält haben, deswegen "Peterchens Mondfahrt" (Schwester Anneliese war zwar auch brav, aber offenbar - wie Mädchen damals halt - nicht titelwürdig). Aus Bassewitz´ Text wurde ein berühmtes Kinderbuch, fraglich aber ist, ob die Fünf- und Sechsjährigen, die am gestrigen Vormittag die Mehrheit bildeten im Kammerspiel, je einen Maikäfer gesehen haben in freier Natur.

Das Theaterkollektiv Showcase Beat Le Mot gibt es seit 1997, zehn Jahre später wandte sich die Gruppe erstmals Kindertheater zu: Ihr "Räuber Hotzenplotz" ist frisch und frech und zeigefingerlos. Letzteres ist "Peterchens Mondfahrt" zwar auch, pädagogische Korrektheit war gestern, aber die Reise zum Mond zieht sich doch ziemlich (fast zwei Stunden, allerdings mit langer Hörnchen-Backpause).

Ob es an den voluminösen Kostümen liegt, die jeweils angelegt werden müssen, dass die Musik oft spielt und spielt und nichts passiert? Oder daran, dass die Performer/Regisseure/Bühnen- und Kostümbildner Nikola Duric, Thorsten Eibeler, Dariusz Kostyra, Veit Sprenger immer wieder vorm Mikro stehen und die Sumsemann-Story nacherzählen - obwohl viele Kinder laut "spielen!" fordern?

Wenn die vier dann "spielen!", dazu noch das ein und andere Video einsetzen, kommt immerhin Schwung in die Sache: "Linkes Bein, rechtes Bein, und dann kommt das Flügelein", übt Sumsemann mit den Kindern das Fliegen; im Kammerspiel wird´s sehr munter. Der Donnermann donnert, der Wassermann bringt eine Badewanne inklusive Toilette und Dusche mit, der Sturmriese rollt eine Maschine mit vielen Schläuchen rein, aus denen es bläst und pfeift.

Und nach der Pause geht es tatsächlich schnell. Schon dürfen alle singen: "Herr Sumsemann, Herr Sumsemann, schau´n Sie sich mal Ihr Beinchen an."

Schauspiel Frankfurt, Kammerspiel: 28., 29. Oktober. www.schauspielfrankfurt.de

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  28 | 10 | 2009
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